Wirtschaft
In Duisburg. Seit Jahren wird viel für den Umbau ganzer Stadtteile unternommen, um ein Leben nach der Stahlindustrie zu ermöglichen. Viele Vorhaben werden privat finanziert.
In Duisburg. Seit Jahren wird viel für den Umbau ganzer Stadtteile unternommen, um ein Leben nach der Stahlindustrie zu ermöglichen. Viele Vorhaben werden privat finanziert.(Foto: picture alliance / dpa)

Und wieder geht ein Riss durch Deutschland: Der Westen wird der neue Osten

Deutschlands Süden boomt. Der Rest hinkt hinterher. So einfach lässt sich der neue "Zukunftsatlas 2013" des Prognos-Instituts zusammenfassen. Absteiger ist der Westen. Viele alte Kohlestädte gehören inzwischen zu den Regionen mit den größten Zukunftsrisiken.

In Mannheim. Auch Baden-Württemberg hat noch die eine oder andere Problemzone.
In Mannheim. Auch Baden-Württemberg hat noch die eine oder andere Problemzone.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wirtschaftskraft in Deutschland ist ungleicher verteilt denn je: Vor allem der Süden boomt und baut seinen Vorsprung gegen über dem Norden, Westen und Osten weiter aus. Für große Gebiete Ostdeutschlands sehen die Zukunftsprognosen dagegen düster aus. Hier setzen sich nur einzelne Städte ab - und das sehr deutlich. Aber auch ganze Teile Westdeutschlands - vor allem das Ruhrgebiet - fallen immer weiter zurück. Das geht aus dem "Zukunftsatlas 2013" hervor, den das Forschungsinstitut Prognos erstellt hat.

Von den 78 Kreisen, denen Prognos hohe bis beste Zukunftschancen attestiert, liegen inzwischen 83 Prozent in Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen. Zum Vergleich: Im Jahr 2004 waren es "nur" 78 Prozent. Unter den 30 schwächsten Landkreisen im Ranking stammen 27 aus Ostdeutschland.

Große Sorge um einstige Industriestandorte

Doch verläuft die Wohlstandsgrenze nicht mehr so klar wie früher zwischen Ost und West. Denn der große Absteiger im Prognos-Ranking ist das Ruhrgebiet. Viele alte Kohlestädte wie Oberhausen, Gelsenkirchen, Herne, Recklinghausen oder Bottrop gehören mittlerweile zu den Regionen mit den größten Zukunftsrisiken. Zahlreiche Städte bezeichnen sich selbst als "der neue Osten". Sie spielen darauf an, dass ohne staatliche Zuschüsse und Strukturprogramm die Region ausbluten wird. Weil Immobilienpreise sinken, wird erwartet, dass eher sozial schwache Familien dorthin ziehen und von staatlicher Unterstützung leben. Ein Abwärtsspirale sei dann nicht mehr aufzuhalten.

Auch Prognos sieht das so. Nach Ansicht der Forscher hat der Aufschwung des letzten Jahres weitestgehend unter Ausschluss des nördlichen Ruhrgebiets stattgefunden. Hier sei die Arbeitslosigkeit kaum gesunken oder sogar noch gestiegen. Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an der Gesamtzahl der Haushalte habe zugenommen. Und auch die öffentliche Verschuldung pro Kopf sei in der Region so hoch wie fast nirgendwo sonst.

Die Folge: Lebten Prognos zufolge 2004 zwei Millionen der Einwohner Westdeutschlands in Regionen mit Zukunftsrisiken, sind es 2013 bereits mehr als 6,7 Millionen. Hier mache sich insbesondere das Abrutschen der einwohnerstarken Städte und Kreise im Ruhrgebiet wie Duisburg, Dortmund und Unna bemerkbar, heißt es in der Untersuchung.

Im Osten sank dagegen die Zahl der Menschen, die in Regionen mit Zukunftsrisiken leben, von 9,9 auf 9,1 Millionen. Immer mehr ostdeutsche Städte wie Potsdam, Dresden, Jena, Rostock, Leipzig oder Erfurt seien im Aufwind.

Förderung "muss sich ändern"

Angesichts dieser Entwicklung fordert Prognos-Regionalexperte Peter Kaiser ein Umdenken der Politik. Eine Förderung nach Himmelsrichtungen - wo der Osten viel und der Westen wenig bis nichts bekomme - dürfe es nicht mehr geben. Gebiete mit Strukturproblemen und vergleichsweise hohen Zukunftsrisiken seien längst nicht mehr allein auf den Osten Deutschlands beschränkt.

Insgesamt habe sich die ökonomische Perspektive in Deutschland verbessert, heißt es in der Untersuchung. Doch die Schere zwischen armen und reichen Regionen bleibe weit geöffnet.

Für die Studie hatte Prognos die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit aller 402 kreisfreien Städte und Landkreise Deutschlands untersucht und dabei 29 Indikatoren zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, zur Konjunktur- und Arbeitsmarktlage sowie zur demografischen Situation und zur sozialen Lage berücksichtigt.

Quelle: n-tv.de

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