Wirtschaft
Apple, Google, Microsoft & Co. - eine Handvoll Megakonzerne bunkert Billionen in Steueroasen und foppt den Fiskus.
Apple, Google, Microsoft & Co. - eine Handvoll Megakonzerne bunkert Billionen in Steueroasen und foppt den Fiskus.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Liste der Steuer-Schande: Diese Firmen verstecken 2,1 Billionen Dollar

Von Hannes Vogel

Zwei NGOs haben ausgerechnet, welche US-Firmen das meiste Geld in Steueroasen bunkern. Die Liste der Schande liest sich wie das Who's Who der US-Wirtschaft. Angeführt wird sie vom profitabelsten Konzern der Welt.

Wäre das Innere des Ugland House real, hätte es einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als größtes Gebäude der Welt sicher. Doch der Bürokomplex mit roten Geländern und unauffälligen grauen Fenstern in der South Church Street in George Town, der Hauptstadt der Kaiman-Inseln, ist nur fünf Stockwerke hoch. Dafür ist er der offizielle Sitz von über 18.000 Briefkastenfirmen.

Das Ugland House ist der Grund, warum die Mitarbeiter der "Citizens für Tax Justice" und des "US PIRG Education Fund" bis vor kurzem eine Menge zu tun hatten. Die NGOs haben sich die Steuerberichte vorgeknöpft, die die 500 größten US-Firmen im letzten Jahr bei der Börsenaufsicht einreichen mussten. Das Ergebnis: die Top-Konzerne verstecken schwindelerregende 2,1 Billionen Dollar vor dem US-Fiskus, das meiste davon in Steueroasen. Seit 2008 hat sich die Menge des geflüchteten Geldes verdoppelt.

Spitzenreiter der Liste der Steuer-Schande ist ausgerechnet der profitabelste Konzern der Welt. Gigantische 181,1 Milliarden Dollar hat Apple bis 2014 an der US-Staatskasse vorbeigeschleust. Fast 60 Milliarden Dollar Steuern müsste Apple berappen, wenn es das Geld zurück in die USA bringen würde. Der Tech-Riese hat das Kunststück geschafft, für den Großteil seiner Auslandsgewinne in keinem Land der Welt Steuern zu zahlen.

Eine Handvoll Firmen narrt die ganze Welt

Nummer zwei auf der Liste ist General Electric (119 Mrd. Dollar), gefolgt von Microsoft (108,3 Mrd. Dollar) und Pfizer (74 Mrd. Dollar). Der Pharmariese treibt die Steuertricks auf die Spitze: Mit der Übernahme eines kleinen ausländischen Konkurrenten versuchte er sich auf dem Papier gar in einen ausländischen Konzern zu verwandeln, um Steuern zu sparen. Im Schnitt zahlten die Firmen auf ihre Auslandsgewinne nur sechs Prozent Steuern. In den USA liegt der Steuersatz bei 35 Prozent.

Zwar haben rund drei Viertel der 500 größten US-Unternehmen Tochterfirmen in Steueroasen. Doch es ist nicht etwa die breite Gewinnverlagerung aller, die den Fiskus in Bedrängnis bringt. Sondern die dreiste Steuerflucht weniger globaler Megakonzerne wie Apple, Microsoft oder Walmart.

Zwei Drittel des Fluchtgelds kommt von nur 30 US-Multis. Sie haben zusammen rund 1,4 Billionen Dollar in Steueroasen gebunkert - und verstecken damit im Ausland mehr Geld vor dem US-Fiskus als alle 470 anderen Konzerne zusammen. Diese Handvoll Firmen hält die ganze Welt zum Narren. Denn anders als kleine und mittlere Unternehmen können die globalen Riesen, die grenzüberschreitend arbeiten, die Unterschiede zwischen den Steuersystemen verschiedener Länder für sich ausnutzen.

Keine Steuern zahlen, aber das Geld nutzen

Viele der Top-30-Steuervermeider sind Tech-Firmen wie Google, IBM oder Intel. Denn die Internetriesen haben es besonders leicht, Gewinne zwischen Ländern hin- und herzuschieben. Genauso wie forschungsintensive Pharma-Konzerne wie Merck und Johnson & Johnson oder Marken-Firmen wie Nike, Pepsi oder Coca-Cola, deren wichtigste Werte Erfindungen, Patente, Designs und anderes geistiges Eigentum sind. Sie lagern ihre Rechte einfach in Steueroasen aus. Und zahlen dorthin dann aufgeblähte Lizenzgebühren an sich selbst, mit denen sie sich im Rest der Welt armrechnen.

Der Gipfel der Steuerflucht: Das Geld liegt nur auf dem Papier im Ausland. Die Konzerne müssen deshalb zwar keine Steuern darauf bezahlen. Nutzen können sie es trotzdem ungestört, zum Beispiel als Pfand für billige Kredite. Ein Großteil lagert auf US-Konten oder steckt in US-Immobilien, US-Wertpapieren oder anderen US-Firmenwerten. Formal gehören die aber den Auslandstöchtern.

Die beliebtesten Steueroasen sind Bermuda und die Kaiman-Inseln. Rund 60 Prozent der größten US-Firmen haben mindestens eine Briefkastenfirma dort. Denn auf den Karibik-Inseln gibt es weder Gewinnsteuern für Firmen noch Mehrwertsteuer. Die Profite, die alle US-Multis 2010 dort bunkerten, entsprachen dem 16fachen der Wirtschaftsleistung der Mini-Staaten.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Liste der 30 größten Offshore-Vermögen finden Sie hier.)

Quelle: n-tv.de

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