Wirtschaft
Ein Penthouse im "High Park" am Potsdamer Platz: 11.000 Euro soll der Quadratmeter kosten.
Ein Penthouse im "High Park" am Potsdamer Platz: 11.000 Euro soll der Quadratmeter kosten.

Bei Arabern, Russen und Chinesen beliebt: Berliner Wohnungen so teuer wie nie

Von Hannes Vogel

Nicht nur in London und Paris explodieren die Wohnungspreise. Auch in Berlin entstehen immer mehr Luxus-Appartments. Einheimische können da kaum noch mithalten. Dafür greifen immer mehr Ausländer zu.

Wer auch immer im Penthouse im dreizehnten Stock des "High Park" wohnen wird, er wird über den Dächern von Berlin schweben. Am Boden wacht ein Concierge, im Garten sollen Magnolienbäume blühen und von der Panoramaterrasse in etwa 50 Metern Höhe kann man über den Potsdamer Platz schauen, wenn die Luxus-Türme Ende 2017 fertig sind. Nicht nur die Sicht ist atemberaubend: bis zu 11.000 Euro kostet der Quadratmeter. Für 93 Millionen Euro entstehen im Herzen Berlins 165 Luxuswohnungen.

Frank Gehry plant dieses Hochhaus, den "Hines-Tower", auf dem Alexanderplatz.
Frank Gehry plant dieses Hochhaus, den "Hines-Tower", auf dem Alexanderplatz.(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur am Potsdamer Platz, überall in der Hauptstadt schießen Edel-Bauten in die Höhe. Am Alexanderplatz plant der US-Stararchitekt Frank Gehry für 250 Millionen Euro den 150 Meter hohen "Hines-Tower", der Berlins neues Wahrzeichen werden soll. Das "Palais Varnhagen" in der Französischen Straße hat der britische Stararchitekt David Chipperfield entworfen. Und am historischen Schinkel-Platz gegenüber dem neuen Stadtschloss entstehen gerade die teuersten Nobelappartements in Mitte.

Die Luxus-Gebäude sind das deutlichste Zeichen für den boomenden Berliner Immobilienmarkt. Hippes Flair, die wachsende IT-Branche und der Politikbetrieb ziehen immer mehr Menschen in die Stadt. Seit 2006 sind die Bestandsmieten laut Berechnungen der Immobilienfirma Patrizia von knapp sechs Euro um rund 50 Prozent auf nun fast neun Euro gestiegen. Kostete eine Wohnung vor fünf Jahren im Schnitt noch rund 144.000 Euro, sind es laut der Berliner Immobilienfirma Accentro inzwischen rund 196.000 Euro. Berliner Wohnungen sind damit so teuer wie nie zuvor.

Araber, Chinesen und Russen greifen zu

Nicht nur deutsche Anleger, die in der Eurokrise ihr Geld retten wollen, greifen zu. Wie andere Weltmetropolen zieht auch Berlin mittlerweile immer mehr reiche Investoren aus dem Ausland an, die ihr Geld sicher in der Hauptstadt parken wollen. 70 Käufer aus 30 Ländern haben sich schon einen Platz im "High Park" reserviert, darunter Kanadier, Niederländer, Araber aus dem Nahen Osten und Neuseeländer. Anderswo haben sich auch viele Russen und Chinesen eingekauft.

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"Wir verkaufen unsere Objekte im Schnitt für 5500 Euro je Quadratmeter", sagt Peter Rabitz von Zabel Property. Die Maklerfirma hat sich auf Luxusimmobilien für ausländische Investoren spezialisiert. Selbst 10.000 Euro seien heute im Premium-Segment etabliert, sagt Rabitz: "In etwa drei bis fünf Jahren werden wir bei 15.000 Euro liegen, sollte sich der Markt weiter so entwickeln".

Die Preisexplosion verwundert Experten kaum, denn Berlin startet von einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Trotz des enormen Anstiegs sind Immobilien in Berlin immer noch viel billiger als in anderen Metropolen: Laut der UBS-Bank liegt die Durchschnittsmiete einer unmöblierten Dreizimmerwohnung hierzulande bei rund 1100 Dollar. In Paris sind es etwa 2200 Dollar, in London sogar rund 3200 Dollar. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten an der Spree viel geringer als an der Themse oder der Seine. Für Berlin ist billiges Wohnen und Arbeiten im Vergleich zu anderen Großstädten weiter ein Standortvorteil.

Einheimische werden verdrängt

Für all die Berliner, die keine günstige Wohnung mehr finden, muss das wie Hohn klingen. Immer mehr Einheimische werden durch die steigenden Preise in die Randbezirke verdrängt. Vor allem in Mitte wird es immer enger. Hier gibt es die meisten Luxus-Neubauten.

Angetrieben wird der Markt aber vor allem dadurch, dass immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Neben Frankfurt und München profitiert vor allem Berlin davon. Die deutsche Hauptstadt ist nach London, Paris und Madrid der viertgrößte Ballungsraum Europas. "Berlin war die Stadt, die man in den letzten Jahren bei den Bevölkerungsprognosen am meisten unterschätzt hat", sagt Marcus Cieleback, Immobilienexperte bei der Patrizia. "Die Preise sind eher fundamental bedingt, da ist nur wenig Spekulation im Markt".

Jeder, der eine bezahlbare Wohnung sucht, wird also künftig wohl noch öfter fluchen. Auch die neue Mietpreisbremse wird kaum helfen, sagt Accentro-Vorstand Jacopo Mingazzini: "Es wird sich trotzdem der wirtschaftlich stärkste Mieter durchsetzen. Er freut sich dann einfach nur, dass er seine Wohnung billiger bekommt. Die einzige Lösung ist, mehr Wohnraum zu schaffen, und da hat die Politik jahrelang geschlafen", sagt Mingazzini. "Gentrifizierung kann man nicht verhindern. Man kann sie nur verzögern", meint Cieleback.

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Quelle: n-tv.de

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