Wirtschaft
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Gute Nachricht aus Fernost: Chinas Wirtschaft nimmt Fahrt auf

Gute Nachrichten für die Weltwirtschaft: China verzeichnet im dritten Quartal ein stärkeres Wachstum als in den drei Monaten zuvor. Die Industrie wächst zweistellig. Dabei hatten die Exportdaten für September eigentlich nicht Gutes verheißen.

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat in den vergangenen drei Monaten erwartungsgemäß an Schwung gewonnen. Damit dürften die Sogen nachlassen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt vor einem scharfen Wachstumseinbruch steht, der die globalen Märkte in Aufruhr versetzten würde. Allerdings dürfte das Wachstumstempo im Schlussquartal wieder etwas nachlassen. An einigen Börsen in Fernost sowie an den Finanzplätzen in Europa sorgten die Daten für Kursaufschläge.

Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent, wie die Statistikbehörde des Landes mitteilte. Volkswirte hatten die Wachstumsrate so auch prognostiziert. Im zweiten Jahresviertel hatte der BIP-Anstieg 7,5 Prozent und im ersten Quartal 7,7 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vorquartal nahm die Wirtschaftsleistung zwischen Juli und September saisonbereinigt um 2,2 Prozent zu. Damit ergibt sich eine annualisierte Wachstumsrate von 9,1 Prozent.

Analyst: Zu früh für China-Pessimisten

"Die Zeit ist noch nicht reif für China-Pessimisten", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. "Einerseits wirken die staatlichen Stimulierungsmaßnahmen. Andererseits gewinnt die Weltwirtschaft derzeit neuen Schwung." Allerdings gibt es auch Risiken für den Exportweltmeister. Der in letzter Minute gelöste Haushaltsstreit hat dem wichtigen Handelspartner USA nach Schätzungen der Ratingagentur S&P 24 Milliarden Dollar gekostet. In Europa - dem wichtigsten Kunden der Volksrepublik - bleibt die Erholung wegen der Krise in Ländern wie Italien schwach.

Die Statistikbehörde äußerte aber Zweifel daran, dass das Wachstumstempo des dritten Quartals im Schlussquartal gehalten werden könne. Doch dürfte die chinesische Wirtschaft in dem Quartal ein stabiles und relativ starkes Wachstumstempo beibehalten, teilte ein Sprecher der Statistikbehörde mit.

Das robuste Wachstum im dritten Quartal geht zum Teil auf ein kleines Konjunkturprogramm der Regierung zurück, bei dem vornehmlich in Infrastrukturprojekte investiert wurde. So lagen die staatlichen Ausgaben für Eisenbahnen und Straßen zwischen Juli und Ende September um 22 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Zudem wirkte der starke Anstieg der Kreditvergabe zu Jahresbeginn nun positiv, und die Exportnachfrage nahm zu, weil sich die Weltwirtschaft leicht belebte.

Industrieproduktion übertrifft Erwartungen

In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres ist die chinesische Wirtschaft nach den Daten der Statistikbehörde auf Jahressicht um 7,7 Prozent gewachsen. Damit erscheint es wahrscheinlich, dass das für 2013 von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 7,5 Prozent übertroffen wird.

Seit der Asienkrise 1998 ist es China jedes Jahr gelungen, das Wachstumsziel zu übertreffen. Allerdings hängt dies nach Ansicht von Volkswirten teilweise damit zusammen, dass die Ziele vorsichtig angesetzt wurden. Ob die chinesische Wirtschaft das Wachstumstempo im vierten Quartal beibehalten kann, ist noch ungewiss. Die Exportdaten für September waren enttäuschend ausgefallen. Die Nachfrage nach chinesischen Waren war überraschend gesunken.

Doch zeichneten andere September-Daten am Freitag ein rosigeres Bild der chinesischen Konjunktur. Die Industrieproduktion zog auf Jahressicht um 10,2 Prozent an, während Ökonomen ein Plus von 10,1 Prozent erwartet hatten. Im August hatte der Anstieg 10,4 Prozent betragen. Der Einzelhandel setzte im September 13,3 Prozent mehr um als im Vorjahr, womit die Erwartungen von Volkswirten allerdings nicht ganz erfüllt wurden. Sie hatten einen Anstieg von 13,5 Prozent erwartet, nachdem der Umsatz im August um 13,4 Prozent zugelegt hatte.

Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hat Reformen angekündigt, mit denen die bislang stark exportorientierte chinesische Wirtschaft stärker von der Binnenkonjunktur getragen werden soll, um ein dauerhaftes Wachstum zu erreichen. Außerdem soll die Abhängigkeit von staatlichen Investitionen verringert werden. Einige Ökonomen befürchten nun, dass die Reformen das Wachstum zumindest kurzfristig dämpfen könnten.

Quelle: n-tv.de

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