Wirtschaft
Im südspanischen Cancelada geht ein Mann an unfertigen Häusern vorbei.
Im südspanischen Cancelada geht ein Mann an unfertigen Häusern vorbei.(Foto: REUTERS)

Spanien in der Krise: Faule Kredite erreichen Rekordniveau

Die Wirtschaft schrumpft nur noch langsam, die Arbeitslosigkeit geht etwas zurück: Es deutet manches darauf hin, dass Spanien in der Schuldenkrise das Schlimmste überstanden hat. Doch die Schwierigkeiten sind weiterhin groß, wie ein Blick in die Bankenbilanzen zeigt.

Die spanische Bankenbranche hat im Kampf gegen die Schuldenkrise einen Rückschlag erlitten. Die faulen Kredite in den Büchern der Institute stiegen im Juni auf ein Rekordhoch. Sie machten 11,6 Prozent der gesamten Kreditsumme aus, teilte die Notenbank mit. Dieser Wert ist in dem Euro-Krisenland der höchste seit Beginn der Erhebungen.

Nach Angaben der Zentralbank wiesen die spanischen Geldhäuser im Juni ein Kreditvolumen von 1,52 Billionen Euro auf. Davon galten Darlehen über 176 Milliarden Euro als "faul". Zu dieser Kategorie zählt die Zentralbank alle Kredite, die drei Monate lang nicht bedient wurden

Mehr private Haushalte und kleine Firmen - besonders aus dem Immobiliensektor - haben demnach Schwierigkeiten, ihre Darlehen zu bedienen. Im Mai hatte der Anteil noch bei 11,2 Prozent gelegen. Als "faul" werden Kredite bewertet, deren Rückzahlung infrage steht und die von den Banken voraussichtlich abgeschrieben werden müssen.

Hoffen auf ein Ende der Rezession

Mit der Gründung einer so genannten Bad Bank will die Regierung den Banken helfen, faule Immobilienkredite aus der Bilanz zu bekommen. Die Finanzinstitute hatten im vergangenen Winter die Gelegenheit genutzt und Kredite an die staatliche Abwicklungsgesellschaft Sareb abgetreten. Dies führte bei den Banken vorübergehend zu einem leichten Rückgang der Kreditausfälle.

Das Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 hat Spanien in die Rezession gedrückt - und Banken und Kreditnehmer in Schwierigkeiten gebracht. Zuletzt mehrten sich allerdings die Hoffnungsschimmer: Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr nach langer Rezession nur noch um 0,1 Prozent geschrumpft war und auch die hohe Arbeitslosigkeit etwas zurückging. Einige Banken lassen die Krise bereits allmählich hinter sich: Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de

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