Wirtschaft

Kriege, Krisen, Inflation: Gold ist in - Hausse dauert an

Wer denkt, die Gold-Rally ist vorbei, irrt. Experten rechnen damit, dass das Edelmetall weiter gefragt bleibt - als sicherer Hafen in unsicheren Anlagezeiten - und neue Rekordpreise nur eine Frage der Zeit sind. Die teils bürgerkriegsähnlichen Zustände in Nordafrika und im Nahen Osten geben ihnen Recht.

Güldener Glanz in aller Augen: Gold wird teurer und teurer.
Güldener Glanz in aller Augen: Gold wird teurer und teurer.(Foto: picture-alliance / dpa)

Globale Krisenherde und die Angst vor einer stark anziehenden Teuerung treiben den Goldpreis immer näher an die psychologisch wichtige Marke von 1500 Dollar heran. Am Freitag kostete eine Feinunze (rund 31 Gramm) des gelben Edelmetalls bereits fast 1472 Dollar und damit so viel wie noch nie. Im Fahrwasser kämpft sich auch der Preis für den "kleinen Bruder" Silber immer weiter nach oben: Zum Wochenausklang wurden an den Londoner Rohstoffbörsen erstmals seit langem wieder über 40 Dollar für eine Feinunze gezahlt - so teuer war Silber zuletzt vor 31 Jahren.

Erst die "Spitze des Eisbergs"

Der Goldpreis lag kurz vor dem Jahreswechsel noch bei rund 1375 Dollar. Trotz der kräftigen Preissteigerungen gehen Experten nicht davon aus, dass die Edelmetall-Hausse bald enden wird. Zu stark ist die Verunsicherung der Anleger, wird argumentiert.

Die teils bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten tragen dazu bei, dass die Anleger sogenannte "sichere Häfen" ansteuern. Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Libyen gelten lediglich als Spitze des Eisbergs. "Nicht nur in Nordafrika, auch im Nahen Osten brodelt die Stimmung", sagt Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank. Unter den Investoren herrsche die Angst vor, dass auch diese Unruhen in schwere Konflikte umschlagen könnten.

Edelmetalle als Inflationsschutz

Zudem treibt Inflationsangst die Preise. Starke Preiserhöhungen bei der Energie, vor allem beim Öl, und weiteren Rohstoffen führen dazu, dass die Teuerung weltweit kräftig anzieht. In vielen wichtigen Industrieländern liegt die Inflationsrate mittlerweile deutlich höher als den Notenbanken lieb sein kann. Zwar gehen die meisten Experten davon aus, dass sich die Lage an den Energiemärkten und damit an der Preisfront auch wieder entspannen wird. "Die Inflationsangst ist aber trotzdem vorhanden und schürt die Nachfrage nach Gold und Silber", sagt Expertin Borbély.

Edelmetalle gelten traditionell als Inflationsschutz, also als Absicherung vor einer hohen Geldentwertung. Sie dienen aber auch als krisensichere Anlage. Die zuletzt wieder aufgeflammte Schuldenkrise im Euroraum lässt die Anleger zum Gold greifen. Mit Portugal flüchtet bereits das dritte Euro-Land in die rettenden Arme von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds. Ob damit ein Ende der Fahnenstange erreicht ist, gilt unter Experten als ungewiss.

Schwacher Dollar hilft

Experten zufolge trägt auch der schwache Dollar zum Preisanstieg bei den Edelmetallen bei. So ist der Euro am Freitag zur US-Währung mit über 1,44 Dollar auf den höchsten Stand seit Anfang 2010 gestiegen. Hauptgrund ist die Geldpolitik der Notenbanken: Während die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag ihren Leitzins erstmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise anhob, sieht es in den USA nicht nach schnellen Zinserhöhungen aus. Da Edelmetalle traditionell in Dollar gehandelt werden, stützt eine schwache US-Währung die Nachfrage nach Gold und Silber aus vielen Ländern.

Das "Gold des kleinen Mannes"

Die hohen Preiszuwächse bei Silber erklären Experten überwiegend mit zwei Faktoren: Zum einen legt Silber in aller Regel "im Fahrwasser" des Goldpreises zu, wie die Commerzbank erklärt. Ausschlaggebend ist, dass Silber wegen seines deutlich geringeren Wertes von Kleinanlegern stärker als Gold nachgefragt wird. Nicht umsonst wird Silber auch als "Gold des kleinen Mannes" bezeichnet. Darüber hinaus wird Silber bei der Produktion vieler hochwertiger Güter eingesetzt, speziell bei der Herstellung von Elektronikprodukten. Nicht nur die Commerzbank ist sich sicher: Die industrielle Silber-Nachfrage wird trotz der schweren Natur- und Atomkatastrophe in Japan hoch bleiben.

Dass der Preisboom am Edelmetallmarkt bald enden wird, hält unterdessen kaum ein Experte für wahrscheinlich. "Zumindest in den nächsten Wochen und Monaten rechnen wir mit weiteren Preissteigerungen", sagt Borbély. Sie hält es sogar für möglich, dass Gold in nicht allzu ferner Zukunft die Marke von 1600 Dollar reißen könnte. Dennoch: Sollte sich die Lage in den aktuellen Krisengebieten wieder beruhigen, dürften auch die Gold- und Silberpreise wieder fallen.

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Quelle: n-tv.de

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