Wirtschaft
In Oberwiesenthal hat das erste deutsche Bergwerk seit 40 Jahren eröffnet.
In Oberwiesenthal hat das erste deutsche Bergwerk seit 40 Jahren eröffnet.(Foto: picture alliance / dpa)

Rohstoffsuche in Deutschland: Der Schatz von Oberwiesenthal

Von Hannes Vogel

Weil die Rohstoffpreise steigen, schürfen Firmen in Deutschland wieder nach Öl, Zinn und sogar seltenen Erden. Wolfgang Schilka leitete einst eine DDR-Mine und eröffnet nun das erste deutsche Bergwerk seit 40 Jahren. Er sucht nach dem Rohstoff für Bratpfannen und Regenjacken.

Wolfgang Schilka als Leiter des größten sächsischen Marmorbergwerks in Lengefeld.
Wolfgang Schilka als Leiter des größten sächsischen Marmorbergwerks in Lengefeld.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

In Oberwiesenthal ruft der Berg künftig nicht nur zum Wandern und zum Wintersport. Weniger als 3000 Einwohner hat die höchstgelegenste Stadt Deutschlands noch und ist im Rest der Republik allenfalls für ihre Skipisten bekannt. Dank Wolfgang Schilka ändert sich das nun: Der 60-Jährige hat den Bergbau in die verschlafene Kleinstadt im sächsischen Erzgebirge zurückgeholt. Schilka leitete einst eine DDR-Zinnmine, als die nach der Wende dichtmachte, arbeitete er fast 20 Jahre im Marmorbergbau in Sachsen. Nun hat er das erste Bergwerk in Deutschland seit rund 40 Jahren eröffnet.

Im Örtchen Niederschlag bei Oberwiesenthal schreibt Schilka Geschichte. Dort steht das „Mundloch“, der neu betonierte Eingang zu einem alten DDR-Stollen. Hunderte Meter tief haben sich seine Leute hier in den Fels gesprengt. Schilkas Kumpel wollen einen Schatz heben: Flussspat, auch als Kalziumfluorit bekannt. Und Schwerspat, chemisch Bariumsulfat genannt. Die Mineralien sind schwer zu ersetzen, die EU hat sie sogar auf die Liste der kritischen Rohstoffe gesetzt. Man braucht sie bei der Herstellung von Glas und Keramik, Farben, Bremsbelägen und Schallschutzmasse. Und als Grundstoff für Kunststoffe wie Teflon und Goretex.

Neues Berggeschrey im Erzgebirge

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Rund 25 Millionen Euro hat Schilkas Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatcompagnie (EFS) daher bisher in das Bergwerk investiert, in die Suche nach dem Rohstoff für Bratpfannen und Regenjacken. Wenn Schilka Erfolg hat, trägt das Erzgebirge seinen Namen womöglich bald wieder zu Recht. Weil die Rohstoffpreise an den Weltmärkten steigen, ist nicht nur in Oberwiesenthal, sondern in der ganzen Region das Bergbaufieber zurückgekehrt. Seit die Wismut nach dem zweiten Weltkrieg im Erzgebirge nach Uran für sowjetische Atombomben suchte, hat in Sachsen kein Unternehmen mehr Erz gefördert. Doch dank dem Rohstoffhunger von China, Indien und anderen aufstrebenden Schwellenländern lohnt sich die Suche nun auch in Deutschland wieder.

Im Erzgebirge hat der Bergbau ohnehin Tradition. Silberfunde machten schon Mitte des 12. Jahrhunderts die nahezu unbewohnte Gegend zum Klondike des Mittelalters. Noch heute steht zu Weihnachten in fast jedem Fenster zwischen Annaberg-Buchholz und Altenberg ein Schwibbogen, ein  bogenförmiger Kerzenständer aus Holz, der die Sehnsucht der Bergleute nach dem Tageslicht verkörpert. Kurz nach der Wende machte die letzte Grube dann aber dicht. Obwohl das Erzgebirge noch immer reich an Rohstoffen ist. Allerdings ist der Metallgehalt oft niedrig, die Gewinnung aufwendig.

Schätze des Arbeiter-und-Bauern-Staates

Inzwischen hat das Oberbergamt Freiberg 18 Genehmigungen zur Erkundung von Lagerstätten erteilt. Die Firmen profitieren dabei meist von den umfangreichen Vorarbeiten in der DDR. Deren Schatzsucher forschten jahrzehntelang im Auftrag der Parteiführung überall im Arbeiter-und-Bauern-Staat nach Bodenschätzen - die DDR brauchte Devisen. Schilka und ihre anderen Nachfolger fahren nun die Ernte ein.

Zwischen Spremberg in Brandenburg und Görlitz in der sächsischen Lausitz will die US-Bergbauholding Minera frühestens ab 2022 Kupfer fördern. Die Lagerstätte wurde bereits ab 1954 erkundet, 130 Millionen Tonnen Kupfererz sollen darin liegen. Um diesen Schatz zu heben müsste Minera allerdings mehr als eine Milliarde Euro investieren. Sollte das Bergwerk ab 2017 tatsächlich gebaut werden, wäre es das einzige deutsche Kupferbergwerk. Das letzte schloss in der Wendezeit.

Auch die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) sucht schon seit 2006 weltweit nach Metallen, Öl und Gas. Seit 2010 ist das Heidelberger Unternehmen an der Frankfurter Börse gelistet. In Denver fördert die DRAG Schieferöl und -Gas mit der umstrittenen Fracking-Technologie, in Australien schürft sie Wolfram, in Kanada Zink und Blei.

Erzrausch ohne Erfolgsgarantie

Doch auch im Erzgebirge wurden die Minensucher fündig: Zinn lockte die DRAG nach Geyer und Gottesberg - eines der größten unerschlossenen Vorkommen weltweit. Es wurde schon zu DDR-Zeiten intensiv exploriert, nun wird die Suche von australischen und asiatischen Investoren finanziert. In Storkwitz bei Leipzig will die DRAG sogar seltene Erden fördern, in der einzigen bekannten Lagerstätte in Mitteleuropa. Sie wurde schon in den 70er Jahren von der Wismut bei der Uransuche entdeckt.

Der Erfolg des Erzrausches bleibt allerdings stark abhängig von den Weltmarktpreisen. Die Lizenzen für Storkwitz, Geyer und Gottesberg hatte die DRAG schon 2007, doch dann machte die Finanzkrise ihr einen Strich durch die Rechnung: der Zinnpreis stürzte ab. Erst ab 2011 lohnte sich die Förderung wieder. Profitabel ist die DRAG erst seit 2011 und vor allem dank ihrer Auslandsprojekte. Schilkas Mine in Oberwiesenthal soll rund 25 Jahre in Betrieb bleiben. In der Zeit kann eine Menge passieren.

Quelle: n-tv.de

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