Dienstag, 06. Juli 2010
Karstadt-Nachspiel vor Gericht: Görg verklagt Middelhoff
Der Insolvenzverwalter der Kaufhauskette Karstadt fährt schwere Geschütze gegen die frühere Arcandor-Spitze auf: Thomas Middelhoff soll zusammen mit weiteren Managern nichts gegen ungewöhnlich hohe Mieten unternommen haben. Jetzt geht es um Schadenersatz - in dreistelliger Millionenhöhe.
"Zur Wertschöpfung verpflichtet": Thomas Middelhoff in seiner Zeit als Arcandor-Chef.
(Foto: picture alliance / dpa)
Auf den ehemaligen Chef des insolventen Essener Handelskonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, und weitere frühere Führungskräfte rollt eine Klage auf Schadenersatz über rund 175 Mio. Euro zu. "Die Vorbereitungen für die Klage sind weitgehend abgeschlossen, der Gläubigerausschuss hat darüber bereits beraten", sagte der Sprecher von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg. Es geht um den Verkauf von fünf Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds der Privatbank Sal. Oppenheim und des Kölner Bauunternehmers Josef Esch, die die Warenhauskette danach zurückgemietet hatte.
Einem Vorabbericht der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (NRZ) zufolge will Görg die Millionenklage am Mittwoch beim Amtsgericht Essen einreichen. Die Kaufhaus-Immobilien seien weit unter ihrem Marktwert verkauft und zu überhöhten Preisen zurückgemietet worden. Betroffen von der Klage sind die 2004 und 2005 amtierenden Vorstände der später in Arcandor umbenannten KarstadtQuelle AG, sowie frühere Mitglieder des Aufsichtsrats. Middelhoff war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Dem Zeitungsbericht zufolge wirft Görg Middelhoff und dessen Kollegen vor, dass sie vom Nachteil der Verträge gewusst, aber den vorherigen Karstadt-Vorstand um Wolfgang Urban nicht dafür haftbar gemacht hätten. Urban hatte den Verkauf noch eingefädelt. Hohe Mieten für die Warenhäuser gelten als eine Ursache für die nachhaltigen Verluste von Karstadt.
rts
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