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Ende 2014 waren 500-Euro-Scheine im Wert von 300 Milliarden Euro im Umlauf. Europol vermutet, dass sie vor allem vom organisierten Verbrechen genutzt werden.
Ende 2014 waren 500-Euro-Scheine im Wert von 300 Milliarden Euro im Umlauf. Europol vermutet, dass sie vor allem vom organisierten Verbrechen genutzt werden.(Foto: picture alliance / dpa)

"Freiheit stirbt scheibchenweise": Bundesbank will 500er behalten

Die Europäische Zentralbank würde den 500-Euro-Schein gerne verschwinden lassen. Die Bundesbank hält das für keine gute Idee - und warnt vor "Risiken und Nebenwirkungen".

Die Bundesbank hält nichts von den Plänen der Europäischen Zentralbank, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Vorstand Carl-Ludwig Thiele bezweifelt, dass sich damit die Terrorismus-Finanzierung wirksam bekämpfen lasse. Die Frage müsse gestellt werden, welches Staatsverständnis hinter solchen Vorschlägen stecke, sagte Thiele auf einer Veranstaltung in London. "Die Bürger sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden."

Bei der EZB laufen technische Vorbereitungen für eine Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Er gehört weltweit zu den Geldnoten mit dem höchsten Wert. Ob die Note tatsächlich abgeschafft wird, steht allerdings noch nicht fest. Einen solchen Beschluss müsste der EZB-Rat treffen, in dem auch die Chefs der 19 nationalen Notenbanken sitzen.

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Die Zentralbank begründet die Überlegungen mit dem Kampf gegen die organisierte Kriminalität und den Terrorismus. Nach Angaben der EU-Polizeibehörde Europol machten die 500-Euro-Scheine Ende 2014 allein etwa ein Drittel des Gesamtwerts aller ausgegebenen Euro-Geldscheine aus. Das waren grob 300 Milliarden Euro. Es stelle sich die Frage, wofür diese Geldscheine eigentlich benötigt würden, schrieb die Polizeibehörde in ihrer Analyse vom vergangenen Juli. Sie seien kein übliches Zahlungsmittel, viele Bürger hätten sie noch nie gesehen.

Wunderdinge im Kampf gegen die organisierte Kriminalität würde ein Verbot dennoch wohl nicht bewirken. Fachleute sprechen eher von einem "Mosaikstein". Viele Notenbanker waren bislang ohnehin skeptisch. Verbrecher seien ja nicht zwingend auf derart große Scheine angewiesen, sagte Bundesbank-Vorstand Thiele. Das zeige der Blick in die USA, wo es nichts oberhalb des 100-Dollar-Scheins gebe. "Mir ist aber nicht bekannt, dass es in den USA deshalb weniger Kriminalität gäbe als bei uns."

Schäuble will Bargeldgeschäfte begrenzen

Auch Verbraucherschützer sprechen sich gegen die Abschaffung der 500-Euro-Note aus. "Der Einstieg in den Ausstieg vom Bargeld öffnet das Tor für eine absolute Kontrolle der Verbraucherinnen und Verbraucher", warnt Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. "Wer kauft wann, was, zu welchem Preis, an welchem Ort? In Zeiten von Big Data gibt es keinen besseren Datenschutz als bares Geld."

Das sieht die Bundesbank ähnlich: "Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird", so Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Anfang Februar in der "Bild"-Zeitung. Zuvor hatte er in der "FAZ" betont: "Glauben Sie, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt? Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeld-Transaktionen illegale Aktivitäten unterbindet, ist ebenfalls eine offene Frage."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich dagegen unlängst offen dafür gezeigt, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Zudem plädierte er dafür, Bargeldgeschäfte in Deutschland auf maximal 5000 Euro zu begrenzen. Thiele sagte dazu, bei solch grundlegenden Änderungen müssten Risiken und Nebenwirkungen beachtet werden. "Und sich vor Augen halten, dass die Freiheit scheibchenweise stirbt."

In vielen Ländern gibt es bereits Bargeldlimits: In Italien liegt die Grenze bei 3000 Euro, in Frankreich sogar nur bei 1000 Euro. In der EU läuft schon seit einiger Zeit eine Diskussion darüber, wie Terrorfinanzierung und Geldwäsche besser bekämpft werden können.

Quelle: n-tv.de

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