Wirtschaft
Wie misst man Wachstum? Die Bundestag-Kommission plant ein "Indikatoren-Set" für Wohlstandsmessung.
Wie misst man Wachstum? Die Bundestag-Kommission plant ein "Indikatoren-Set" für Wohlstandsmessung.(Foto: picture alliance / dpa)

Nur 0,5 Prozent Wachstum: Bundesregierung kappt Prognose

Deutschland dümpelt in der Konjunkturflaute: Einem Zeitungsbericht zufolge rechnet die Bundesregierung für das laufende Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 statt 1,0 Prozent. Nach einem schwachen Start soll es im zweiten Quartal besser laufen.

Die Bundesregierung erwartet einem Zeitungsbericht zufolge in diesem Jahr ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von rund 0,5 Prozent. Wie vom Bundeswirtschaftsmisterium Ende vergangenen Jahres bereits angedeutet, gab es einen deutlichen Revisionsbedarf nach unten. Im Oktober war die Bundesregierung noch von einem Wachstum von einem Prozent ausgegangen.

Sie gehe bei dieser Prognose davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Start im zweiten Halbjahr wieder deutlich schneller wachsen werde, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf den ihr vorliegenden Jahreswirtschaftsbericht 2013, den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am morgigen Mittwoch vorstellen will. Im Schlussquartal 2013 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) danach um rund 1,25 Prozentpunkte höher ausfallen als im Schlussquartal 2012.

Arbeitsmarkt stabil

Am Arbeitsmarkt erwarte die Bundesregierung 2013 nur noch wenig Bewegung. "Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr nahezu auf dem Niveau des Vorjahres liegen und nur geringfügig um 60.000 Personen steigen", zitiert das Blatt aus dem Bericht. Die Erwerbstätigkeit werde im Durchschnitt dieses Jahres mit 15.000 Personen nur leicht zunehmen. In ihrer Herbstprojektion sei die Bundesregierung noch von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit von 80.000 ausgegangen.

Die Jahresprojektion beruhe auf der zentralen Annahme, dass es zu keinen weiteren negativen Entwicklungen in der Schuldenkrise komme, in deren Folge die Verunsicherung der Marktteilnehmer steige. "Die nach wie vor noch nicht ausgestandene Schuldenkrise in einigen Ländern der Eurozone stellt das größte Risiko dar", heiße es darin.

Kritik am Wachstumsbegriff

Im Bundestag gibt es derweil Streit um die grundsätzliche Definition des Wachstumsbegriffs. Kritik an einem Bericht der CDU-FDP-Koalition in der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" kommt dabei auch aus den eigenen Reihen. Der stellvertretende Vorsitzende der Kommission, der Frankfurter Bundestagsangeordnete Matthias Zimmer (CDU), hält den Bericht für zu "FDP-lastig" und von "neo-klassischem Denken" geprägt.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll künftig nicht mehr alleiniger Maßstab für Wohlstand, Wachstum und Lebensqualität in Deutschland sein. Die vom Bundestag eingesetzte Enquête-Kommission werde in den nächsten Monaten voraussichtlich ein "Indikatoren-Set" vorschlagen, kündigten Vertreter der Opposition am Montag in Berlin an. Innerhalb der Kommission gebe es "einen Konsens, dass wir wirtschaftliche Entwicklung, soziale Entwicklung, Zustand der Umwelt abbilden wollen und Teilhabe", sagte Edelgard Bulmahn (SPD).

Deutschland ist nach den USA, China und Japan das Land mit dem größten Bruttoinlandsprodukt der Welt (2012: 3.366,65 Mrd. US-Dollar). Das Wachstum betrug im vergangenen Jahr 0,6 Prozent.

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Quelle: n-tv.de

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