Wirtschaft

"Wir haben Geld verloren"Goldman dreht den Spieß um

18.04.2010, 08:18 Uhr

Die US-Investmentbank Goldman Sachs lässt den Vorwurf des Betruges durch die Börsenaufsicht SEC nicht auf sich sitzen. Im Gegenteil: Mit dem Verweis auf eigene Verluste stellt sich das Institut nun selbst als Opfer dar. Die Bundesregierung erwägt unterdessen rechtliche Schritte gegen die US-Investmentbank.

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Vor der New Yorker Goldman-Zentrale lauert nun die Presse. (Foto: REUTERS)

Die unter Betrugsverdacht stehende US-Investmentbank Goldman Sachs geht zum Angriff über. Sie sieht sich selbst als Opfer des Finanzgeschäfts, bei dem sie ihre Kunden nach Ansicht der US-Börsenaufsicht SEC getäuscht und um mehr als eine Milliarde Dollar gebracht hat.

"Goldman Sachs hat bei der Transaktion Geld verloren", ließ das renommierte Wall-Street-Haus wissen. Den eingenommenen Gebühren von 15 Mio. US-Dollar hätten eigene Verluste von mehr als 90 Mio. Dollar gegenüber gestanden.

BaFIn schaltet sich ein

Nach der Betrugsklage der gegen Goldman Sachs erwägt die Bundesregierung rechtliche Schritte gegen die US-Investmentbank. "Die Finanzaufsicht BaFin wird ein Auskunftsersuchen an die SEC stellen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der Zeitung "Welt am Sonntag". Nach einer "sorgfältigen Bewertung der Unterlagen" werde Berlin rechtliche Schritte prüfen, sagte er weiter.

Die SEC wirft Goldman Sachs vor, ihre Anleger zum Kauf eines Finanzprodukts animiert zu haben, welches von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Nach Erkenntnissen der Börsenaufsicht wirkte ein großer Hedgefonds insgeheim am Aufbau des Portfolios aus US- Hypothekenpapieren mit und packte nur minderwertige Ware hinein. Anschließend habe der Hedgefonds mit sogenannten Kreditausfallversicherungen darauf gewettet, dass das Finanzvehikel scheiterte, was durch den Einbruch am US-Häusermarkt kurz darauf tatsächlich geschah. Der Hedgefonds Paulson & Co. soll so rund eine Milliarde Dollar verdient haben.

Allesamt erfahrene Marktteilnehmer

Goldman Sachs blieb dabei, dass die Anklage der SEC unbegründet sei. "Wir haben kein Portfolio geschaffen, das dafür bestimmt war, Geld zu verlieren." Die Anleger - darunter die deutsche Mittelstandsbank IKB - seien allesamt erfahrene Marktteilnehmer gewesen und hätten um die Risiken gewusst. Die Auswahl der Papiere im Portfolio habe die unabhängige Finanzfirma ACA getroffen, selbst der größte Investor. Auch Goldman Sachs habe auf steigende Kurse gesetzt und deshalb letztlich Verluste eingefahren.

In den Gesprächen über den Aufbau des Finanzprodukts, das räumte Goldman Sachs ein, habe aber auch der Hedgefonds Paulson teilgenommen. Die SEC sagt, Paulson habe die Szenerie bestimmt. Alleine die IKB hat laut Anklageschrift fast ihr gesamtes Investment von 150 Millionen Dollar verloren. Ab Mitte 2007 geriet die Bank in existenzielle Schwierigkeiten und musste vom deutschen Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden. Falls Goldman Sachs verurteilt werden sollte, droht eine Milliardenstrafe. Der Ruf leidet bereits jetzt.

Quelle: wne/dpa