Wirtschaft
Die People's Bank of China in Peking.
Die People's Bank of China in Peking.(Foto: REUTERS)

Genug Liquidität für "Goldene Woche": China flutet Geldmarkt

Von Nikolas Neuhaus

Pünktlich vor den Feiertagen der "Goldenen Woche" stattet die chinesische Notenbank die Finanzhäuser des Landes üppig mit Liquidität aus. Damit will sie auch verhindern, dass vor der Reisezeit das Geld knapp wird. Doch eigentlich steckt hinter den Maßnahmen ein geldpolitischer Strategiewechsel, ein nicht ganz freiwilliger dazu.

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Bei der chinesischen Notenbank brechen sichtbar andere Zeiten an: In bislang ungekanntem Ausmaß pumpt die People's Bank of China Liquidität in das heimische Bankensystem. Unterm Strich führte die Notenbank mit Geldmarktgeschäften dem System 365 Mrd. Yuan oder umgerechnet rund 45 Mrd. Euro zu, so viel wie nie zuvor in einer Woche.

Der Hintergrund der Operation ist zunächst eher technisch: Zum Quartalswechsel müssen chinesische Banken nachweisen, ob sie sich an die geltenden Mindestreserveanforderungen halten. Zum Ende des Quartals erhöhen die Banken daher regelmäßig ihre Liquiditätsbestände, um den Anforderungen zu genügen.

Derzeit liegt die Mindestquote bei 20 Prozent. Je größer diese Kennzahl ist, umso weniger Geld ihrer Kundengelder dürfen die Finanzhäuser weiterverleihen. Daher ist die Mindestreserve ein Hebel der Notenbank, um die Kreditvergabe des Landes zu beeinflussen. Das wiederum hat Einfluss auf einerseits die Inflationsentwicklung, andererseits das Wirtschaftswachstum.

Verschärft wird der Bedarf an Barem zudem von der "Goldenen Woche", in der Chinesen etwa für Verwandtschaftsbesuche viel reisen. Weil sie dafür überdurchschnittlich viel Geld von ihren Konten abheben, müssen die Banken ihren Vorrat an Liquidität ausreichend erhöhen.

Verkehrte Welt

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Hinter der Rekord-Liquiditätsspritze steckt jedoch auch ein Politikwechsel in Peking, den die Währungshüter jüngst ankündigten. "Wir werden schrittweise die Rolle von Hebeln wie Zinsen und Währungskursen in der Geldpolitik erhöhen, so dass diese dominiert wird von einer preislichen Steuerung anstatt von einer mengenbezogenen Kontrolle", teilte die Notenbank Mitte September mit. Im Klartext heißt das: Statt des Mindestreservesatzes, über den die People's Bank of China bislang die Liquidität im System gesteuert hat, sollen künftig Geldmarkt-Eingriffe für eine schnellere Wirkung geldpolitischer Entscheidungen sorgen. Andere Notenbanken wie die US-Zentralbank Fed oder die Europäische Zentralbank nutzen solche Maßnahmen bereits regelmäßig.

Auch für Chinas Notenbank sind Geldmarkt-Operationen nicht neu. Doch bislang nutzten die Währungshüter sie nicht, um Geld in den Markt zu pumpen, sondern um es abzuschöpfen. Über viele Jahre floss viel ausländisches Kapital ins chinesische Finanzsystem, das durch Chinas Notenbank durch entsprechende Geldmarktgeschäfte wieder abgezogen wurde. Sonst hätte die Liquiditätsschwemme jeden Versuch zur Bekämpfung der Inflation, drohender Investitionsblasen oder einer Überhitzung des heimischen Wachstums widerlaufen.

Doch die größten Zeiten des Kapitalzustroms liegen vorläufig hinter China. Das liegt auch daran, dass die Wetten auf eine zügige und deutliche Aufwertung des Yuan zuletzt abebbten. Seitdem ist die People's Bank of China wieder in die Rolle eines Anbieters von Liquidität gekommen.

An den chinesischen Börsen führten die jüngsten Maßnahmen zu kräftigen Aufschlägen. "Das Volumen der Nettoliquiditätszufuhr in dieser Woche entspricht einer Senkung der Mindestreserveanforderung um 0,4 Prozentpunkte", sagte Analyst Adam Chen von Hongyuan Securities. Die Notwendigkeit einer weiteren Senkung der Mindestreserveanforderung durch die Notenbank habe sich damit verringert.

Quelle: n-tv.de

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