Wirtschaft
Karosserieteile im Werk Craiova, rund 230 Kilometer westlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest.
Karosserieteile im Werk Craiova, rund 230 Kilometer westlich der rumänischen Hauptstadt Bukarest.(Foto: REUTERS)

US-Kunden retten das Quartal: Ford stemmt sich gegen die Krise

Die Stärke im Heimatmarkt bewahrt den US-Automobilkonzern Ford vor dem befürchteten Gewinneinbruch: Für den Zeitraum von Juli bis September kann der Autobauer seinen Aktionären solide Gewinnzahlen vorlegen. Die Absatzkrise in Europa berührt Ford offenbar nur am Rande.

Sein Arbeitsplatz ist derzeit nicht gefährdet: Alan Mulally legt starke Zahlen vor (Archivbild).
Sein Arbeitsplatz ist derzeit nicht gefährdet: Alan Mulally legt starke Zahlen vor (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Für Ford läuft es insgesamt besser als erwartet: Der US-Autobauer hat dank höherer Preise und gesunkener Kosten in Nordamerika im dritten Quartal mehr verdient und auch mehr umgesetzt als von Experten vorab geschätzt.

Der Nettogewinn lag in den drei Monaten bei 1,63 Mrd. Dollar oder 41 Cent pro Aktie, wie das Unternehmen mitteilte. Der Betriebsgewinn belief sich auf 2,2 Mrd. Dollar oder 40 Cent je Aktie. Analysten hatten hier mit 30 Cent gerechnet. Der Umsatz lag bei 32,1 Mrd. Dollar. Die Erwartungen der im Vorfeld befragten Beobachter lagen im Schnitt bei 30,94 Mrd. Dollar und damit deutlich darunter.

Insbesondere das brummende Geschäft im US-Markt und niedrigere Kosten bewahrten Ford vor einem Gewinnrückgang. So konnte der Konzern aus Dearborn unweit der US-Autostadt Detroit die Absatzkrise in Europa im dritten Quartal für seine Eigner weitgehend vergessen machen - eine gute Nachricht für die Anteilseigner hinter Ford und den Vorstand um den Sanierer Alan Mulally.

In Europa setzte sich die Verlustserie dagegen fort: In den Märkten der Alten Welt verzeichnete der US-Konzern einen Verlust vor Steuern von 468 Mio. Dollar nach einem Verlust von 306 Mio. Dollar im Vorjahr. Gegenmaßnahmen sind bereits eingeleitet: Ford hat in den vergangenen Tagen angekündigt, drei Werke in Ford macht Belgien-Werk dicht und Arbeiter blockieren Lieferungen mit insgesamt 5700 Beschäftigten zu schließen. Auf diese Weise will der Konzern bis 2015 auch in Europa wieder profitabel werden.

Ein Sanierer unter Erfolgszwang

Bis dahin geht Ford von einer anhaltenden Durststrecke in den europäischen Märkten aus. Der Konzern rechnet sicherheitshalber mit Verlusten von mehr als 3 Mrd. Dollar in den beiden kommenden Jahren. Die Produktion soll durch die Werksschließungen um 350.000 Einheiten zurückgenommen werden, weil wegen der Schuldenkrise in Südeuropa kaum neue Autos verkauft werden. Das Management steht unter Druck: Für das Gesamtjahr hat der Vorstand bereits einen "soliden" Konzern-Vorsteuergewinn und einen positiven Barmittelzufluss angekündigt.

Mit den Werksschließungen setzt Konzernchef Mulally, der vor einigen Jahren bereits den US-Flugzeugbauer Boeing saniert hatte, die anderen Autobauer unter Zugzwang. Während Rivalen wie GM noch mit den Gewerkschaften bei Opel ringen oder geplante Einschnitte wie bei Peugeot am Votum der Regierung scheitern, schafft Ford Fakten.

Anders als GM und Chrysler

Der US-Konzern vermeidet damit allerdings auch monatelange Spekulationen, die dem Image schaden könnten. Dabei geht Ford nach dem gleichen Muster vor wie vor einigen Jahren in den USA. Damals hatten GM, Ford und Chrysler in ihrer Heimat massenweise Arbeiter entlassen und zig Werke geschlossen, um aus der Misere zu kommen, die sie sich durch eine verfehlte Modellpolitik und jahrelange Rabattschlachten selbst eingebrockt hatten. GM ist inzwischen dank staatlicher Hilfen wieder erstarkt und kämpft mit Toyota und Volkswagen um die Weltmarktspitze.

Auch Chrysler ist nach der mit staatlicher Unterstützung bewältigten Blitzinsolvenz zurück im Sattel und sorgt nun als Fiat-Tochter dafür, dass der italienische Autobauer den Geschäftseinbruch in Europa ausgleichen kann. Ford steht insgesamt jedoch mit einem besonderen Alleinstellungsmerkmal da: Lediglich Ford schaffte die Wende damals in den USA ohne staatliche Milliardenhilfe.

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Quelle: n-tv.de

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