Wirtschaft
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Deutschland tanzt aus der Reihe: Europas Automarkt schleicht aus der Krise

Wirtschaftlich ist Deutschland die Konjunkturlok in Europa - der deutsche Pkw-Markt ist indes ein kleiner Bremsklotz. Doch die Erholung der Gesamtabsatzzahlen hält an. Allerdings ist das Vorkrisenniveau noch weit entfernt.

Der Aufwärtstrend an den europäischen Automärkten hat sich im April fortgesetzt. Beim Blick auf die Details zeigen sich jedoch weiterhin Schwächen. Mit einem Anstieg um 4,2 Prozent legten die Zulassungen im April zwar den achten Monat in Folge zu. Mit 1,13 Millionen Fahrzeugen verharrten die Zulassungszahlen aber weiterhin auf einem historisch eher niedrigen Niveau, wie der Branchenverband ACEA mitteilte.

Ausgerechnet Deutschland war zudem der einzige der großen Autoabsatzmärkte, der im April schrumpfte. Während sich der hiesige Markt in den vergangenen Zeiten der Krise vergleichsweise stabil gezeigt hatte, gingen die Zulassungen nun um 3,6 Prozent zurück. In Frankreich legten die Zahlen im April dagegen um fast sechs Prozent zu, in Großbritannien um mehr als acht Prozent und in Spanien sogar um fast 29 Prozent. Hier holten die Kunden nach der Zurückhaltung während der Finanzkrise ihre aufgeschobenen Autokäufe nach. Zudem schoben staatliche Förderprogramme und die Anschaffung von Mietwagen vor der Urlaubssaison das Geschäft an.

Allerdings war der April schon nicht mehr so stark wie die drei Monate zuvor, als die Zulassungen in der Europäischen Union sowie Norwegen, der Schweiz und Island im Schnitt fast doppelt so schnell gestiegen waren.

VW weit vorn

Auch beim Blick auf die einzelnen Hersteller kehrten sich die Verhältnisse im Vergleich zu den Krisenzeiten teilweise um. Während etwa die Premiumhersteller BMW und Daimler nur leichte Zuwächse schafften, holten die noch vergangenes Jahr in der Krise steckenden Autobauer Frankreichs wieder auf. Peugeot Citroen schaffte ein Plus von über 5 Prozent und Renault sogar von fast 16 Prozent.

Unangefochtener Marktführer blieb mit einem Marktanteil von 26,5 Prozent der Volkswagen-Konzern. Während die Kernmarke VW etwas schwächelte, legten die Zulassungen insgesamt vor allem dank der Konzerntochter Skoda um 4,1 Prozent zu.

Opel konnte den Absatz um acht Prozent steigern. Gleichzeitig aber brachen die Verkaufszahlen der Konzernschwester Chevrolet jedoch um drei Viertel ein, nachdem diese ihren Rückzug aus Europa angekündigt hatte. Dieses Minus fraß die Zuwächse von Opel mehr als auf.

Experte: Markt weiter in der Krise

Seit Jahresbeginn übergaben die Hersteller damit in der EU sowie in Norwegen, Island und der Schweiz 4,3 Millionen Autos an die Kunden. Das waren gut sieben Prozent mehr als in den ersten vier Monaten 2013. Damals hatten die Zahlen einen historischen Tiefstand erreicht. Zwischen Januar und Ende April stieg der Absatz in Deutschland um 2,9 Prozent. In Frankreich belief sich das Plus auf 3,7 Prozent. In Spanien standen knapp 19 Prozent mehr zu Buche. In Großbritannien waren es 12,5 Prozent mehr.

Für das Gesamtjahr prognostiziert Peter Fuß von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young nun ein leichtes Plus. auf 12,45 Millionen Pkw in der EU. Der Markt bleibe volatil und Rückschläge seien nicht ausgeschlossen. Zudem müsse das niedrige Ausgangsniveau berücksichtigt werden. So liegen die Verkaufszahlen noch 20 Prozent unter dem Niveau von 2008. Damals waren EU-weit 5,4 Millionen neue Pkw zugelassen worden. "Der europäische Automarkt befindet sich immer noch in einer Krise", sagte Fuß.

Zu schaffen mache den Herstellern zudem neben den Überkapazitäten auch der massive Preisdruck - vor allem in Deutschland und Frankreich. Das Absatzwachstum sei teuer erkauft, sagte Fuß weiter. Angesichts des leichten Aufwärtstrend in Europa müssten die Rabatte nun zurückgefahren werden.

China treibt VW-Absatz an

Außerhalb Europas hielten die weltgrößten Märkte China und USA die Branche auf Wachstumskurs. In den Vereinigten Staaten stiegen die Verkaufszahlen im April um acht Prozent, im Reich der Mitte legten sie zweistellig zu. Dagegen schrumpften andere Märkte wie Russland und Brasilien laut Zahlen des deutschen Branchenverbands VDA.

Europas größter Hersteller Volkswagen hat nach eigenen Angaben im April ohne die beiden Lkw-Töchter MAN und Scania weltweit 848.500 Fahrzeuge ausgeliefert, 8,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. In den ersten vier Monaten seien es mit 3,25 Millionen Fahrzeugen 6,4 Prozent mehr gewesen.

Einmal mehr war China der Wachstumstreiber. Dort kletterten die Verkaufszahlen um 17 Prozent. Abwärts ging es dagegen in  mehr Autos zu den Kunden rollten. In Westeuropa (ohne Deutschland) steigerte sich Volkswagen um 8,7 Prozent, in Deutschland alleine legte der Absatz um sechs Prozent zu.

Quelle: n-tv.de

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