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Der Branchenprimus schockiert die Anleger.
Der Branchenprimus schockiert die Anleger.(Foto: picture alliance / dpa)

Bafin plant Sonderprüfung im Devisenhandel: Deutsche Bank schockiert mit Mega-Minus

Eine Milliarde Euro Verlust schreibt die Deutsche Bank im vierten Quartal. Im Gesamtjahr bleibt kaum die Hälfte des erwarteten Vorsteuergewinns hängen. Die fragwürdigen Geschäfte der Vergangenheit halten die Bank weiter in Atem: Auch im Devisenhandel will die Bafin nun jeden Stein umdrehen.

Die Deutsche Bank kommt wegen fragwürdiger Geschäfte der Vergangenheit nicht aus den Schlagzeilen und ist im vierten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Branchenprimus bezifferte den Verlust vor Steuern in den Monaten Oktober bis Dezember auf 1,15 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: minus 3,17 Milliarden Euro). Damit blieb für das Gesamtjahr nur ein Gewinn von 2,07 (2012: 0,81Milliarden) Milliarden Euro vor Steuern übrig - die Hälfte dessen, was Analysten von der Deutschen Bank erwartet hatten. Unter dem Strich standen 1,08 Milliarden Euro.

Schuld an den schlechten Zahlen sind erneut die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten sowie ein Einbruch im Investmentbanking und der Abbau der Bilanzrisiken. Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vertrösten die Anleger schon jetzt auf das kommende Jahr: "Wir erwarten, dass 2014 ein Jahr mit weiteren Herausforderungen und ihrer disziplinierten Bewältigung sein wird", erklärten sie laut der Mitteilung. "Wir sind jedoch zuversichtlich, unsere für 2015 gesetzten Ziele zu erreichen." Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung hatten die Aktien der Deutschen Bank am Freitagabend in New York bereits um drei Prozent gedrückt.

Bafin will auch Devisenhandel prüfen

Für das vergangene Jahr zog das wegen der zahlreichen Skandale zunehmend unter Beschuss geratene Führungsduo ein zwiespältiges Fazit: "2013 war das zweite Jahr in Folge, in dem wir in das künftige Wachstum sowie die weitere Stärkung unserer Kontrollen investierten und Altlasten abarbeiteten." Das habe die Gewinne belastet. "Gleichwohl erzielten wir im operativen Kerngeschäft eines der besten Ergebnisse der vergangenen zehn Jahre und haben die Deutsche Bank fitter, sicherer und ausgewogener gemacht", betonten Jain und Fitschen.

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Allein die Bewältigung der juristischen Nachwehen der Finanzkrise schlug 2013 mit 2,45 Milliarden Euro zu Buche. Im Dezember wurden allein 1,4 Milliarden Euro für die Beilegung eines Streits um fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA mit der US-Behörde FHFA fällig. Dazu verhängte die EU-Kommission 725 Millionen Euro Buße für die jahrelange Manipulation der Geldmarkt-Leitzinsen, in den neben der Deutschen Bank auch zahlreiche andere Geldhäuser verwickelt sind.

Trotzdem wurden im vierten Quartal erneut eine halbe Milliarde Euro Rückstellungen fällig. Denn die Verhandlungen über weitere Libor-Bußen in den USA und in Großbritannien stehen erst noch bevor. 2,3 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank dafür und für weitere juristische Scharmützel wie den Streit mit den Kirch-Erben nun noch reserviert, vor den beiden Vergleichen waren es 4,1 Milliarden Euro gewesen.

Gleichzeitig droht der Bank neuer Ärger: Wegen des Verdachts der Manipulation will die Finanzaufsicht Bafin nun auch den Devisenhandel der Bank einer Sonderprüfung unterziehen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Deutsche Bank hat wegen verdächtiger Emails bereits einen ihrer Mitarbeiter suspendiert. Zuvor hatten die Aufseher das Geldhaus bereits im Libor-Skandal auf den Kopf gestellt und infrage gestellt, ob die Bankspitze es mit dem Kulturwandel ernst meine. Die Aufarbeitung der Affäre sei völlig unzureichend gewesen, insbesondere seien keine klaren personellen Konsequenzen gezogen worden, kritisierte die Bafin laut "Spiegel" die Bankchefs Fitschen und Jain.

Im Investmentbanking läuft es schlecht

Verschlimmert wird das Drama um die Skandale der Vergangenheit durch das schlecht laufende Geschäft in der Gegenwart. Das wichtige Geschäft mit Anleihen und mit anderen festverzinslichen Wertpapieren sowie mit Devisen brach im vierten Quartal um 31 Prozent ein, stärker als bei den meisten Branchengrößen in den USA. Im Investmentbanking sanken die Erträge um insgesamt 27 Prozent. Nur 95 Millionen Euro verdiente die Sparte - gerade noch soviel wie das Geschäft mit dem Zahlungsverkehr. Der größte Gewinnbringer in den letzten drei Monaten des Jahres war das Privatkundengeschäft, obwohl eine steigende Risikovorsorge im Auslandsgeschäft auch hier den Gewinn um ein Viertel auf 219 Millionen Euro drückte.

Eine weitere halbe Milliarde Euro verschlang im vierten Quartal das Kostensenkungs- und Investitionsprogramm. Am stärksten nach unten zog die Deutsche Bank aber der Abbau des Bilanzschrotts, den sie auf einer Art Müllkippe gelagert hat. Die Risiken auf dieser Resterampe sind 2013 schon fast um die Hälfte auf eine Bilanzsumme von 53 Mrd. Euro geschrumpft. In dieser internen "Bad Bank" schlugen allein im vierten Quartal 1,1 Milliarden Euro Vorsteuerverlust zu Buche, im Gesamtjahr waren es 3,2 Milliarden Euro. Auf die BHF-Bank, deren Verkauf an den Finanzinvestor RHJ immer noch eine Hängepartie ist, schrieb die Deutsche Bank fast 200 Millionen Euro zusätzlich ab.

Insgesamt sanken die Bilanzrisiken seit Ende 2012 um elf Prozent, die für die Höchstverschuldungsquote relevante Bilanzsumme um 14 Prozent auf 1,5 Billionen Euro. Mit einem Kernkapital-Polster von 9,7 Prozent lag die Deutsche Bank zum Jahresende noch knapp unter ihrem Zielwert von zehn Prozent. Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) verbesserte sich 2013 auf 3,1 von 2,6 Prozent - gefordert sind mindestens drei Prozent.

Quelle: n-tv.de

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