Wirtschaft
Harsches Urteil der Ratingagenturen.
Harsches Urteil der Ratingagenturen.(Foto: AP)

Ratingagenturen senken Daumen: Griechenland verliert seine Kreditwürdigkeit

Die Ratingagenturen nehmen Griechenland ins Visier. Komme es nicht innerhalb der nächsten Tage zu einer Einigung mit den Euro-Partnern, könnte Griechenland sehr schnell knapp bei Kasse sein, heißt es. Das sieht man in Athen anders.

Nächster Nackenschlag für die neue griechische Regierung: Wegen ihres Konfrontationskurses mit den internationalen Geldgebern senken die Ratingagenturen den Daumen über Athen. Die Agentur Standard & Poor's (S&P) stufte die Bonitätsnote des Landes von "B" auf "B-", wie S&P in London mitteilte. Zudem droht S&P dem Land kurzfristig mit weiteren Herabstufungen der Kreditwürdigkeit ("CreditWatch Negative"). Die Note liegt damit noch tiefer im sogenannten Ramschbereich. Kein anderes Land der Eurozone wird von S&P so schlecht bewertet.

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Und auch der S&P-Konkurrent Moody's droht Griechenland mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Die derzeitige Bonitätsbewertung "Caa1" sei entsprechend unter Beobachtung gestellt worden, teilte Moody's mit. Die Agentur begründete den Schritt mit dem unsicheren Fortgang der Gespräche über die Bedingungen der Hilfsprogramme für das hoch verschuldete Land. Die Moody's-Bewertung ("Caa1") ist bereits eine Stufe schlechter als bei S&P.

Je kritischer die Ratingagenturen die Bonität eines Landes bewerten, umso schwerer und teurer wird es in der Regel, frisches Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Die neue Athener Regierung dringt auf eine Neuverhandlung der Spar- und Reformprogramme, mit denen die europäischen Partner und der Internationale Währungsfonds, IWF, Griechenland vor der Pleite gerettet haben. Die Partner bestehen dagegen auf Einhaltung der bisher getroffenen Vereinbarungen. Griechenland hat rund 320 Milliarden Euro Schulden. Wenn Ende dieses Monats das bestehende EU-Hilfsprogramm ausläuft, könnten sich die Kassen des Landes und seiner Banken schnell leeren, heißt es.

Athen hält mehrere Monate durch

Die griechische Regierung hat nach eigener Einschätzung allerdings genug Geld, um die Staatsausgaben für die Dauer mehrmonatiger Verhandlungen mit den Euro-Partnern zu sichern. Ein Liquiditätsproblem während der Gespräche werde es nicht geben, sagte Vize-Finanzminister Dimitris Mardas dem Sender Mega TV. "Das heißt nicht, dass es nicht danach zum Problem werden könnte."

Er gehe zwar nicht davon aus, dass die Verhandlungen bis Mai dauerten, sagte Mardas weiter. "Aber selbst in dem Fall würden wir das Geld auftreiben." Ein internationales Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende Februar aus. Eine Verlängerung müsste nach Angaben von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bis zu 16. Februar beantragt werden. Finanzminister Yanis Varoufakis hat erklärt, es werde keinen entsprechenden Antrag seines Landes geben.

Solidarität aus Zypern

Die zyprische Regierung will sich beim außerordentlichen Treffen der Eurogruppe am kommenden Mittwoch (11. Februar) und beim EU-Gipfel einen Tag später an die Seite Athens stellen. Dies kündigten der zyprische Finanzminister Charis Georgiades und Regierungssprecher Nikos Christodoulides im staatlichen zyprischen Rundfunk RIK an. Wie Christodoulides sagte, wird Präsident Nikos Anastasiades beim EU-Gipfel am Donnerstag den griechischen Standpunkt unterstützen, dass Europa eine Politik für mehr Wachstum brauche.

Georgiades bestätigte, dass er beim Treffen der Eurogruppe die griechische Position mittragen werde. Ähnlich wie Griechenland muss auch das hoch verschuldete Zypern seit 2013 mit Krediten der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF in Höhe von zehn Milliarden Euro über Wasser gehalten werden.

Quelle: n-tv.de

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