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Überraschten die Märkte mit einer Kapitalerhöhung: Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.
Überraschten die Märkte mit einer Kapitalerhöhung: Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Kapitalerhöhung und Gewinnsprung: Der schöne Schein der Deutschen Bank

Von Hannes Vogel

Kapitalerhöhung und höherer Gewinn - die Deutsche Bank überrascht die Märkte. Doch dahinter verbergen sich unangenehme Wahrheiten: Sie braucht eine Kapitalspritze, weil ihre Geschäfte zu schlecht laufen. Und über allem schweben Milliardenkosten für Zockergeschäfte der Vergangenheit.

Endlich einmal eine Meldung über die Deutsche Bank, in der die Wörter „Klageschrift“ und „Ermittlungen“ nicht vorkommen: Deutschlands größtes Geldhaus will mit einer Kapitalerhöhung rund 2,8 Mrd. Euro bei Investoren einsammeln, um ihre vergleichsweise dünne Kapitaldecke aufzupolstern. Die Deutsche Bank garniert die unerfreuliche Nachricht mit einer Siegesmeldung, um die Aktionäre zu besänftigen: Der Gewinn im ersten Quartal ist im Vorjahresvergleich um ein Fünftel auf 1,7 Mrd. Euro gestiegen.

Die Börse feiert die guten Nachrichten: Die Aktie der Deutschen Bank legte über sieben Prozent zu. Der Kurssprung dürfte vor allem die Erleichterung der Aktionäre widerspiegeln, dass Spekulationen über den Risikopuffer der Bank nun ein Ende haben: "Es sieht so aus, als ob das Management die endlose Diskussion über die Kapitalausstattung zu den Akten legen will", kommentierte DZ-Bank-Analyst Christoph Bast. Jain und Fitschen sind vor den Märkten eingeknickt, nachdem sie sich lange geziert hatten.

Denn mit der Kapitalerhöhung gesteht die Deutsche Bank ein, dass sie die höheren Kapitalpuffer, die Aufseher und Märkte für ihre riskanten Aktivitäten gefordert hatten, nicht aus eigener Kraft aufbauen kann. Ihr Scheitern kehren die Co-Chefs Jain und Fitschen unter den Teppich: Als sie im September ihre Strategie vorstellten, wollten sie die Kapitalausstattung noch mit einem Stufenplan selbst aufbessern. Weil die Bank hinter ihren Wettbewerbern zurückhinkte, wollten Jain und Fitschen künftige Gewinne stärker einbehalten. Bis März 2013 sollte die Kapitalquote so auf acht Prozent, bis Ende März 2015 auf mehr als zehn Prozent steigen.

Bilanzmüll auf der Resterampe treibt Gewinn

Daraus wurde nichts: Die Co-Chefs setzen nun auf die externe Geldspritze, weil die Geschäfte der Bank offenbar nicht gut genug laufen, um das nötige Kapital selbst anzusparen. Problematisch ist vor allem, dass der höhere Quartalsgewinn, den die Märkte nun feiern, vor allem auf Buchgewinne in der Bad Bank zurückgeht: Sie reduzierte ihren Vorsteuerverlust im ersten Quartal auf rund 200 Mio. Euro – im Vorjahresvergleich waren es noch rund 550 Mio. Euro gewesen. Soll heißen: Der Bilanzmüll der Ackermann-Jahre, den die Bank an die interne Resterampe abgeschoben hat, reißt weniger große Löcher als im letzten Quartal, als die Bank sogar rote Zahlen schrieb – vor allem das ist der fragwürdige Treibstoff für den unerwarteten Gewinnsprung.

Die eigentlichen Geschäfte der Bank laufen mau: Die Erträge in der Investmentsparte sind rückläufig, auch der Vorsteuergewinn schrumpfte im Vorjahresvergleich im ersten Quartal um 28 Mio. Euro. Das Geschäft mit Zahlungsverkehr und Dienstleistungen für institutionelle Anleger ging im Vergleich zum Vorjahresquartal ebenfalls leicht auf 309 Mio. Euro zurück. Lediglich in der Vermögensverwaltung legte der Vorsteuergewinn um 13 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal zu, im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden um gerade einmal 22 Mio. Euro.

Milliardenkosten für Klagen und Ermittlungen drohen

Und selbst über diesen Mini-Zuwächsen schweben wie ein Damoklesschwert die drohenden Milliardenbelastungen für eine schier endlose Liste fragwürdiger Geschäfte, die die Bank unter der Ägide von Josef Ackermann und Chef-Investmentbanker Anshu Jain gemacht hat. 2,4 Mrd. Euro hat die Bank inzwischen für Klagen von Investoren und Strafen der Aufseher zurückgestellt. Ob das reicht, kann niemand genau beurteilen, weil sich die Bank über Details in Schweigen hüllt.

Mit ziemlicher Sicherheit dürften noch in diesem Jahr Milliardenforderungen auf die Deutsche Bank zukommen: Laut Spiegel hat das Geldhaus allein 500 Mio. Euro für die Strafe zurückgestellt, die es bald für die Manipulation der Libor-Zinsen in London kassieren wird. Für die Verletzung der Iran-Sanktionen der US-Regierung rechnet das Geldhaus laut Spiegel mit weiteren 300 Mio. Euro. Auch für das Gerichtsverfahren mit dem verstorbenen Medienzar Leo Kirch hat die Deutsche laut Co-Chef Fitschen inzwischen erstmals Rückstellungen gebildet – in welcher Höhe, bleibt ihr Geheimnis. Und auch mit einer Millionenklage der Stadt Los Angeles, die fast zwei Jahre in den Gerichtsakten dahinschlummerte, muss sich die Bank nun auseinandersetzen.

Das aus den dubiosen Zockereien der Vergangenheit schon bald reale Verluste in der Gegenwart werden könnten, hat die Bank am 20. März selbst zugegeben, als sie ihre Vorsorge für Rechtskosten um 600 Mio. Euro nach oben schraubte. Der Grund: Neue Entwicklungen erforderten höhere Rückstellungen für Rechsstreitigkeiten im Zusammenhang mit US-Hypothekenkrediten und regulatorische Untersuchungen. Man darf gespannt sein, was genau damit gemeint ist.

Quelle: n-tv.de

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