Wirtschaft
Autofabrik in Teheran: Iran Khodro ist der größte Hersteller des Iran und fertigt hauptsächlich französische Autos, könnte aber zukünftig auch mit Volkswagen zusammenarbeiten.
Autofabrik in Teheran: Iran Khodro ist der größte Hersteller des Iran und fertigt hauptsächlich französische Autos, könnte aber zukünftig auch mit Volkswagen zusammenarbeiten.(Foto: picture alliance / dpa)

Exporte könnten zweistellig wachsen: Deutsche Wirtschaft hofft auf Iran-Boom

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran stehen vor einer kräftigen Wiederbelebung. Wenn die Sanktionen des Westens fallen, rechnet der DIHK mit satten Zuwachsraten der Exporte. Unternehmen sprechen von "Goldgräberstimmung".

Die deutsche Wirtschaft hofft auf deutliche Zuwächse im Geschäft mit dem Iran, wenn die Sanktionen des Westens gegen die islamische Republik schrittweise aufgehoben werden. "Alle sitzen in den Startlöchern", sagte der Außenwirtschaftschef beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Volker Treier. Die Sanktionen gegen den Iran könnten im ersten Quartal 2016 fallen, eventuell schon Ende Februar.

"Wir sind eher hoffnungsvoll, dass es mit Schwung losgeht und wir locker zweistellige Zuwachsraten bei den deutschen Exporten schon 2016 erreichen", sagte Treier. Das deutsch-iranische Handelsvolumen könnte sich in den nächsten drei Jahren auf 5 Milliarden Euro verdoppeln. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sei ein Anstieg auf sogar 10 Milliarden Euro möglich. Der Westen will seine Sanktionen gegen den Iran schrittweise aufheben, wenn das Land die Vereinbarungen zum Atomprogramm erfüllt.

"Land mit industrieller Tradition"

Video

Der Iran war in den 1970er Jahren laut DIHK für die deutsche Wirtschaft der zweitwichtigste Exportmarkt außerhalb Europas hinter den USA. Das zeigt laut Treier, wie bedeutend der Iran potenziell sein könne. "Das ist ein Land mit industrieller Tradition." Die Maschinen seien veraltet, Kontakte seien aber noch vorhanden. "Der Iran ist sehr interessiert an Maschinen und Technologien 'Made in Germany'", sagte Treier.

Beim deutschen Logistikunternehmen Schenker, einer Tochter der Deutschen Bahn, ist man ebenfalls euphorisch: "Es gibt so etwas wie eine Goldgräberstimmung", sagte der Manager Michael Dietmar von DB Schenker. Das jährliche Umsatz-Potenzial im Iran sieht er im dreistelligen Millionenbereich. Die erwarteten Gewinnmargen seien außerdem deutlich höher als in anderen Ländern. Grund sei etwa, dass es im Iran aufgrund der schwierigen Voraussetzungen weniger Konkurrenz gebe.

Das Iran-Geschäft könnte für DB Schenker bald genauso wichtig werden wie das in Spanien und der Türkei, sagte Dietmar. Das Unternehmen plant, künftig regelmäßig sogenannte Sammelverkehre in Richtung Iran einzurichten: Produkte von verschiedenen Kunden werden in Hubs gesammelt, wie bei Fluggesellschaften. Zu den Hubs zählen München, Mailand und Hamburg. Die Lastwagen sollen dann von Deutschland aus über den Balkan und die Türkei bis nach Teheran fahren. Krisenregionen sollen dabei umfahren werden. Schenker werde auch Seefracht und Luftfracht organisieren.

Bestehende Unsicherheiten durch Sanktionen der USA

Im Jahr 2014 lag das deutsche Exportvolumen in den Iran nach Angaben des DIHK bei rund 2,4 Milliarden Euro. 2015 seien die Exporte rückläufig gewesen, da sich das Land in einer wirtschaftlichen Stagnation befindet. Aufgrund des knappen Güterangebotes liege die Inflation bei mehr als 12 Prozent. Daher seien die Zinsen angehoben worden, was Investitionen verteuere. Das deutsch-iranische Handelsvolumen insgesamt - also Ex- und Importe - belief sich 2014 auf 2,69 Milliarden Euro.

DIHK-Außenwirtschaftschef Treier verwies zudem auf noch bestehende Unsicherheiten durch Sanktionen der USA gegen ausländische Firmen, Personen und Branchen im Zusammenhang mit Irangeschäften. Vor allem Banken befänden sich in einer rechtlich unsicheren Phase. Nötig seien Zusicherungen, dass Kreditinstitute nicht in den USA belangt werden, wenn sie jetzt Irangeschäfte finanziell begleiten. Faktisch gebe es aktuell keine namhafte europäische Bank, die Exportgeschäfte mit dem Iran finanziere.

Eine Frage sei auch das Vorgehen, wenn sich der Iran nicht an Vereinbarungen halte. Zuletzt hatten die USA aber mit neuen Sanktionen gedroht. Grund sind das iranische Raketenprogramm und der erfolgreiche Test einer Mittelstreckenrakete im Oktober 2015.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen