Wirtschaft
Carl Icahn hat immer noch Biss.
Carl Icahn hat immer noch Biss.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Geld ist Macht: Icahn beißt sich bei Apple und Ebay fest

Von Diana Dittmer

US-Investor Carl Icahn wittert das große Geld. Deshalb holt sich der "wahre Wolf der Wall Street" nicht nur einen Nachschlag bei Ebay, sondern erhöht auch seinen Apple-Anteil. Das soll seinen "geldwerten" Ideen Nachdruck verleihen.

Auch mit 77 Jahren ist US-Investor Carl Icahn noch lange nicht bereit, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. "Auf langweiligen Dinnerpartys rumsitzen?" Nicht sein Fall, wie er von sich sagt. In einem Alter, wo andere auf ihr Lebenswerk zurückblicken, ist er machthungrig und angriffslustig wie eh und je. Auch bei Apple und Ebay, wo er zuletzt mit seinen Aktionärsforderungen nicht landen konnte, zeigt er wieder Biss. Statt zurückzustecken, legt er nach.

Icahn fackelt er nicht lange, wenn es um seine Interessen geht. Gerne geht er auch auf Konfrontationskurs: Erst diese Woche hatte er sich mit 0,8 Prozent bei Ebay eingekauft. Mit seinem Einstieg verbunden waren - wie nicht anders zu erwarten - handfeste Forderungen: Das Ebay-Management sollte den schnellwachsenden Bezahldienst Paypal ausgliedern und als eigenständiges Unternehmen weiterführen, so sein "Vorschlag". Nach der Abfuhr durch den Verwaltungsrat, legte der "Firmenjäger" und Großinvestor Insidern zufolge jetzt kurzerhand nach und stockte seinen Anteil am Onlinehändler auf annähernd zwei Prozent auf.

"Proxy-Fight" um das Juwel von Ebay

(Foto: AP)

Viele Aktionäre können sich mit dem Vorschlag des Neu-Investors durchaus anfreunden, denn ein solcher Schritt könnte lukrativ sein. Bei einem etwaigen Börsengang von PayPal dürfte er einen satten Gewinn in die Kassen von Ebay spülen. Der Wert des Bezahldienstes wird von Marktexperten mit immerhin 35 Milliarden US-Dollar beziffert, das entspricht gut zwei Drittel des Wertes der Deutschen Bank. Ebay hatte PayPal vor elf Jahren für gerade einmal 1,5 Milliarden US-Dollar gekauft. Inzwischen erwirtschaftet Paypal 40 Prozent des Ebay-Umsatzes und die Tochter wächst schneller als der Mutterkonzern.

Zwischen dem Neu-Anteilseigner und der Konzernführung droht eine längere Auseinandersetzung zu entbrennen. In einem Interview sagte Icahn, er rechne nicht damit, dass Ebay nicht auf seinen Vorschlag eingehen werde. "Ich hoffe nicht, dass es zu einem Proxy-Fight kommt, aber wenn wir müssen, dann werden wir das tun", drohte Icahn. Als Proxy-Fight wird ein Kampf um Aktionärsstimmen bezeichnet, bei dem versucht wird, über Stimmrechtsvollmachten oder das Anwerben von Aktionärsstimmen Kontrolle über ein Unternehmen zu erhalten. Auf diese Weise versucht der Investor, Ebay in Richtung Aufspaltung zu treiben. Icahn zufolge lohnt der Einsatz: "PayPal ist das Juwel."

Der erfahrene Investor verfolgt auch einen Plan, wie er seinen Plan doch noch voranzutreiben kann. Er nominierte zwei Vertraute seiner Investmentfirma, Jonathan Christodoro und Daniel Ninivaggi, für den in den Ebay-Verwaltungsrat.

Auch Apple ist einen Nachschlag wert

Icahn, der oft als der "wahre Wolf der Wall Street" bezeichnet wird, mischt zurzeit auch nicht nur die Ebay-Führung auf. Auch mit der Unternehmensführung von Apple liegt der unliebsame Investor im Clinch. In einem Schreiben an die Aktionäre wiederholte der milliardenschwere New Yorker jüngst seine Forderung nach zusätzlichen Aktienrückkäufen im Wert von 50 Milliarden Dollar. Das Unternehmen habe zu viel Geld auf der hohen Kante, so seine Kritik. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, erwarb er binnen eines Tages weitere Anteilsscheine im Wert von 500 Millionen Dollar, wie er in einem offenen Brief schrieb, den er auf Twitter veröffentlichte. Sein Gesamtengagement bei dem iPhone-Hersteller beläuft sich damit auf 3,6 Milliarden US-Dollar.

Icahn ist durchaus auch bekannt dafür, mit kleinen Positionen großen Druck auf Firmenchefs auszuüben. Auf den offenen Brief vom Vortag folgte diesmal allerdings keiner der üblichen Kurssprünge nach ähnlichen Äußerungen. Die Aktie lag gerade einmal 0,7 Prozent im Plus. Auch das Apple-Management hatte jüngst Icahns Forderung zurückgewiesen.

Zunehmend große Konzerne im Visier

Die großen Wall-Street-Tycoone haben ihr "Jagdverhalten" in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während sie früher überwiegend schwächere Unternehmen aufkauften, um sie dann in Einzelteilen zu verkaufen, geraten in den vergangenen Jahren zunehmend große Konzerne unter Druck.

Vor Apple und Ebay hatte Icahn auch versucht, Dell in die Knie zu zwingen - allerdings vergeblich. Hier wollte er die Übernahmen durch Gründer Michael Dell verhindern und gleichzeitig erreichen, dass den Aktionären mehr Geld für ihre Anteilsscheine gezahlt wird. Der Plan scheiterte, im Oktober gab er auf.

Icahn ist ein sogenannter Corporate Raider oder Firmenjäger. Sein Ziel ist es, ausreichend Anteile an einer Firma zu kaufen, um so Einfluss auf die Unternehmensführung zu bekommen. Neben Beteiligungen an großen Firmen wie Apple, Ebay und Dell hält er noch Anteile an Time Warner, Alcoa, Motorola und TWA. Das Wirtschaftsmagazin Forbes listete Icahn 2011 auf der Liste "The World's Billionaires" mit einem geschätzten Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar auf Platz 61.

Quelle: n-tv.de

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