Wirtschaft

Wahlausgang in Frankreich: Deutsche Wirtschaft ist "alarmiert"

Der Wahlerfolg des Front National (FN) macht Vertretern der deutschen Wirtschaft Sorgen. Der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Goebel, befürchtet "einen Schritt zurück ins Mittelalter".

Marine Le Pen und ihr Front National landen bei der Regionalwahl bei fast 30 Prozent.
Marine Le Pen und ihr Front National landen bei der Regionalwahl bei fast 30 Prozent.(Foto: imago/PanoramiC)

Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den Sieg des rechtsextremen Front National (FN) bei den Regionalwahlen in Frankreich. "Ich sehe das Wahlergebnis mit großer Sorge", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. "Die Entwicklung ist ein alarmierendes Signal", betonte auch der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel. "Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2017 wäre der Aufwind des Front National mit seiner wirtschaftlichen Abschottungspolitik ein Schritt zurück ins Mittelalter."

Frankreich ist seit Jahrzehnten der größte Exportkunde der deutschen Wirtschaft, dürfte diese Position im zu Ende gehenden Jahr aber an die USA verlieren. Folgen für den Warenaustausch befürchtet die Wirtschaft derzeit nicht. "Eine Verschlechterung der bilateralen Handelsbeziehungen nach den Gewinnen des Front National erwarte ich nicht", sagte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven.

Goebel macht für die starken Zuwächse der Partei von Marine Le Pen die Wirtschaftspolitik des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande mitverantwortlich. "Der Erfolg des Front National ist nicht nur ein Ausdruck fremdenfeindlicher Forderungen, die nach dem Terror in einigen Teilen der Bevölkerung wachsen", sagte Goebel, der 180.000 Familienunternehmer mit acht Millionen Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,7 Billionen Euro vertritt. "Der Erfolg ist auch eine Reaktion auf das Versagen der Europäischen Union in der Euro-Krise sowie eine auf Hollandes Wirtschaftspolitik, die er lange brach liegen lassen hat."

Reformen als Mittel gegen den FN

Der Front National bietet nach den Worten von BGA-Präsident Börner kein vernünftiges wirtschaftliches Rezept an. "Abschottung und Nationalismus münden nicht in mehr Wohlstand, sondern in weniger", sagte er. Die rasche Umsetzung von Wirtschaftsreformen sind dem Jacques-Delors-Institut zufolge das beste Rezept gegen den Aufstieg des Front National. "Es ist das Nichtstun, das den Front National so stark gemacht hat", sagte der Direktor der in Berlin ansässigen deutsch-französischen Denkfabrik, Henrik Enderlein.

Aus Furcht vor einem weiteren Aufstieg der rechtsextremen Partei seien unpopuläre Maßnahmen lange unterlassen worden. In den vergangenen zwölf Monaten sei die Regierung zwar aktiver geworden. "Aber das hätten wir schon vor fünf Jahren gebraucht. Denn bis Strukturreformen wirken, braucht es Zeit, wie die deutschen Hartz-IV-Reformen belegen." Frankreich müsse vor allem seinen Arbeitsmarkt flexibler machen. Den Unternehmen müsse ermöglicht werden, schneller auf eine veränderte Nachfrage reagieren zu können.

Quelle: n-tv.de

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