Wirtschaft
Anleger sollten sorgsam abwägen, welches Edelmetall für ihre Anlagestrategie geeignet ist.
Anleger sollten sorgsam abwägen, welches Edelmetall für ihre Anlagestrategie geeignet ist.(Foto: picture alliance / dpa)

Gold, Silber und Platin: Edelmetalle - eine Alternative zur Aktie?

Von Benjamin Geese

Die Zinsen sind auf einem Rekordtief, der Ukraine-Konflikt beunruhigt den Aktienmarkt. Wohin also mit dem Geld? In Krisenzeiten flüchten viele Anleger in Edelmetalle. Investoren sollten aber genau überlegen, welches Metall sie wollen.

Gold ist der Superstar unter den Edelmetallen. Fast jeder besitzt eine kleine Menge in Form von Schmuck, den man in schlechten Zeiten gegen Bares eintauschen könnte. Auch Anleger vertrauen auf die einfache Formel: "Geht es der Wirtschaft schlecht, investiere in Gold."

Konjunktur- und Währungskrisen können Unternehmen und somit den Aktienmarkt belasten. Auch politische Unsicherheiten, wie etwa aktuell die Ukraine-Krise, lassen sich zuweilen an den Index-Ständen ablesen. Viele Anleger vergolden ihr Geld da lieber und treiben so den Goldpreis nach oben. Bricht die Wirtschaft ein, werden die Verluste im Portfolio vom Gold abgefedert, so die Idee. Das glänzende Metall ist also eine Art Versicherung.

Das Problem: Gold hat keinen praktischen Nutzen. Es wird kaum für industrielle Zwecke genutzt, lediglich als Schmuck ist es gefragt. Dass sein Preis nicht von einer industriellen Nachfrage gestützt wird, sieht Analyst Eugen Weinberg von der Commerzbank als Schwäche des Goldes: "Das Risiko beim Gold ist nicht die Konjunktur, sondern nachfragebedingte Preisschwankungen. Gold war zwar immer ein sicherer Hafen, es hat aber keine Preisuntergrenze. Theoretisch könnte der Preis auch auf 100 Dollar sinken." Derzeit liegt der Goldpreis bei 1290 Dollar je Feinunze.

Wer in Gold investiert, muss außerdem den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg finden. Zwar hat sich der Preis pro Feinunze seit dem Aufkommen der Euro-Krise auf über 1900 Dollar je Feinunze ungefähr verdoppelt, 2013 brach der Kurs aber wieder ein.

Gold ist allerdings mehr als eine reine Alternativwährung in Krisenzeiten. Seine wahre Stärke liegt in der langfristigen Kursentwicklung. Wer vor zehn Jahren in Gold investiert hat, hat sein Geld, trotz des Absturzes 2013, verdreifacht.

Konjunktur treibt Platinpreis

Im Gegensatz zum Gold hat Platin auch einen industriellen Nutzen. Das Edelmetall wird unter anderem bei der Herstellung von Autos und medizinischen Geräten verwendet.

Der Platinpreis ist dementsprechend abhängig von der industriellen Nachfrage und der Konjunktur. "Wenn man auf Kapitalzuwachs aus ist, sollte man zu Platin und Palladium greifen. Wenn man sich absichern will, eher zum Gold", rät deshalb Rohstoffexperte Weinberg.

Die konjunkturelle Abhängigkeit ist aber auch die größte Schwäche des derzeit wertvollsten Metalls. Denn genau wie die Wirtschaft ist auch der Platinpreis krisenanfällig. Im Zuge der Eurokrise 2008 stürzte der Preis von gut 2300 Dollar je Feinunze auf unter 750 Dollar. Aktuell notiert das Edelmetall bei 1472 Dollar.

Pro Jahr werden lediglich etwa 200 Tonnen Platin gefördert - beim Gold sind es mehr als 3000 Tonnen. Seine Seltenheit macht das Metall anfällig für preisbeeinflussende Ereignisse. Die Streiks in den Minen Südafrikas, wo knapp 75 Prozent allen Platins gefördert wird, könnten zu einer Knappheit führen und den Preis in die Höhe treiben.

Starke Preisausschläge bei Silber

Auch Silber kommt in der Industrie zum Einsatz, zum Beispiel bei Elektronikprodukten. Allerdings wird ein großer Teil des Silbers wie Gold als krisenresistente Anlagealternative genutzt, so dass sich der Kurs in der Regel parallel zum Goldpreis bewegt - mit größeren Ausschlägen. Wie beim Goldpreis explodierte der Silberpreis mit Aufkommen der Euro-Krise und brach ebenfalls anschließend ein.

Gold und Silber in der Krise, Platin beim Aufschwung - Anleger sollten nur in die Edelmetalle investieren, die zu ihrer Anlagestrategie passen. Die Preisentwicklung der Metalle ist außerdem nur ein Erfahrungswert. Weder hat der Anleger in Krisenzeiten eine Garantie auf einen hohen Goldpreis, noch auf einen hohen Platinkurs bei einer brummenden Wirtschaft. Auf Zehnjahressicht haben Anleger allerdings mit allen drei Rohstoffen Gewinne erzielt, wobei die beim Gold mit Abstand am höchsten waren.

Quelle: n-tv.de

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