Wirtschaft
Laut dem Global Wealth Report der Allianz ist das Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt.
Laut dem Global Wealth Report der Allianz ist das Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt.(Foto: picture alliance / dpa)

Private Vermögen auf Rekordhöhe: Deutschland erstarrt in Ungleichheit

Von Hannes Vogel

136 Billionen Euro Vermögen haben Menschen weltweit gebunkert - mehr als alle Firmen an der Börse wert sind und Staaten Schulden haben. In kaum einem anderen Land ist der Reichtum so ungleich verteilt wie in Deutschland.

Zum dritten Mal in Folge ist das weltweite Vermögen im vergangenen Jahr gewachsen. Das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte stieg 2014 laut einer Allianz-Studie um über sieben Prozent auf den Rekordwert von 136 Billionen Euro. "Damit könnten die privaten Haushalte sämtliche Staatsschulden der Welt ungefähr dreimal tilgen", sagte Allianz-Chef Oliver Bäte. Abzüglich der Schulden verfügten die Menschen rund um den Globus erstmals über ein Netto-Vermögen von über 100 Billionen Dollar.

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Mit einem Plus von 18,2 Prozent legten vor allem die Vermögen in Asien wie in den vergangenen Jahren weiter stark zu. Ein Teil des Zuwachses ist allerdings eher virtuell, weil er auf den "teilweise nicht nachhaltigen" Anstieg des Wertpapiervermögens zurückgeht. Dennoch entfallen inzwischen gut 16 Prozent des globalen Geldvermögens auf Asien. Aufhorchen lässt auch, dass China erstmals Japan beim Bruttovermögen überholte.

Starre Ungleichheit in Deutschland

Rund 44.770 Euro hat der Durchschnittsdeutsche nach Abzug der Schulden auf der hohen Kante. Damit liegt die Bundesrepublik allerdings nur im Mittelfeld und weit unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 54.380 Euro. Weltweit am reichsten sind die Schweizer: sie bunkern im Schnitt 157.450 Euro. Der typische Amerikaner hat 138.710 Euro zurückgelegt, die Briten 86.230 Euro. Weltweit beträgt das durchschnittliche Netto-Geldvermögen pro Kopf 20.360 Euro.

Dieser gigantische Wohlstand ist allerdings alles andere als gleich verteilt. Nur zehn Prozent der untersuchten Bevölkerung von fünf Milliarden Menschen gehören zur Vermögensoberklasse. Ihnen gehören aber 80 Prozent des globalen Vermögens. Durchschnittlich entfallen auf die ärmere Bevölkerungshälfte in den untersuchten Ländern nur etwa fünf Prozent der Vermögenswerte.

Vor allem in den meisten Industrieländern hat die Ungleichheit laut der Studie in den letzten Jahren stark zugenommen. Forscher messen die Verteilung mit dem sogenannten Gini-Koeffizienten. Er setzt Vermögen und Bevölkerung ins Verhältnis. In keinem anderen Land liegt dieser Wert höher als in den USA. Und nirgendwo sonst hat die Ungleichheit in den vergangenen Jahren so stark zugelegt wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Doch auch Deutschland liegt mit einem Gini-Koeffizienten von 73,3 deutlich über dem globalen Durchschnitt der entwickelten Länder (64,6). Nur in Schweden, Großbritannien und Österreich ist das Vermögen noch ungleicher verteilt. Die Allianz sieht darin vor allem ein Erbe der langen Teilung des Landes in Ost und West. Auffällig ist allerdings, dass sich diese Ungleichheit immer mehr zementiert. Seit dem Jahr 2000 hat sich die ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland kaum verändert.

Wachstum schafft Wohlstand

Trotzdem ist Wachstum laut Allianz das beste Mittel für soziale Gerechtigkeit. Es befreit immer größere Teile der Weltbevölkerung aus der Armut. Und scheint laut Allianz eher mit einer zunehmend gerechteren Verteilung einherzugehen. "Immer mehr Menschen können am globalen Wohlstand partizipieren“, sagt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Laut der Studie hat die Zahl der Menschen mit mittlerem Vermögen erstmals mehr als eine Milliarde erreicht. Die globale Mittelklasse definiert die Allianz als alle Personen mit einem Nettovermögen zwischen 30 und 180 Prozent des durchschnittlichen weltweiten Netto-Vermögens (20.360 Euro).

Fast 600 Millionen Menschen haben seit 2000 den Aufstieg in diese Vermögensliga geschafft. Vor allem in Asien gelingt immer mehr Menschen der große Sprung nach vorn: Dort hat sich seit dem Jahrtausendbeginn die Bevölkerung mit mittlerem Vermögen nahezu verzehnfacht. Vor allem Millionen Chinesen hätten "praktisch aus dem Nichts" kleinere Vermögen aufbauen können. Allerdings: Mit 71 Prozent der untersuchten fünf Milliarden Menschen gehört die überwiegende Mehrheit der Menschen immer noch zur Vermögensunterklasse.

Quelle: n-tv.de

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