Wirtschaft
Vier geplatzte Eröffnungen: Mit dem Flughafen-Debakel blamiert Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit die Stadt in der Weltpresse.
Vier geplatzte Eröffnungen: Mit dem Flughafen-Debakel blamiert Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit die Stadt in der Weltpresse.(Foto: picture alliance / dpa)

"So viel zu den fleißigen Deutschen": Welt lacht über Flughafen-Debakel

Von Hannes Vogel

Mit einem Rücktritt, der keiner ist, will Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit sein Versagen im Airport-Desaster aus der Welt schaffen. Doch die lacht sich längst schlapp über den "Schiffbruch vor den Toren Berlins": Von China bis zur US-Klatschpresse leidet Deutschlands Ansehen durch "Wowis Fluchhafen".

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Was im Roten Rathaus am Fuße des Berliner Fernsehturms passiert, interessiert in der Regel die Berliner Presse, manchmal vielleicht die überregionalen deutschen Zeitungen. Selten berichten internationale Medien über Ereignisse in der Hauptstadt, wenn es nicht gerade um den 20. Jahrestag des Mauerfalls geht.

Doch beim Pannen-Airport BER ist das anders: Zum vierten Mal ist die Eröffnung geplatzt, der Hauptstadtflughafen soll frühestens 2014 an den Start gegen. Berlins Regierender Bürgermeister tritt seinen Posten als Oberaufseher der Flughafen-Gesellschaft an seinen Brandenburger Kollegen Platzeck ab: Dank des beispiellosen Versagens der Spitzenpolitiker im Airport-Desaster schafft es diese Provinzposse sogar bis in die US-Klatschpresse und nach China. "Das Projekt ist zu einer Art nationalem Witz geworden in einem Land, das sich mit Effizienz und Pünktlichkeit rühmt", schreibt die New York Post. "Berlins Flughafen-Eröffnung wieder verschoben" berichtet selbst die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

"Über diese Farce lachen die Deutschen nicht mehr"

Schlimmer noch: Das Flughafen-Desaster ist selbst in vielen internationalen Leitmedien Thema. Die Korrespondenten sparen dabei nicht mit Spott: "Die schier endlose Serie von Verzögerungen und Debakeln, in denen sich der neue Berliner Flughafen verheddert hat, hat am Montag ihr erstes politisches Opfer gefordert", resümiert die New York Times. "Deutschlands Hauptstadt hat ihr Image als chaotischste und un-germanischste Stadt im Land weiter aufpoliert", witzelt die britische Financial Times. Und auch das Wall Street Journal gibt zu bedenken, dass "einige sagen, die Verwirrung um das Prestigeprojekt der Stadt habe Deutschlands Ruf für Effizienz geschadet und Berlin zur Lachnummer gemacht".

Auch im europäischen Ausland sorgt das Airport-Debakel für Kopfschütteln: "Vor den Toren Berlins spielt sich ein echter Schiffbruch ab", konstatiert die französische Tageszeitung Libération. "Über diese Farce lachen die Deutschen nicht mehr", spottet auch Le Figaro: Sie lasse "ganz Deutschland vor Scham erschauern". Auch die altehrwürdige Times in London ist sich sicher, dass "das Prestigeprojekt der Stadt zur Farce geworden ist, das seinen langgedienten Bürgermeister den Kopf kosten könnte".

"Berlins Flughafen-Fiasko"

Unter der Überschrift "Die ewige Baustelle: So viel dazu, dass die fleißigen Deutschen alles pünktlich hinkriegen" spottet sogar das renommierte britische Wochenmagazin Economist in seiner aktuellen Ausgabe über "Berlins Flughafen-Fiasko". Schon im September, als die Eröffnung des Flughafens zum vierten Mal von März auf Oktober verschoben werden musste, berichtete Frankreichs größte Boulevardzeitung Le Parisien, dass der Flughafen Willy Brandt für die deutsche Presse längst zu "Wowis Fluchhafen" geworden sei.

Ein wenig Trost bei all der internationalen Häme spendet Wowereit eine deutsche Regionalzeitung. "Politiker sind schlechte Baumanager und Kontrolleure - vielleicht ist das aber auch nicht ihre Aufgabe. Sondern Projekte nach vorne zu bringen, die bei rein kaufmännischer Betrachtung keine Chance hätten", resümiert der Bonner General-Anzeiger. "Der Eurotunnel wäre wohl nie realisiert worden. Die Oper in Sydney kostete am Ende 15 Mal so viel wie geplant, das Münchner Olympia-Dach das 17-Fache. Schon Ludwig II. ruinierte mit Neuschwanstein die bayerischen Staatsfinanzen. Wer wollte diese Bauten heute missen?"

Quelle: n-tv.de

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