Wirtschaft

Riesenchance für Deutschland?China verspricht Import-Boom

07.03.2011, 12:33 Uhr
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Organisation ist alles: Damit auch alle Delegierten in das richtige Hotel finden, hält die Partei ausreichend ortskundige Kräfte bereit. (Foto: REUTERS)

Die wachsenden Ungleichgewichte in der Welt bringen die Pekinger Wirtschaftslenker zum Umdenken: Chinas Handelsminister Chen kündigt Maßnahmen gegen den gewaltigen Exportüberhang an. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde will künftig deutlich mehr importieren.

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Streng bewacht: Die große Halle des Volkes. (Foto: REUTERS)

Exportweltmeister China will seine Importwirtschaft kräftig ankurbeln und so den international kritisierten Handelsbilanzüberschuss verringern. Die Einfuhren sollen 2011 schneller zulegen als die Ausfuhren, kündigte Handelsminister Chen Deming am Rande des "Nationalen Volkskongresses" an.

Der Handelsbilanzüberschuss des stark wachsenden Schwellenlandes lag 2010 bei 183 Mrd. Dollar und war damit bereits etwas niedriger als im Jahr zuvor. 2008 hatte das Reich der Mitte mit 295 Mrd. Dollar einen Rekordüberschuss erzielt.

Die starke Exportlastigkeit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt ist dem Westen und insbesondere den USA ein Dorn im Auge. Die Regierung in Washington fordert seit langem eine Aufwertung der chinesischen Landeswährung. Sie wirft China vor, den Yuan, der nicht frei handelbar ist, künstlich niedrig zu halten, um sich auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile im Welthandel zu verschaffen.

Angst vor dem Firmensterben

Die Volksrepublik will den Yuan jedoch nur schrittweise aufwerten, wie Chen betonte. Es bleibe bei dem bereits eingeschlagenen moderaten Tempo. Ministerpräsident Wen Jiabao hatte bereits vor einem Firmensterben im Exportsektor gewarnt, falls der Yuan zu schnell an Wert zulege.

Allerdings will die kommunistische Führung die Rolle des Yuan als Handelswährung vorsichtig stärken. So sollen künftig mehr grenzüberschreitende Geschäfte über Yuan abgewickelt werden als bisher, wie das Handelsministerium ankündigte. Zudem will der Staat einheimische Firmen bei dem Vorhaben unterstützen, etablierte ausländische Marken zu kaufen. Damit soll es chinesischen Unternehmen ermöglicht werden, sich auf den internationalen Märkten stärker zu etablieren.

Der Volkskongress ist das formell oberste Gesetzgebungsorgan des Staates und stellt die Weichen für den wirtschaftspolitischen Kurs. Die Delegierten kommen einmal jährlich zusammen, um die Planvorgaben der Regierung für die nächsten fünf Jahre zu billigen.

Quelle: rts