Wirtschaft
Eine Windturbine dreht sich vor den Schloten des Gelsenkirchener Kohlekraftwerks Scholven.
Eine Windturbine dreht sich vor den Schloten des Gelsenkirchener Kohlekraftwerks Scholven.(Foto: REUTERS)

Trennung vom Kerngeschäft: Eine "neue Welt" spaltet Energieriesen Eon

Laut Eon-Chef Teyssen hat die Energiewende eine "neue Welt" hervorgebracht - und der Energieriese Eon kommt in seiner bisherigen Form in dieser Welt nicht mehr zurecht. Deutschlands größtes Energieunternehmen soll sich daher neu erfinden.

Deutschlands größtes Energieunternehmen Eon richtet sich radikal neu aus. Weil das bisherige Geschäftsmodell den "neuen Herausforderungen" der globalen Energiemärkte "nicht mehr gerecht" werde, spalte sich der Konzern in zwei Unternehmen auf, sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. "In keine andere Art der Stromerzeugung fließen so viele Investitionsmittel wie in die Erneuerbaren - ein Trend, der nicht abebben, sondern sich sogar noch verstärken wird", sagte Teyssen. Der eine Teil konzentriere sich in Zukunft auf erneuerbare Energien, der andere auf konventionelle Energieformen wie Atomstrom, Kohle und Gas.

Die Kernmarke Eon konzentriert sich demnach auf die Sparten erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen. Die konventionelle Energieerzeugung, den globalen Energiehandel sowie Exploration und Produktion überführt Eon laut Teyssen in eine neue, eigenständige Gesellschaft. Sie soll demnach 2016 mehrheitlich abgespalten und danach an die Börse gebracht werden. Zunächst halte Eon an der neuen Gesellschaft noch eine Minderheitsbeteiligung, die mittelfristig aber gewinnbringend veräußert werden solle, sagte Teyssen.

"Gute Chancen" auf den Märkten

Die neue Gesellschaft werde ihren Sitz in der Region "Rhein-Ruhr" haben und rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen, sagte der Eon-Chef, ohne genauere Details zu nennen. Auch wer das Unternehmen in Zukunft führen werde, sei noch nicht bekannt.

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Für die Eon-Beschäftigten sei die Spaltung zwar eine "Zäsur", doch sie werde keine Arbeitsplätze kosten, sondern perspektivisch neue Jobs sichern, sagte Eon-Personalvorstand Mike Winkel. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die die Beschäftigten bei Eon vertritt, begrüßte aus Sicht der Arbeitnehmer die Spaltung. Beide Unternehmensteile hätten in Zukunft "gute Chancen" auf den jeweiligen Märkten zu bestehen, teilte Verdi-Bundesvorstand Andreas Scheidt mit.

Der schwer angeschlagene Energiegigant reagiert mit der Spaltung auf den Preissturz bei Großhandelspreisen für Strom. Aufgrund von Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau der erneuerbaren Energien sind die Strompreise seit Anfang 2013 drastisch gefallen. Neben der "alten Energiewelt" habe sich eine "neue Welt" entwickelt, erklärte Teyssen.

Das zentrale Charakteristikum dieser neuen Welt sei die Kundennähe. Verbraucher würden mehr und mehr nachhaltige Energie fordern und sie zum Teil auch selbst produzieren. Hierfür wolle Eon in Zukunft Lösungen finden, sagte Teyssen. Gleichzeitig werde es aber auch die "alte Welt" weiter geben. Die neue Gesellschaft verfüge über "herausragende Fähigkeiten" in dieser alten Energiewelt.

Angst vor atomarer Bad-Bank

Der Energieversorger gab zeitgleich den Verkauf seines Spanien- und Portugalgeschäfts an den australischen Investor Macquarie für rund 2,5 Milliarden Euro bekannt. Außerdem prüft Eon laut Teyssen den Verkauf seines Geschäfts in Italien. Im laufenden Quartal müsse der Konzern zudem 4,5 Milliarden Euro Abschreibungen vornehmen, zusätzlich zu den bereits bekannten 700 Millionen Euro.

Während Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Umstrukturierung begrüßte, kritisierte Bärbel Höhn (Grüne), die Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Bundestag, die Eon-Pläne. Sie befürchte, dass Eon eine "Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke" schaffe, die von den Steuerzahlern gerettet werden müsse, erklärte Höhn mit Blick auf die Rückstellungen für Kernenergie bei Eon. Der Konzern hält nach eigenen Angaben 14,5 Milliarden Euro in der Hinterhand, um Atomkraftwerke rückzubauen und die Lagerung von Atommüll zu gewährleisten. Kritiker befürchten, dass die Summe nicht ausreichen könnte.

Die Umweltorganisation Greenpeace wertete die Entscheidung Eons als "historische Kehrtwende". Eon, "einer der erbittertsten Feinde des Atomausstiegs", verabschiede sich vom Geschäftsmodell Atomkraft und fossile Energien. MItbewerber RWE erklärte indes, der Energiewende anders zu begegnen. "Wir wollen unseren Konzern weiterhin entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufstellen", sagte eine Sprecherin. Der RWE-Vorstand sei überzeugt, durch Optimierungen wieder Tritt fassen zu können.

Anleger feierten die Abspaltungspläne: Die Aktien des Versorgers stiegen am Montag um bis zu 6,3 Prozent auf ein Fünf-Monats-Hoch von 15,15 Euro und waren damit Spitzenreiter im Dax. "Das ist der wohl der radikalste Wandel, den E.ON vollziehen konnte - allerdings ist er strategisch sinnvoll und könnte durchaus für mehr Wachstum sorgen als das alte traditionelle Geschäftsmodell", schreiben die Analysten der UBS in einem Kommentar.

Quelle: n-tv.de

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