Wirtschaft
Die Zusammenarbeit mit Etihad ist Grundlage für den Rettungsplan für die angeschlagene Air Berlin.
Die Zusammenarbeit mit Etihad ist Grundlage für den Rettungsplan für die angeschlagene Air Berlin.(Foto: REUTERS)

Code Sharing auf dem Prüfstand: Dobrindt kappt Air Berlins Rettungsleine

Für die chronisch kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin und ihren Partner Etihad sind Gemeinschaftsflüge ein lebenswichtiger Teil ihres Geschäftsmodells. Doch daran will die Bundesregierung nun rütteln - um die Golfländer zu Zugeständnissen zu zwingen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will der Fluglinie Air Berlin offenbar vom Winter an einen großen Teil ihrer Gemeinschaftsflüge mit dem arabischen Partner und Finanzier Etihad Airways untersagen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das kurz vor Ostern an den Wirtschaftsminister von Abu Dhabi, dem Heimat-Emirat von Etihad, ging, wie das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet. Ein Ministeriumssprecher bestätigte die Existenz des Briefes.

Laut Spiegel ist das Schreiben mit dem Kanzleramt, dem Auswärtigen Amt und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel abgestimmt. In dem Brief teilt Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald demnach dem Regierungsvertreter Abu Dhabis mit, dass die deutschen Behörden künftig nur noch solche sogenannten Codeshare-Strecken von Air Berlin und Etihad genehmigen könnten, die in einem Abkommen zwischen Deutschland und dem Emirat aus dem Jahr 1994 und einer späteren Zusatzvereinbarung geregelt sind.

Demnach dürfen beide Airlines derzeit nur Routen von Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg nach Abu Dhabi und retour zusammen vermarkten und bedienen. Außerdem sind Zubringerdienste in diese Städte von und nach Berlin, Stuttgart und Nürnberg unter gemeinsamer Flugnummer erlaubt.

Erlaubnis in letzter Minute

Weitere knapp drei Dutzend, nicht von dem Abkommen gedeckte Routen, die Air Berlin laut Spiegel einen hohen, zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr einbringen, wie zum Beispiel von Stuttgart und Berlin nach Abu Dhabi, will die Bundesregierung dem Bericht zufolge dagegen künftig verbieten. Als Ersatz bietet sie demnach an, im Schulterschluss mit anderen Golfanrainern eine neue, übergreifende Vereinbarung auf EU-Ebene auszuhandeln. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die arabischen Länder und deren Fluggesellschaften wie Emirates oder Etihad zur Einhaltung fairer Wettbewerbspraktiken bekennen. Willigt die andere Seite ein, könnten erste Gespräche schon Ende April stattfinden.

Ein Air-Berlin-Sprecher sagte, maßgeblich für die Codesharing-Flüge seien die Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten, welche aber noch zu keinem Ergebnis gekommen seien. Darüber hinaus wollte er sich nicht äußern. Bei Etihad war zunächst niemand für einen Kommentar zu erreichen.

Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin will es bis 2016 operativ wieder in die schwarzen Zahlen schaffen. Um das zu erreichen, kündigte Konzernchef Stefan Pichler Anfang März, einen Monat nach Amtsantritt, einen dreistufigen Restrukturierungsplan an. Pichler, der zum 1. Februar Wolfgang Prock-Schauer an der Spitze abgelöst hat, will damit das Unternehmen bis April 2016 auf den Weg in Richtung Profitabilität bringen. Zu diesem Zeitpunkt soll finanzielle Stabilität erreicht sein, um dann Wachstumschancen in Europa und darüber hinaus zu verfolgen.

Gestützt wird die Fluggesellschaft von Etihad aus Abu Dhabi. Die Araber halten 29,2 Prozent an Deutschlands zweitgrößter Airline. Die Partnerschaft stand vergangenes Jahr auf der Kippe, als die Bundesregierung damit gedroht hatte, eine Codesharing-Vereinbarung für Flüge zwischen Abu Dhabi und Deutschland nicht zu genehmigen. Die Erlaubnis kam aber in letzter Minute.

Quelle: n-tv.de

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