Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

"Neue Meldestelle für Kraftstoffe reduziert Wettbewerb": Experten sagen höhere Spritpreise voraus

Die neue Meldestelle für Benzinpreise, die in Kürze an den Start geht, entzweit Experten. Nicht alle sind überzeugt, dass die Verbraucher mit niedrigeren Preisen profitieren werden. Einer Studie zufolge werden die Tankstellen die neue Transparenz eher zu ihrem Vorteil nutzen.

Die neue Marttransparenzstelle für Kraftstoffe könnte für Verbraucher ein Schuss nach hinten werden: Mehr Transparenz, intensiverer Wettbewerb und niedrigere Preise - diese Hoffnungen verbinden Autofahrer mit der neuen Meldestelle, die demnächst ihre Arbeit aufnimmt. In wenigen Wochen sollen die Verbraucher über Smartphones und Navigationsgeräte die aktuellen Benzinpreise der deutschen Tankstellen abrufen können.

Da keine vergleichbaren Erfahrungen vorliegen, sind die Experten sich jedoch über die Auswirkungen der erhöhten Markttransparenz immer noch uneins. Denkbar wäre, dass sich der Wettbewerb nochmals verschärft und die Preise noch stärker schwanken als bisher. Das Auf und Ab der Preise, das sich seit Jahren immer mehr beschleunigt hat, könnte auch einem stabileren Preisgefüge auf etwas höherem Niveau Platz machen. Denn nicht nur die Autofahrer, auch die Anbieter verfügen durch die Meldepflicht über vollständige Markttransparenz.

Der Unternehmer und Wissenschaftler Holger Haedrich ist nach einer Studie, die in Zusammenarbeit mit der Schweizer Universität St. Gallen entstanden ist, überzeugt, dass die neue Markttransparenzstelle floppen wird. Die totale Transparenz wird seiner Ansicht nach den Wettbewerb eher reduzieren - und so zu höheren Preisen führen.

Nützlich sei die Zusammenführung der Daten nur für Urlaubsreisende, die sich auf fremdem Gebiet aufhalten. "Und für Sparfüchse, sehr preissensible Autofahrer, die gern den günstigsten Preis in ihrer Umgebung finden", sagt Haedrich. Für die spiele der lokale Preis eine überragende Rolle. Die Studie habe er geben, dass der Preis und damit die Markttransparenzstelle nur bei zehn Prozent aller Tankvorgänge in Deutschland ausschlaggebend sei. Die meisten Autofahrer würden deshalb nicht profitieren und müssten eher höhere Preise an der Zapfsäule bezahlen.

Transparenz ist für alle da

Als Grund hierfür verweist der Experte darauf, dass der Markt nicht nur für die Autofahrer transparent werde, sondern auch für die Anbieter, die Mineralölgesellschaften und die Tankstellenbetreiber. "Sie werden die Preise lokal optimieren und an ihre Kundengruppen anpassen, um ihre Margen maximal auszuschöpfen", so Haedrich. Jedes Unternehmen definiere lokal den optimalen Preisabstand zu seiner Konkurrenz - und fertig. Wenn alle damit gut leben könnten, werde keiner mehr ausscheren und versuchen, Kunden über besondere Preisaktionen zu gewinnen.

"Wenn ein Markt für ein austauschbares Produkt von wenigen Anbietern beherrscht wird, dann führt zusätzliche Transparenz zu einer Stärkung des Oligopols", so Haedrich weiter. Das habe das Bundeskartellamt bereits bei Milch erfahren. Am Ende greife jede Maßnahme zur Preisregulierung, die am Ende der Verwertungskette ansetze, zu kurz. Aus Sicht des Wissenschaftelrs lohnt der große Aufwand, die Daten von mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland zusammenzuführen, deshalb nicht.

Quelle: n-tv.de

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