Wirtschaft
Der Hilfsempfänger spricht zum Eurogruppenchef: Jannis Stournaras (l.) im gespräch mit Juncker.
Der Hilfsempfänger spricht zum Eurogruppenchef: Jannis Stournaras (l.) im gespräch mit Juncker.(Foto: REUTERS)

"Großer Tag für Griechenland": Euro-Minister geben die Hilfe frei

Die Finanzminister der Eurozone geben grünes Licht: Griechenland bekommt im Rahmen eines weiteren Hilfspakets insgesamt fast 50 Mrd. Euro an frischen Mitteln. In Athen herrscht große Erleichterung.

Leicht zerzaust, aber zuversichtlich - Jean-Claude Juncker: "Das Geld wird schon nächste Woche nach Griechenland fließen."
Leicht zerzaust, aber zuversichtlich - Jean-Claude Juncker: "Das Geld wird schon nächste Woche nach Griechenland fließen."(Foto: REUTERS)

Aufatmen in Griechenland: Lange musste die Regierung in Athen warten. Die internationale Gebergemeinschaft wartete ab, ob es dem Euro-Mitglied gelingt, seine "Hausaufgaben" zu machen. Nun ist der Schuldenrückkauf erfolgreich beendet. Prompt schicken die Euro-Länder die nächsten Hilfsmilliarden auf den Weg.

Nach monatelanger Hängepartie erhält Griechenland die dringend benötigte Hilfsmilliarden von seinen Geldgebern. Die Euro-Finanzminister gaben Kredite in Höhe von 49,1 Mrd. Euro aus dem Rettungsfonds EFSF endgültig frei. "Die Sitzung ist beendet, die Freigabe der Finanzhilfen wurde akzeptiert", verkündete der Sprecher von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nach dem Treffen der Kassenhüter in Brüssel. Die Minister seien davon überzeugt, dass das Land wieder auf einem guten Weg sei, ergänzte Juncker anschließend. "Das Geld wird schon nächste Woche nach Griechenland fließen." Die Märkte reagierten erleichtert.

Die Kredite sollen Athen vor der Staatspleite retten. In Griechenland war die Erleichterung groß. Finanzminister Ioannis Stournaras sprach von einem "großen Tag für Griechenland". Auch die Geldgeber hoffen, dass das Euro-Sorgenkind nun wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. Juncker sagte nach dem Beschluss zu Griechenland und der Grundsatzeinigung auf eine europäische Bankenaufsicht, es sei eine "gute Zeit für Europa". Allerdings sei die Krise noch nicht vorbei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Freigabe der Hilfsgelder. "Griechenland hat dafür große Anstrengungen unternommen", sagte sie vor Beginn des EU-Gipfels in der belgischen Hauptstadt. Das Geld stammt aus dem laufenden Hilfsprogramm. Die Geldgeber - Euro-Länder und Internationaler Währungsfonds (IWF) - hatten die Überweisung der Kredite davon abhängig gemacht, dass Athen sein Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen erfolgreich abschließt. Im umgangssprachlichen Jargon der Beobachter war in diesem Zusammenhang stets von "Hausaufgaben" die Rede, die das Land erst erledigen müsse.

"Es ist gut gegangen im Wesentlichen"

Erst vor wenigen Tagen hatte Griechenland mit dem Abschluss dieser Aktion die Grundlage für nächste Überweisung gelegt. Mit dem Rückkauf von alten Staatsanleihen über 31,9 Mrd. Euro reduzierte Athen seine Schuldenlast auf einen Schlag um rund 20 Mrd. Euro. Viele Anleger wollten ihre Papiere, deren Wert in den vergangenen Jahren rasant gesunken war, zu akzeptablen Preisen von 30 bis 40 Prozent des Nennwertes zurückgeben - allerdings aus sehr unterschiedlichen Motiven heraus.

Alt-Gläubiger dürften weiterhin mit einem finanziellen Zusammenbruch rechnen und daher ihr Griechenland-Engagement lieber gleich aufgegeben haben. Erst kürzlich eingestiegene investoren könnten bei der Aktion dagegen nach Einschätzung von Beobachtern durchaus auch Gewinne erzielt haben.

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Vollkommen reibungslos lief der Rückkauf nicht ab: Die Euro-Länder mussten nachbessern. Die Hilfssumme liegt etwas höher als die ursprünglich vorgesehenen knapp 44 Mrd. Euro. Grund dafür ist, dass Athen bei seinem Schuldenrückkauf den Investoren mehr Geld bieten musste und diese Lücke zu schließen ist. "Es ist gut gegangen im Wesentlichen, auch wenn wir kleine Abweichungen von den erwarteten Zahlen haben", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Deshalb werden demnach 5,4 Mrd. Euro zur Finanzierung des Schuldenrückkaufs vorgezogen. Dabei gehe es aber nicht um eine Aufstockung, sondern diese Differenz werde "in der Laufzeit des Programms von 2014 wieder abgezogen", so Schäuble. Zu der Summe der Euro-Länder kommen nach Angaben des griechischen Finanzministeriums noch etwa 3,5 Mrd. des IWF.

16 Milliarden für Banken

In den kommenden Tagen wird ein erster Betrag von 34,3 Mrd. Euro an Athen überwiesen. Davon sind nach Worten von Rettungsfonds-Chefs Klaus Regling 16 Mrd. für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen, 7 Mrd. Euro für Lücken im Haushalt und 11,3 Mrd. Euro für den Rückkauf der Staatsanleihen - statt 10,2 Mrd. Euro ursprünglich. Weitere 14,8 Mrd. Euro sollen bis Ende März 2013 fließen.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Die heutige Entscheidung macht den Weg frei, damit das Vertrauen der Märkte zurückkehrt." Die Minister pochten darauf, dass Athen die vereinbarten Auflagen einhalten muss. "Darunter ist die Implementierung der Steuerverwaltung der Wichtigste", sagte Schäuble.

Die Auszahlung hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt verzögert. Die Finanzminister hatten Ende November eine neue Vereinbarung getroffen, zu der auch der Schuldenrückkauf zählte. Diese sieht auch Zinssenkungen und einen Zinsaufschub für die Hilfen aus den beiden Rettungspaketen vor. Zudem sollen die europäischen Notenbanken Kursgewinne, die sie mit dem Ankauf griechischer Staatsanleihen gemacht haben, wieder an Griechenland ausschütten.

In einer Erklärung teilte die Eurogruppe mit, die Maßnahmen würden die Staatsschuld Griechenlands wieder auf ein nachhaltiges Niveau bringen. Der Schuldenstand solle 2020 auf 124 Prozent der Wirtschaftskraft sinken. Dieses Niveau wurde als akzeptabler Wert definiert, bei dem ein Staat seine Schulden bedienen kann, ohne sein Wachstum zu gefährden. Ursprünglich hatte die Gemeinschaft der Griechenland-Retter die Zielmarke bei 120 Prozent festgelegt.

Zypern muss weiter bangen

Der kleine Inselsstaat Zypern muss dagegen weiter auf seine Rettung durch die Europartner warten. Eine Entscheidung werde erst im Januar getroffen. Zypern steht wegen seiner eng mit Griechenland verflochtenen Banken vor der Staatspleite und hatte im Sommer Euro-Hilfen beantragt.

Der Devisenmarkt reagierte erleichtert auf die Brüsseler Beschlüsse: Der Euro drehte nach anfänglichen Kursverlusten ins Plus und stieg am späten Nachmittag bis knapp unter die Marke von 1,31 US-Dollar. "Das Umfeld für den Euro hat sich weiter aufgehellt und die Märkte erwarten eine weitere Entspannung in der Schuldenkrise", sagte Experte Stephan Rieke von der BHF-Bank. An den Anleihemärkten setzten die Risikoaufschläge für zehnjährige griechische Papiere ihren Sinkflug fort. Die bei defensiven Anlegern gefragten Bundesanleihen gerieten auf die Verkaufslisten.

Quelle: n-tv.de

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