Wirtschaft
Vor fünf Jahren war ein Bitcoin weniger als neun Dollar wert. Nun hat die Kryptowährung die Marke von 7000 Dollar überwunden.
Vor fünf Jahren war ein Bitcoin weniger als neun Dollar wert. Nun hat die Kryptowährung die Marke von 7000 Dollar überwunden.(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)
Donnerstag, 02. November 2017

7000-Dollar-Marke geknackt: Bitcoin erfreut Spekulanten

Von Jan Gänger

Die Bitcoins setzen ihre imposante Rallye fort und jagen von Rekordhoch zu Rekordhoch. Der Höhenflug scheint unaufhaltsam. Doch hinter dem Boom steckt viel Zockerei.

Der Kurs des Bitcoin scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen: nach oben. Am Morgen kostete ein Bitcoin erstmals mehr als 7000 Dollar, die Kryptowährung setzt damit ihre beachtliche Rallye fort. Zu Buche stehen 23,5 Prozent Gewinn in einer Woche, seit Jahresbeginn ein Plus von satten 555 Prozent. Zur Einordnung: Vor drei Jahren kostete ein Bitcoin 274 Dollar, vor fünf Jahren 8,35 Dollar.

Da stellt sich die Frage: Was ist da los? Für den Höhenflug werden viele Gründe angeführt. Der jüngste: Die weltgrößte Terminbörse CME plant, für den Bitcoin einen so genannten Future einzuführen - damit könnten Anleger an einem geregelten Handelsplatz auf den Bitcoin-Preis wetten oder sich besser gegen dessen kräftige Schwankungen absichern.

Bitcoin

Im Gegensatz zu den offiziellen Währungen wie Euro und Dollar steht hinter den Bitcoins keine Zentralbank. Vielmehr werden sie an leistungsstarken Rechnern produziert, sie können gestückelt werden. Ihre Menge ist begrenzt, irgendwann soll es höchstens 21 Millionen Bitcoins geben. Im Prinzip sind Bitcoins Goldkörner, die mit einer Seriennummer versehen sind. An bestimmten Börsen können sie in reales Geld getauscht werden

Hinter der digitalen Währung steht die komplexe Blockchain-Technologie. Ihr wird zugetraut, herkömmliche Verfahren zur Absicherung des Zahlungsverkehrs abzulösen. Das heißt: Sie funktioniert wie ein virtuelles Kassenbuch, über das sich Geschäfte direkt zwischen den Parteien durchführen lassen. Einen Abwickler für die Geschäfte - wie etwa eine Börse - braucht es nicht mehr.

Das Prinzip einer Blockchain ist, dass verschlüsselte Daten über alle Transaktionen auf mehreren Rechnern gespeichert werden. Dabei werden neue Informationen wie weitere Blöcke in chronologischer Reihenfolge an die Kette vorheriger Daten angehängt - daher auch der Name (etwa: Blockkette).

Vorher wurde beispielsweise darauf verwiesen, dass Goldman Sachs darüber nachdenke, in den Handel mit Bitcoins einzusteigen oder darauf, dass die Handelseinschränkungen in China nur vorübergehend seien.

Angesichts des überaus rasanten Preisanstiegs klingt das allerdings häufig so, als werde nachträglich eine Erklärung für eine Kursentwicklung angeführt, die man sich eigentlich nicht erklären kann. Wir häufig an der Börse scheint es so, als ob nicht die Nachrichten die Kurse machen, sondern die Kurse die Nachrichten.

Es spricht viel dafür, dass hinter der Kursexplosion vor allem ein ganz simpler Grund steckt: Spekulation. Wegen der wachsenden Popularität springen immer mehr auf den Zug auf, um von den Kursgewinnen zu profitieren und treiben so den Preis in die Höhe. Mit anderen Worten: Der Hype nährt den Hype.

Für manche ist das ein sicheres Zeichen, dass all das eine Blase ist. So sagte der frühere Chef-Ökonom des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, vor Kurzem einen massiven Kurseinbruch bei Bitcoin voraus.

"Gefahr eines Totalverlusts"

Dazu kommt, dass der Kurs sehr volatil ist. So war der Kurs pro Bitcoin Mitte September auf 3000 Dollar eingebrochen, nach rund 5100 Dollar zu Beginn des Monats. "Bitcoin schwankte in den letzten sechs Monaten zehnmal stärker als der Dax und auch mehr als Devisenexoten wie der Ariary aus Madagaskar oder der Pula aus Botswana", sagt Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Und die Bundesbank? "Bitcoin ist (…) kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt", sagt Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Es sei zwar ein "erstaunlicher Anstieg im Wert einzelner virtueller Währungen" zu registrieren. "Das ändert aber nichts an der Gefahr eines Totalverlustes." Virtuelle Währungen seien "frei erfunden" und vermehrten sich nach einem ausgedachten Schema in virtuellen Systemen. Diese könnten zum Teil "nach dem Belieben einer kleinen Gruppe" geändert oder neu geschaffen werden.

All das stört manche Anleger offensichtlich herzlich wenig - sie setzen darauf, dass die Rallye weitergeht. Vor dem Hintergrund dieses anscheinend grenzenlosen Optimismus gibt es Experten, die nun Kursziele von 25.000 Dollar ausrufen.

Unabhängig davon, ob Leute, die solche Ziele ausgeben, möglicherweise das Interesse haben, dass der Kurs weiter steigt: Die Bewertung von Bitcoin ist willkürlich.

Bei anderen Anlagemöglichkeiten ist das anders. Bei Aktien können die Anleger beispielsweise die Gewinne des Unternehmens, die Umsatzprognosen oder die Dividenden heranziehen. Bei Anleihen bewerten sie, wie wahrscheinlich es ist, dass der Schuldner das Geld zurückzahlt.

Und bei Bitcoin? Es gibt keine regulierten Börsen, auf denen transparent der Preis festgestellt wird. Die Marktkapitalisierung von rund 100 Milliarden Dollar beruht auf Erwartungen und Annahmen.

Für die Anhänger von Bitcoin ist der Kursanstieg allerdings keine Blase, sondern der Ausdruck für den Erfolg der virtuellen Währung. Dabei ist der Sinn einer Währung nicht, ihren Besitzer reich zu machen. Geld soll ermöglichen, dass jederzeit alle Güter gekauft und verkauft werden können. Diese volkswirtschaftliche Funktion ermöglichen Bitcoins nicht. Denn niemand weiß, ob ein Bitcoin in einer Woche 800 Dollar, 8000 Dollar oder gar nichts wert ist. Es ist alles eine Frage des Vertrauens, das ganz schnell wieder verschwinden kann.

JP-Morgan-Chef blamiert sich

Vor diesem Hintergrund bezeichnete der Chef der US-Großbank JP Morgan, Jamie Dimon, die Währung jüngst als "Betrug" und prognostizierte, die Währung werde in einem Crash enden. Außerdem kündigte Dimon an, er werde jeden Mitarbeiter sofort feuern, der mit Bitcoin handele. Doch der Bank-Chef ruderte ganz schnell zurück und versicherte, er werde sich zum Bitcoin künftig nicht mehr äußern.

Der Grund für den Sinneswandel? Dimon war offenbar entfallen, dass JP Morgan Kunden beim Kauf und Verkauf von Bitcoins hilft. Kryptowährungen sind offensichtlich ganz hervorragend geeignet, um damit zu spekulieren.

Quelle: n-tv.de

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