Wirtschaft
In vielen Büros wird mit der Software auch gleich der komplette Rechner aktualisiert.
In vielen Büros wird mit der Software auch gleich der komplette Rechner aktualisiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Branche schöpft Hoffnung: Erlebt der PC ein Revival?

Mit dem Ende des Betriebssystems Windows XP investieren etliche Firmen nicht nur in neue Software. Sie verpassen ihrem Rechnerbestand ein Upgrade. Die beliebten Tablets schaffen es nicht bis ins Büro. Beides freut die PC-Hersteller.

Totgesagte leben länger. Der PC erlebt derzeit trotz harter Konkurrenz des Tablet-Computers ein Comeback. Denn viele Unternehmen greifen bei den traditionellen Geräten wieder zu. Erst vergangene Woche setzte der Chiphersteller Intel überraschend seine Prognose herauf - das erste Mal seit fast fünf Jahren. Der US-Konzern rechnet für das laufende Quartal mit einem Umsatz, der rund 700 Millionen US-Dollar höher als bisher erwartet ausfallen dürfte. Die Begründung: Geschäftskunden würden verblüffend viele PCs bestellen. Der Aktienkurs schoss um fast sieben Prozent nach oben.

Bereits vor Intels Ankündigung zeigten sich die Computerproduzenten deutlich optimistischer als früher. Ihre Hoffnungen ruhten zum Teil auf Microsofts Entscheidung, den technischen Support für das veraltete Betriebssystem Windows XP auslaufen zu lassen. Das könnte viele Unternehmenskunden dazu animieren, sowohl Soft- als auch Hardware zu modernisieren.

Tablet bleibt zumeist im Wohnzimmer

Viele Branchenmanager machen aber noch einen anderen Trend aus. Tablets haben zwar ihren Platz in Wohnzimmern gefunden. Aber für die meisten Arbeitsplätze kämen sie nicht so recht in Frage. "Die Unternehmen merken: Sie brauchen ein Werkzeug, das höhere Produktivität ermöglicht und sich somit vom Tablet unterscheidet", sagte HP-Chefin Meg Whitman jüngst. Der PC-Hersteller jubelte dabei über ein Umsatzwachstum von rund sieben Prozent in seiner Sparte "Personal Systems".

Video

Zwar habe sich in der Computerbranche vieles geändert, nur nicht die Bedeutung des PC, bläst Jeff Clarke vom Wettbewerber Dell ins gleiche Horn. "An diesem Gerät wird immer noch die Arbeit erledigt." Das aktuelle Comeback bei PC-Käufen durch Unternehmen dürfte nach Meinung anderer Experten jedoch die schwache Endkundennachfrage kaum kompensieren. Eventuell verpuffe der Aufschwung auch nach wenigen Quartalen. Die Marktforscher von IDC prognostizieren weiterhin einen Rückgang der weltweiten Lieferungen um sechs Prozent für 2014.

Prognosen zu pessimistisch?

Aber immerhin ist jedes Anzeichen für eine Umsatzstabilisierung Balsam auf die Wunden der geschundenen PC-Hersteller. Einige Marktforschungsunternehmen - darunter Gartner - rechnen sogar mit einem Wachstum der Branche ab 2015. Die Nachfrage nach Chips für PCs wachse seit rund sechs Monaten, berichtet Präsident Mark Adams vom Speicherchiphersteller Micron. Das Gros des Umsatzwachstums gehe auf das Konto von Geschäftskunden, die ihre PC-Speicherkapazitäten erweitern wollten. "Die Leute hatten ihre Investitionen ein wenig aufgeschoben", meint Adams. Voraussagen über einen weiteren PC-Absatzeinbruch für 2014 könnten zu pessimistisch sein. "Ich glaube, es wird letztlich besser aussehen."

Die dramatischen Auswirkungen der Tablet-Geräte lassen sich trotzdem kaum überschätzen. Im vergangenen Jahr dürften fast 220 Millionen Stück über den Ladentisch gegangen sein, schätzt IDC. Der Abstand zu rund 315 Millionen PCs hat sich damit verkleinert. Dabei ist das Tablet ein noch relativ neues Produkt. Apple hob es erst vor rund vier Jahren mit seinem iPad massenwirksam aus der Taufe.

PC-Markt wie Automarkt: Langweilig - und in Bewegung

Insgesamt entfielen vergangenes Jahr laut IDC nur rund zehn Prozent aller Tablet-Käufe auf Unternehmenskunden. Zugleich dürfte der Tablet-Boom etwas abkühlen. In diesem Jahr sollte der Absatz nur noch um rund zwölf Prozent zulegen, meint IDC. Das sind deutlich weniger als die mehr als 50 Prozent von 2013. Käufer behalten ihre Tablets inzwischen länger. Viele greifen auch bei Smartphones mit besonders großen Bildschirmen zu - sogenannten "Phablets".

Inzwischen rechnet Intel wieder mit einem Wachstum für 2014. Vorher waren die Manager von einer Stagnation ausgegangen. Unsicher bleiben allerdings die langfristigen Aussichten der Kalifornier. Manche Beobachter meinen, es hänge entscheidend davon ab, ob dem Konzern der Durchbruch bei Chips für Smartphones und Tablets gelingt. Derweil bleibt das PC-Geschäft die Cash-Cow des Unternehmens: Im vergangenen Jahr kamen so 33 Milliarden Dollar Umsatz und 12 Milliarden Dollar operatives Ergebnis in die Kasse. Dank dieser Einnahmequelle kann Intel kräftig in neue Geschäftszweige investieren - wie etwa Chips für tragbare Geräte. "Der PC-Markt ist wie der Automarkt", meint Analyst Roger Kay von Endpoint Technologies. "Er ist langweilig, bleibt aber immer am Laufen."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen