Wirtschaft
Der Volkskongress beschäftigte sich jüngst mit dem Umbau der chinesischen Wirtschaft.
Der Volkskongress beschäftigte sich jüngst mit dem Umbau der chinesischen Wirtschaft.(Foto: picture alliance / dpa)

Kampf gegen Abschwung: Chinas Regierung greift ein

Die chinesische Wirtschaft ist in einer komplizierten Lage. Ein Abschwung würde auch weltweit negative Folgen haben. Die Pekinger Führung nimmt bereits Geld in die Hand und investiert unter anderem in die Infrastruktur.

Die chinesische Führung beginnt damit, die Staatsausgaben zu erhöhen. Mit punktuellen Impulsen will sie verhindern, dass die schleichende Wachstumsschwäche in einen regelrechten Abschwung übergeht. Still und leise hat die Staatsführung einzelne Maßnahmen ergriffen, um den Wachstumsverlust zu stoppen - von Investitionen in die Infrastruktur bis hin zu erleichtertem Zugang zu Kapital.

Eine Stärkung des Wachstums in der Volksrepublik hat Auswirkungen sowohl für das Land selbst als auch für die gesamte Weltwirtschaft. Eine schwache Wirtschaft würde das wichtigste Ziel der Regierung in Peking gefährden, nämlich die Schaffung von Arbeitsplätzen. Auch die geplanten Reformen in der chinesischen Wirtschaft wären in Gefahr, wie zum Beispiel die Sanierung der maroden Staatsfirmen und die Freigabe der Zinsen.

Für Chinas Handelspartner würde ein Abschwung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auch ein Abschwung zu Hause bedeuten. China ist eine der wichtigsten Destinationen für Rohstoffexporte aus Asien und Lateinamerika, für Investitionsgüter aus den USA und Europa sowie für Elektronikgüter aus Japan. JP Morgan schätzt, dass ein Wachstumsrückgang in China um einen Prozentpunkt einen Wachstumsverlust von 0,35 Prozentpunkten im Rest der Welt bedeutet.

Nicht nur die Industrie enttäuscht

Die jüngsten Anzeichen für einen schärferen Abschwung kamen aus der Industrie. Im März sank der vorläufige Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC auf den tiefsten Stand seit acht Monaten und lieferte damit ein neues Signal, dass Chinas Wachstum im ersten Quartal enttäuschen dürfte. Der Index fiel auf 48,1 von 48,5 im Vormonat, womit der Indikator den dritten Monat in Folge auf eine Schrumpfung der Industrieproduktion deutete.

Insbesondere die Indikatoren für Produktion und Ordereingang waren dürftig. Neben der Industrie haben zuletzt auch der Einzelhandel, die Produktion, der Handel und die Investitionen enttäuscht. Die Daten verstärkten die bereits bestehenden Sorgen unter Anlegern über eine konjunkturelle Abkühlung in China und riefen die Pekinger Führung auf den Plan. Premierminister Li Keqiang erklärte, die Regierung sollte "das Wachstum stabilisieren und die Binnennachfrage ankurbeln"; er nannte allerdings keine spezifischen Aktionen.

Goldman-Sachs-Analyst Yu Song sagt, er rechne mit "Wachstumsimpulsen von Fall zu Fall", die sich hauptsächlich auf Staatsausgaben stützen dürften. Schließlich wolle Peking sein Wachstumsziel von 7,5 Prozent in diesem Jahr erreichen.

Monetäre Lockerung

Vor wenigen Tagen haben die Behörden einen Investitionsplan zum Bau von fünf Eisenbahnstrecken genehmigt. Das Vorhaben hat ein Volumen von 142 Milliarden Yuan (23 Milliarden US-Dollar). Zudem haben mehrere Städte in der Küstenprovinz Zhejiang größere Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht, worüber die Großbank Barclay's berichtete. Außerdem haben die Stromversorger in den ersten beiden Monaten des Jahres ihre Ausgaben um 22 Prozent gesteigert.

Diese Maßnahmen werden begleitet von einer monetären Lockerung. Seit dem Liquiditätsengpass Ende Januar sind die Zinssätze auf dem chinesischen Geldmarkt beträchtlich gefallen. Die Ursache dafür waren hauptsächlich die Geldspritzen der Zentralbank, die damit auch eine Kampagne zur Schwächung des Yuan fuhr.

Die Konjunkturstützen sind wie ein Lehrbeispiel aus dem Textbuch der chinesischen Wirtschaftspolitik. Als das Wachstum in den Jahren 2011 und 2012 nachließ, lockerten die Kreditgeber die Zügel und der Staat erhöhte seine Ausgaben, damit das Wachstumsziel von 7,5 Prozent in beiden Jahren übertroffen wurde.

Quelle: n-tv.de

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