Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Über 100 Milliarden Euro in Spanien: Deutsche Banken tief im Risiko

Klamme spanische Banken und trübe Wachstumsaussichten des Landes lassen auch hierzulande manchen Risikomanager unruhig schlafen. Zahlen der Bundesbank zufolge stehen spanische Schuldner bei deutschen Finanzhäusern mit einem dreistelligen Milliardenbetrag in der Kreide. Betroffen sind nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen.

Deutsche Banken haben nach Erkenntnissen der Bundesregierung mehr als 100 Mrd. Euro im von der Euro-Schuldenkrise geschüttelten Spanien im Feuer. Die Gesamtforderungen deutscher Bankengruppen gegenüber spanischen Kreditnehmern hätten Ende 2011 in einem niedrigen dreistelligen Milliardenbereich gelegen, heißt es in einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesfinanzministerium, Hartmut Koschyk, an den FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler. In dem Brief bezieht sich Koschyk auf Daten der Deutschen Bundesbank.

Deutsche Versicherungen waren Koschyk zufolge per März 2012 mit Vermögensanlagen in Spanien in einem mittleren zweistelligen Milliardenbereich engagiert. Dies habe eine Abfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bei den 30 größten deutschen Versicherungen ergeben.

Unscharfes Immobilienrisiko

Mit Blick auf Risiken aus dem spanischen Immobiliensektor lasse sich aus Sicht der Bundesbank keine exakte Zuordnung vornehmen, schrieb Koschyk. Es ließen sich nur immobiliennahe Branchen eingrenzen. "Hieraus ergaben sich nach Angaben der Deutschen Bundesbank Ende 2011 für deutsche Bankengruppen und Versicherungen Gesamtforderungen gegenüber immobiliennahen Branchen von 24,7 Milliarden Euro", heißt es in dem Brief.

Die spanische Regierung hat angekündigt, die Risiken und den möglichen Abschreibungsbedarf im spanischen Bankensektor insbesondere unter Berücksichtigung der Immobilienrisiken zu überprüfen. "Die Ergebnisse werden bei einer Bewertung mit berücksichtigt", schrieb Koschyk. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone droht vor allem wegen der gravierenden Probleme seiner Banken immer tiefer in den Strudel der Schuldenkrise zu geraten.

Schäffler erklärte: "Spanien hat seine Bankenkrise verschleppt und bekommt jetzt die Rechnung dafür präsentiert." Die Verschuldung und das Defizit würden rasant steigen. "Das sind noch keine griechischen Verhältnisse, aber es erinnert sehr stark an den Beginn der Schuldenkrise im Frühjahr 2010."

Quelle: n-tv.de

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