Wirtschaft
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Magere Renditen: Deutsche Bank schrumpft Rohstoffgeschäft

Die Deutsche Bank stellt den Handel mit Agrarprodukten rund um den Globus ein. An den umstrittenen Spekulationen im Rohstoffbereich hält sie aber fest. Finanzderivate auf Nahrungsmittel gehören damit weiter zum Kerngeschäft.

Die Deutsche Bank fährt ihren Handel mit Rohstoffen drastisch zurück und wird sich aus dem Geschäft mit Öl, Gas, Kaffee, Getreide, Metallen und Massengütern wie Erz oder Kohle zurückziehen. Wie die Bank mitteilte, will sie sich künftig ausschließlich auf Finanzderivate und Edelmetalle konzentrieren. Die vielfach kritisierten Wetten auf Preise von Nahrungsmitteln gehen also weiter. Die Derivate gehörten weiterhin zum Kerngeschäft, betonte ein Sprecher. "Das ist keine strategische Entscheidung gegen solche Geschäfte."

In den vergangenen Jahren hatte sich die Bank im Rohstoffhandel von Platz acht oder neun auf Platz vier der Welt vorgepirscht. Doch das Geschäft hat an Attraktivität für Banken verloren: Die Margen werden geringer, und der Handel absorbiert viel Kapital. Erst im Sommer hatte JP Morgan den Handel mit physischen Rohstoffen zum Verkauf gestellt, Morgan Stanley sucht seit fast zwei Jahren einen Käufer für sein Rohstoff-Geschäft. Die Schweizer Großbank UBS hat bereits die Notbremse gezogen und den Rohstoffhandel im vergangenen Jahr eingestellt - nur mit Edelmetallen handelt sie noch.

Auch die Marktentwicklung trägt zu den Schwierigkeiten bei. Der Preis für US-Öl ist in den vergangenen zehn Jahren um 160 Prozent und der von Gold sogar um 370 Prozent gestiegen, doch seit zwei Jahren sind die Märkte eher verhalten. Die Handelsaktivität und die Preisvolatilität, zwei wichtige Faktoren für Handelsgewinne, sind dadurch zurückgegangen.

Umsätze schrumpfen

Wie amtliche Dokumente zeigen, sind die Umsätze aus dem Handel mit Öl, Metallen und Sojabohnen bei JP Morgan Chase um 16 und bei Morgan Stanley um 20 Prozent eingebrochen. Bei Goldman Sachs sind die Umsätze aus dem Rohstoffhandel im vergangenen Jahr auf 575 Millionen US-Dollar geschrumpft, verglichen mit 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2011 und sogar 4,6 Milliarden im Jahr 2009. Insgesamt sind diese Umsätze bei den größten globalen Investmentbanken 2012 um  fast ein Viertel auf etwa sechs Milliarden Dollar gefallen, berichtet die Analysefirma Coalition. Seit 2008 sind sie damit um über die Hälfte geschrumpft.

Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte keine konkreten Umsatzzahlen für den Rohstoffgeschäft seines Hauses nennen. Im Oktober hatte die Bank mitgeteilt, dass die Einnahmen aus dem Geschäft mit Rohstoffen, Devisen und festverzinslichen Wertpapieren im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent zurückgegangen sind.

Colin Fan, der Co-Chef des Investmentbankings der Deutschen Bank, sagte, der Teilausstieg aus dem Rohstoffgeschäft sei Teil der bis 2015 laufenden strategischen Überprüfung der Bank. "Wir haben attraktivere Wege gesehen, unser Kapital und unsere Bilanz einzusetzen", sagte Fan. "Der Schritt ist das Ergebnis regulatorischer Änderungen in der Branche. Er wird auch die Komplexität unseres Geschäfts verringern." Die Bank hatte den Rohstoffhandel lange zu den Wachstumssegmenten gezählt. Doch der Eigenhandel, der in diesem Bereich lange eine große Rolle spielte, ist inzwischen verpönt, die Institute müssen für den Handel nach den neuen Regulierungsstandards deutlich mehr Kapital hinterlegen.

Das Derivate- und Edelmetall-Geschäft soll in die Sparte für festverzinsliche Papiere und Devisen eingegliedert werden. Rund 200 Mitarbeiter werden die Deutsche Bank im Zuge der Umstrukturierung verlassen, wie ein Insider sagte. Mehr als 40 von ihnen kämen in anderen Bereichen unter. Deutschland sei davon nicht betroffen, sagte ein Sprecher. Allenfalls ein Teil der nun aufgegebenen Geschäfte könnte verkauft werden.

Bank widerspricht Kritikern

Termingeschäfte und andere spekulative Transaktionen auf Basis von Nahrungsmitteln sind vor allem in Deutschland in die Kritik geraten, weil diese nach Ansicht von Nichtregierungsorganisationen zum Hunger in der Welt beitragen können. "Wenn die Deutsche Bank es dieses Mal ernst meint, ist dieser Schritt zu begrüßen", sagte Globalisierungs-Experte David Hachfeld von Oxfam. "Ob die Bank tatsächlich alle Fonds und ihren spekulativen Eigenhandel vollständig einstellen will, oder ob sie nur einen kleinen Teil ihres Geschäftes meint, muss geprüft werden."

Während Kritiker die Finanzprodukte als einen Auslöser für spekulative Preisspitzen bei Lebensmitteln, betonen Befürworter die Funktion der Papiere zur Preissicherung. Die Deutsche Bank und der Versicherer Allianz hatten die Geschäfte stets verteidigt. Studien hätten keine Belege für einen Zusammenhang mit einer Nahrungsmittel-Knappheit erbracht, hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen Anfang des Jahres gesagt. Agrar-Derivate erfüllten für die Landwirtschaft vielmehr eine wichtige Funktion im Handel. Mit dem Kauf der an Börsen gehandelten Papiere können sich Bauern gegen fallende Preise absichern. Zudem könne Hunger nur abgestellt werden, wenn es gelinge, Kapital auf intelligente Weise in diese Bereiche zu lenken. Zahlreiche andere deutsche Banken haben sich dennoch öffentlichkeitswirksam aus dem Geschäft zurückgezogen.

Quelle: n-tv.de

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