Wirtschaft
In der Industrie und bei den Dienstleistungen gibt es nach wie vor viel zu tun.
In der Industrie und bei den Dienstleistungen gibt es nach wie vor viel zu tun.(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr Jobs, mehr Armut: Deutsche schuften auf Rekordniveau

Die Zahl der Erwerbstätigen ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen - und sie arbeiten immer länger. Dennoch nimmt gleichzeitig die Armut weiter zu. Auch der Mindestlohn verhindert nicht, dass Beschäftigte verarmen.

Deutschland geht es wirtschaftlich gut, das zeigt sich auch in der aktuellen Beschäftigungsstatistik. Im vierten Quartal 2014 gab es nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung mehr als 43 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland. Allerdings beklagen Sozialverbände, dass nicht alle von der Entwicklung profitieren. "Doch 8 Prozent der Bevölkerung sind völlig abgehängt, und zwischen 16 und 20 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze", sagte der Armutsforscher Ernst-Ulrich Huster in Berlin anlässlich eines entsprechenden Berichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Binnen Jahresfrist wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 412.000 Personen oder 1,0 Prozent auf 43,023 Millionen. Gegenüber dem Vorquartal erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im vierten Quartal um 165.000 Personen oder 0,4 Prozent. Der Anstieg der Gesamterwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahresquartal entfiel im vierten Quartal weiterhin überwiegend auf die Dienstleistungsbereiche. Auch in der Industrie und im Baugewerbe stieg die Beschäftigung.

Viele prekäre Arbeitsverhältnisse

Die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich im Schlussquartal 2014 im Vergleich zum vierten Quartal Vorjahreszeitraum um 458.000 beziehungsweise 1,2 Prozent auf 38,7 Millionen Personen. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger sank dagegen um 46.000 Personen oder 1,0 Prozent auf 4,4 Millionen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also das Produkt aus Erwerbstätigenzahl und geleisteten Stunden je Erwerbstätigen - erhöhte sich im vierten Quartal 2014 auf Jahressicht um 1,7 Prozent auf über 14,8 Milliarden Stunden.

Trotz des Rekordniveaus bei der Beschäftigung und trotz des neuen Mindestlohns gebe es weit verbreitet Armut trotz Arbeit, kritisiert allerdings der Deutsche Gewerkschaftsbund. Rund die Hälfte der Neubeschäftigten hätten etwa zeitlich befristete Arbeitsverträge. Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: "Wer Armut bekämpfen will, muss vor allem den Arbeitsmarkt aufräumen." Der gesetzliche Mindestlohn dürfe nicht mit dem Argument der Vermeidung von Bürokratie unterhöhlt werden. "Prekäre Arbeit wie Leiharbeit und der Missbrauch von Werkverträgen muss zurückgedrängt werden."

Quelle: n-tv.de

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