Wirtschaft
Allein von Januar bis Juli hat Deutschland für 133 Milliarden Euro mehr Waren exportiert als importiert.
Allein von Januar bis Juli hat Deutschland für 133 Milliarden Euro mehr Waren exportiert als importiert.(Foto: picture alliance / dpa)

"Made in Germany" ist beliebt: Deutschland steht vor Rekord-Überschuss

Im Außenhandel könnte Deutschland dieses Jahr so hohe Überschüsse erzielen wie kein anderes Land. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts muss China wohl mit Platz zwei vorlieb nehmen. Dahinter folgt ein Land, das einem vielleicht nicht als erstes einfällt.

Auf einen Rekord-Exportüberschuss steuert Deutschland dieses Jahr zu. Laut dem Ifo-Institut in München wird die Leistungsbilanz in diesem Jahr ein Plus von 200 Milliarden Euro aufweisen. "Ein neuer Rekordwert", sagte Ifo-Ökonom Steffen Henzel. 2013 waren es 192 Milliarden Euro, 2012 rund 196 Milliarden Euro.

Video

Auch weltweit ist Deutschland mit diesem Überschuss führend: Unter Berücksichtigung von Wechselkursschwankungen beträgt er dieses Jahr etwa 280 Milliarden Dollar - so viel wie bei keinem anderen Land. Auf Platz zwei kommt mit 230 Milliarden Dollar die weltgrößte Handelsnation China, gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien. Kritikern der starken deutschen Exportausrichtung wie der EU-Kommission und der US-Regierung dürfte diese Entwicklung nicht gefallen - zumal das Ifo-Institut anhaltend hohe Überschüsse prophezeit.

Grund für das gigantische Plus ist die starke Nachfrage nach Waren "Made in Germany". "Bei Deutschland ist die Triebfeder der Warenhandel", sagte Henzel. Allein von Januar bis Juli habe Deutschland für 133 Milliarden Euro mehr Waren exportiert als importiert. Im Juli haben die deutschen Exporteure zum ersten Mal überhaupt binnen eines einzelnen Monats mehr als 100 Milliarden Euro umgesetzt. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch auch noch sämtliche andere Transfers mit dem Ausland ein, von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe.

Hoher Überschuss gilt auf Dauer als "stabilitätsgefährdend"

Der erwartete Bilanz-Überschuss entspreche 7,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend ein. Da Deutschland seit Jahren über dieser Grenze liegt, wurde die Bundesregierung im März von Brüssel gerügt. Gleichzeitig wird ihr empfohlen, mehr zu investieren und so die Binnennachfrage zu stärken. Auch das US-Finanzministerium prangerte die deutschen Überschüsse als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an, da Länder mit hohen Überschüssen solchen gegenüber stehen, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.

Für das Bundeswirtschaftsministerium ist der riesige Überschuss ein Beleg dafür, "dass die deutsche Wirtschaft dank ihrer Beschäftigten, ihrer wettbewerbsfähigen Wirtschaft und weltweit gefragten Produkte exportstark ist", wie ein Sprecher sagte. Nun solle bei öffentlichen und privaten Investitionen nachgelegt werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe hierzu eine Expertenkommission berufen, "die Impulse für neue Modelle zur Belebung der Investitionstätigkeit erarbeiten soll".

"Geld fehlt für Investitionen im Inland"

Das Ifo-Institut sieht die enormen Überschüsse ebenfalls kritisch. "Im Umfang der Leistungsbilanzüberschüsse entstehen Forderungen gegenüber dem Ausland", sagte Henzel. "Per Saldo gewährt die deutsche Volkswirtschaft also einen Kredit an das Ausland." Auf Dauer sei es kein gutes Geschäftsmodell, so viel Kapital im Ausland anzulegen. Das Geld fehle für Investitionen im Inland.

Mit einer schnellen Verringerung des Überschusses sei allerdings nicht zu rechnen. Zum einen, "da die deutschen Exporteure ihre relative Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten", wie Henzel sagte. Zum anderen sei "kein massiver Zustrom ausländischen Kapitals und damit höhere Waren-Importe nach Deutschland zu erwarten".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen