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US-Klage wegen Abgaswerten: Experten: Daimler "im Auge behalten"

Es klingt wie einst bei VW: Abgas-Grenzwerte von Daimler-Dieselmodellen übertreffen die US-Grenzwerte um das Zig-fache. Ein Autofahrer klagt. Die Daimler-Aktie gerät unter Druck. Alles halb so wild, sagen Analysten und Branchenkenner.

Daimler-Anleger sehen sich zum Wochenschluss mit einer US-Klage wegen angeblich überhöhter Abgaswerte konfrontiert, die den Aktienkurs des Autobauers belastet. Die Titel gaben in der Spitze mehr als 4 Prozent ab und waren zeitweise sogar Topverlierer im Dax. An Mittag lag das Minus noch bei rund 2 Prozent. Daimler streitet die Vorwürfe entschieden ab. Branchenkenner, Analysten und Börsianer mahnten zur Besonnenheit.

Der Besitzer eines Mercedes-Modells mit Blue-Tec-Dieselmotor wirft dem Stuttgarter Autobauer vor, der Ausstoß von giftigem Stickoxid (NOX) überschreite bei Temperaturen unter zehn Grad die Grenzwerte in den USA um bis das 65-fache. Klägeranwälte argumentieren, die Abgaskontrolle bei kühler Witterung werde unzulässigerweise abgeschaltet. Die Anwälte werfen dem Autobauer den Einsatz unrechtmäßiger Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen vor.

Daimler: "Klage unbegründet"

Die Klage, die sich zu einer Sammelklage ausweiten könnte, wurde am Donnerstag im Namen von Autobesitzern in den USA eingereicht. Wie viele Mercedes-Fahrzeuge möglicherweise betroffen sind, geht daraus nicht hervor.

Ein Sprecher von Mercedes-Benz sagte, die Klage sei unbegründet. Das Unternehmen werde sich entschieden zur Wehr setzen. Der Sprecher ergänzte, dass bei dem Unternehmen keine Vorrichtung zum Einsatz komme, mit der die Abgase unzulässig beeinflusst würden.

Sache "im Auge behalten"

"Ich glaube, Daimler hat solche Tricksereien nicht nötig, die beherrschen ihr Handwerk", sagte n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker. "Dass unter bestimmten Temperaturzuständen beim Kaltstart - auch beim sogenannten Kavalierstart - erhöhte NOX-Werte eintreten, ist kein Geheimnis." Beckers Idee: ein Hybridantrieb - "also elektrisch anfahren und dann bei warmem Motor mit Benzin oder Diesel weiter fahren".

Auch Analysten sehen die Klage bisher eher gelassen. Hierbei gehe es nicht um Betrug, sondern um unter bestimmten Spezialumständen erhöhte Abgaswerte, hieß es bei beispielsweise M.M. Warburg. "Es geht um die Klage einer einzelnen Personen und das, was über die Details der Vorwürfe bekannt ist, sieht extrem zusammengeschustert aus", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Der Verdacht liege nahe, dass sich nur jemand im Fahrwasser des nach VW angekratzten Sentiments bereichern wolle.

"Allerdings darf man das unkalkulierbare Prozessrisiko in den USA nie vernachlässigen, auch bei so etwas nicht", sagte ein anderer Marktteilnehmer. Durch eine Ausweitung auf Sammelklagen könne schnell eine negative öffentliche Meinungsbildung entstehen, die indirekt belaste, so zum Beispiel beim Absatz. Daher müsse man die Entwicklung in dieser Sache "im Auge behalten".

Die Klage gegen Mercedes-Benz erreicht den Markt inmitten der laufenden Abgasaffäre bei Volkswagen. Die Wolfsburger hatten nach US-Ermittlungen im September vergangenen Jahres eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß bewirkt als bei Fahrten auf der Straße. In den USA sind fast 600.000 Fahrzeuge betroffen. Anfang Januar reichte das US-Justizministerium im Auftrag der US-Umweltbehörde EPA Klage gegen den Konzern ein.

Quelle: n-tv.de

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