Wirtschaft
Für mehr Wolken muss SAP seine Renditeziel verschieben. Der Ertrag stellt sich mit Verzögerung ein.
Für mehr Wolken muss SAP seine Renditeziel verschieben. Der Ertrag stellt sich mit Verzögerung ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Kollision der Pläne: Daten-Wolken zwingen SAP zu längerem Atem

Der weltweit drittgrößte Softwarekonzern SAP kassiert seine Prognose. Investitionen ins zukunftsträchtige Cloud-Geschäft kostet das Margenziel. Unter anderem, weil Erlöse erst später fließen. Auch andere Bereiche wachsen langsamer.

Deutschlands größter Softwarekonzern SAP wird durch Investitionen in den Ausbau des Cloud-Geschäfts gebremst. Das Ziel einer Umsatzrendite von 35 Prozent wird erst zwei Jahre später erreicht, und nicht wie bislang gedacht 2015, teilte das Dax-Unternehmen mit. Co-Vorstandschef Bill McDermott erklärte das mit den ehrgeizigen Plänen im Cloud-Geschäft, bei dem Kunden Software von SAP aus dem Internet beziehen statt sie zu kaufen und selbst zu installieren. "Wir wollen den Marktanteil gegen andere Lösungsanbieter erhöhen - und keine kurzfristige Marge ernten", sagte er. Womöglich werde SAP nach den milliardenschweren Übernahmen von zwei US-Anbietern 2012 erneut Cloud-Firmen zukaufen.

Im vergangenen Jahr hatte der nach Microsoft und Oracle weltweit drittgrößte Software-Hersteller 32,6 Prozent Gewinn vom Umsatz verdient. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll in diesem Jahr 5,8 Milliarden bis 6,0 Milliarden Euro erreichen auf Basis unveränderter Wechselkurse. Im vergangenen Jahr hatte der Gewinn währungsbereinigt 5,9 Milliarden Euro - zu aktuellen Wechselkursen aber nur 5,51 Milliarden Euro betragen, da der starke Euro das Ergebnis drückte. SAP hatte bereits am 10. Januar vorläufige Zahlen veröffentlicht.

Cloud-Kunden kosten Lizenz-Umsatz

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Der Umsatz mit Cloud-Produkten - also Mietsoftware und Speicherkapazitäten über das Internet - soll in diesem Jahr viel langsamer wachsen als 2013. Nach dem Plus von 120 Prozent auf gut 750 Millionen Euro im vergangenen Jahr stellte SAP nur noch einen Anstieg von bis zu 32 Prozent auf 950 Millionen bis eine Milliarde Euro in Aussicht. Das Wachstum im vergangenen Jahr war stürmisch, weil dann erst die Umsätze der beiden großen Zukäufe aus 2012 - SuccessFactors und Ariba - voll zum Tragen kamen.

Auch das weitaus größere bisherige Hauptgeschäft mit Software-Lizenzen und Wartung soll in diesem Jahr nur einstellig um sechs bis acht Prozent wachsen. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern den Umsatz im Kerngeschäft stets um mindestens zehn Prozent gesteigert. Der Dämpfer rührt daher, dass der Wechsel von SAP-Kunden zu Cloud-Diensten das angestammte Geschäft mit Software-Lizenzen teilweise kannibalisiert. Die Cloud-Produkte bringen zudem nur über einen längeren Zeitraum den Umsatz. Das liegt an den unterschiedlichen Preismodellen: Während die komplette Lizenz für eine Software sofort bezahlt wird, müssen die Gebühren zur Cloud-Nutzung über mehrere Jahre verteilt werden.

Umsatzziel bekräftigt

Gleichwohl bekräftigte Europas größter Softwarekonzern sein bisheriges Ziel eines Gesamtumsatzes von rund 20 Milliarden Euro im kommenden Jahr, wobei zwei Milliarden Euro aus dem Cloud-Geschäft stammen sollen. Damit müsste SAP den Umsatz mit diesen Produkten im kommenden Jahr stark steigern, wozu auch weitere Übernahmen beitragen könnten. "Wenn uns Akquisitionen sinnvoll erscheinen, machen wir das", sagte McDermott, der Ende Mai alleine das Ruder bei SAP übernehmen wird, da sein Co-Chef Jim Hagemann Snabe auf eigenen Wunsch ausscheidet. Bis 2017 soll der Umsatz mit Cloud-Diensten auf 3,0 Milliarden bis 3,5 Milliarden Euro steigen bei einem Gesamtumsatz von 22 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr machte das Cloud-Geschäft nur rund 4,5 Prozent vom Gesamtumsatz in Höhe von 16,9 Milliarden Euro aus. Bis 2017 soll der Anteil auf 15 Prozent steigen.

Auch die schärfsten Konkurrenten von SAP setzen stark auf Cloud-Dienste. Der IT-Dienstleister IBM will mehr als 1,2 Milliarden Dollar in 15 neue Rechenzentren weltweit investieren, um das Geschäft auszubauen. Nach Einschätzung von IBM wird der Cloud-Markt bis 2020 auf 200 Milliarden Dollar Umsatz wachsen. Auch Oracle baut den Vertrieb seiner Cloud-Produkte aus, um gegen die stark wachsenden Konkurrenten Salesforce.com und Workday anzukommen.

Quelle: n-tv.de

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