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Wenn Verbrennungsmotoren wegfallen: E-Mobilität gefährdet bis zu 100.000 Jobs

Etwa jeder achte Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie arbeitet in der Fertigung von Verbrennungsmotoren, Getrieben oder Abgastechnik. Diese Jobs sind in Gefahr, wenn sich tatsächlich Elektroautos durchsetzen. Es sei denn, die Konzerne handeln bald.

Der Umbau in der deutschen Automobilindustrie hin zu mehr Elektromobilität könnte weitere zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland kosten. "Bei den Zulieferern sind mehr als 75.000 Jobs in Gefahr", allein 20.000 davon durch den Radikalumbau bei VW, sagte der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der "Bild am Sonntag". Auch bei Daimler bliebe laut Betriebsratschef Michael Brecht ohne Ausgleich "von heute sieben Arbeitsplätzen in der Motoren- und Aggregatefertigung nur einer" übrig.

Viele Zulieferer produzieren Dudenhöffer zufolge Teile wie Kolben, Dichtungen oder Getriebe, die in Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen, aber in Elektroautos nicht mehr gebraucht würden. Er forderte ein schnelles Gegensteuern. "Nur wenn es gelingt, große Wertanteile des Elektroautos, Batterien und Zellen, in Deutschland zu produzieren, kann dieses Risiko verkleinert werden", sagte der Automobilexperte.

Wie das "Manager Magazin" unter Berufung auf Branchenkreise in seiner aktuellen Ausgaben berichtete, könnten in der gesamten Autobranche bis 2025 sogar mehr als 100.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Dies entspräche jedem achten Job bei Autoherstellern und -zulieferern.

Streit um VW-Manager-Boni

Betriebsratschef Brecht forderte den Daimler-Vorstand auf, die anstehenden Jobverluste teilweise abzufedern und die eigenen Werke besser auszulasten. "Arbeiten, die durch die Elektrifizierung neu entstehen, dürfen nicht automatisch von Dritten erledigt werden", sagte er dem "Manager Magazin". Der Autokonzern solle etwa die Fertigung von Elektromotoren, die Daimler derzeit gemeinsam mit Bosch produziert, künftig allein übernehmen. Brecht zufolge beschäftigt Daimler inklusive seiner Lkw- und Transportersparte gut 30.000 Mitarbeiter in der Produktion von Motoren, Getrieben und Abgastechnik.

Angesichts der massiven Stellenstreichungen bei Volkswagen forderte der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs die Rückzahlung von Managerboni bei dem Autokonzern. In den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland appellierte Fuchs an die VW-Großaktionäre, sich die Bonuszahlungen bei den für den Abgasskandal verantwortlichen Spitzenmanagern zurückzuholen. "Für mich ist das eine Frage des Anstands."

Auch Aktionärsschützer sehen den VW-Aufsichtsrat in der Pflicht, die Boni für Vorstandsmitglieder zu überprüfen. "Die Vorstände können nicht für Erfolge bezahlt werden, die auf Softwaremanipulationen und Betrug beruhen", sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, dem "Tagesspiegel".

Der Skandal um manipulierte Abgastests bei Dieselautos hatte den Wolfsburger Autobauer in eine schwere Krise gestürzt, in den USA muss VW eine Milliardenentschädigung zahlen. Am Freitag hatte der Konzern erklärt, aus Kostengründen in den kommenden Jahren allein in Deutschland rund 23.000 Stellen abzubauen.

VW-Chef Matthias Müller sieht indes nicht ein, vom Dieselskandal betroffenen VW-Kunden in Europa ähnliche Entschädigungen zu zahlen wie in Amerika. "Den Kunden in Europa entsteht ja kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Er wehrte sich zugleich gegen Vorwürfe, die deutsche Autoindustrie habe die Elektromobilität verschlafen. "Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage", kritisierte der Manager. "Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger."

Quelle: n-tv.de

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