Wirtschaft

"Falscher Zeitgeist": Coba kippt Weihnachtsfeiern

Im Kampf gegen ihre milliardenschwere Kapitallücke spart die Commerzbank, wo sie kann, auch bei den Weihnachtsfeiern. Sogar die Investmentbanker, die selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 noch Anlass zum Feiern sahen, müssen diesmal krisenbedingt auf die traditionelle Sause verzichten.

Die Kostensparmaßnahmen bei der Commerzbank machen auch vor den Weihnachtsfeiern nicht halt. Zumindest im Bereich Corporates and Markets, also im Geschäftsbereich der Investmenbanker, fällt die traditionelle Weihnachtsfeier Mitarbeitern zufolge dieses Jahr aus. In den vergangenen Jahren hatten noch mehrere hundert Mitarbeiter an der Weihnachtsfeier teilgenommen, letztes Jahr im Frankfurter Zoo, im Jahr zuvor in der Commerzbank Arena. Auch zahlreiche andere Weihnachtsfeiern von Abteilungen sollen in diesem Jahr ausfallen, wie Bankenkreise betätigten. Offiziell kommentierte die Bank das nicht.

Eine Kerze in der Innenstadt von Frankfurt am Main vor der Zentrale der Commerzbank.
Eine Kerze in der Innenstadt von Frankfurt am Main vor der Zentrale der Commerzbank.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Sprecher verwies lediglich auf den bereits verschärften Sparkurs der Bank. So verzichtet sie etwa auf externe Berater. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg gibt es zudem für die außertariflich Angestellten 2012 keine Gehaltserhöhung.

"Die Feier passt derzeit nicht in den Geist der Zeit", äußert ein Commerzbank-Mitarbeiter Verständnis für die Entscheidung. "In der Bank weht der Wind einer neuen Bescheidenheit", so eine Kollegin. Der Aktienkurs der Bank hat seit Jahresbeginn etwa drei Viertel eingebüßt, mit einem Minus von 75 Prozent führt der Kurs die Verliererliste im Dax an.

Zu viel Stress mit dem Test

In den vergangenen Tagen führte das Ergebnis des Stresstests zu einer weiteren Ausverkaufswelle, die Bank benötigt laut der Europäischen Bankenaufsicht EBA etwa 5,3 Mrd. Euro, um im kommenden Sommer die neuen Kernkapitalrichtlinien zu erfüllen. Das seit der Finanzkrise zu gut 25 Prozent verstaatlichte Institut will das unbedingt aus eigener Kraft schaffen, um auf neuerliche Staatshilfe zu verzichten.

Ob das gelingt, wird von vielen Beobachtern aber bezweifelt. Zu Wochenbeginn tauchten daher Gerüchte auf, dass die Bank bereits über neuerliche Staatshilfen mit der Bundesregierung verhandele. Die Aktie sackte daraufhin auf einen historischen Tiefstand ab.

Die Banker sehen die abgesagten Weihnachtsfeiern recht gelassen: "Ein Treffen in kleinem Kreis ist auch schön", denkt er bereits über Alternativen für sein Team nach. Einen nennenswerten Beitrag zur durchgreifenden Besserung der Situation allerdings wird das Streichen der Weihnachtsfeier kaum leisten. Zwar seien Essen und Trinken immer gut gewesen, so eine Mitarbeiterin der Bank. "Exzessive Züge, wie bei einigen ausländischen Häusern, hat die Feier aber nie angenommen", ergänzt sie.  

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Quelle: n-tv.de

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