Wirtschaft
Gestapelte Goldbarren im Keller der Bundesbank: Die insgesamt 3384 Tonnen Edelmetall sollen Deutschland als Anker und Schutzschirm dienen.
Gestapelte Goldbarren im Keller der Bundesbank: Die insgesamt 3384 Tonnen Edelmetall sollen Deutschland als Anker und Schutzschirm dienen.(Foto: dpa)

115.000 Barren in New York: Bundesbank deckt Goldbestände auf

Wo liegt das deutsche Gold? Mit der neuen Goldbarrenliste legt die Bundesbank erstmals einen detaillierten Überblick über ihre Bestände vor. Die Masse des Goldes lagert demnach immer noch jenseits des Atlantiks in New Yorker Tresoren.

Die Deutsche Bundesbank hat erstmals eine Liste über ihre Bestände an Goldbarren an den vier Lagerorten Frankfurt am Main, London, Paris und New York veröffentlicht. Die Liste soll künftig jeweils zum Jahreswechsel aktualisiert werden. Aktueller Stand ist der Stichtag 31. Dezember 2014.

Die Aufstellung enthält unter anderem die Barrennummern, Details wie die sogenannten Melt- oder Inventarnummern sowie das Bruttogewicht der deutschen Goldbestände und das Feingewicht inklusive Angaben zum Feinheitsgrad der eingelagerten Goldreserven.

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Mit der Veröffentlichung der Liste reagiert die Bundesbank auf ihre Kritiker. Die Hüter der deutschen Vermögenswerte kommen damit Forderungen nach einer transparenteren Bilanzierung nach. In den vergangenen Jahren hatten sich kritische Stimmen vehement für eine vollständige Offenlegung der Goldbestände eingesetzt - auch um Zweifel am Umfang, dem Wert oder gar der bloßen Existenz der umfangreichen Vermögenswerte auszuräumen. Der Bundesrechnungshof hatte sich den Forderungen nach einer Inventur angeschlossen.

Die neue Liste liefert nun erstmals greifbare Daten und einen umfangreichen Überblick: Die Bundesbank verfügt demnach über rund 3384 Tonnen Gold im Wert von 107 Milliarden Euro (Stand Ende 2014). Damit hält die Bundesrepublik weltweit die zweitgrößten Goldreserven nach den Vereinigten Staaten. Der Goldbestand stelle zwei Drittel der deutschen Währungsreserven dar, heißt es. Die große Masse liegt mit rund 115.400 Barren in den Kellern der New Yorker Notenbankfiliale an der Südspitze Manhattans - wenige Gehminuten von der Wall Street entfernt.

Gold-Transporte über den Atlantik

Zum Stichtag 31. Dezember 2014 lagerten 35 Prozent der deutschen Goldreserven in Frankfurt, 43 Prozent in New York, 13 Prozent in London und die restlichen 9 Prozent in Paris. Die Verteilung auf Lagerstätten im Ausland will die Bundesbank ändern.

"Spätestens 2020 wird die Hälfte der deutschen Goldreserven in Deutschland lagern", versprach Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. Dazu würden seit 2013 schrittweise 374 Tonnen Gold von Paris und 300 Tonnen Gold von New York nach Frankfurt verlagert.

Künftig würden dann 50 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland lagern, 37 Prozent bei der US-Zentralbank Fed und 13 Prozent bei der Bank of England bleiben. Die Lagerstelle bei der Banque de France wird aufgelöst.

Bis zu 6 Tonnen pro Jahr

Da die Deutsche Bundesbank mit Ausnahme der jährlichen Goldverkäufe an das Bundesministerium der Finanzen (BMF) für das Prägen von Goldmünzen keine weiteren Verkäufe oder auch Zukäufe vornimmt, entwickelt sich der Bestand der deutschen Goldreserven nahezu konstant. Durch die Goldverkäufe an das Berliner Ministerium verminderte sich der Goldbestand in den vergangenen Jahren um 3 bis 6 Tonnen Gold pro Jahr.

Der Verbleib und die mengenmäßige Entwicklung der Goldbestände werden in Deutschland von einer kleinen, aber sehr aktiven Szene aufmerksam verfolgt. Sie fordert seit Langem eine Rückführung des deutschen Goldes und die Veröffentlichung von Barrenlisten. Anhand der Liste kann sie künftig die Umlagerung von Beständen nachvollziehen.

Teure Gold-Transporte

Die Bundesbank weist seit Beginn der Euro-Krise gern auf die Existenz des Goldes und seinen hohen Anteil an den Devisenreserven hin. Damit soll das Vertrauen in die Solidität des Währungssystems gestärkt werden.

Die Umlagerungsaktion nach Deutschland ist mit hohen Kosten verbunden: Die Bundesbank muss nicht nur mit viel Aufwand für eine sichere und geheime Überstellung sorgen. Auch die Ausgaben für Versicherung, Verpackung und den eigentlichen Transport der schweren Edelmetallbestände gehen ins Geld. Indirekt tragen damit die Zweifel der Bundesbank-Kritiker dazu bei, den Wert der deutschen Vermögenswerte zu schmälern.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Verteilung der deutschen Goldreserven finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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