Wirtschaft
HSBC-Chef Stuart Gulliver will krumme Geschäfte bei seiner Bank ausmerzen, geht selbst aber nicht unbedingt mit gutem Beispiel voran.
HSBC-Chef Stuart Gulliver will krumme Geschäfte bei seiner Bank ausmerzen, geht selbst aber nicht unbedingt mit gutem Beispiel voran.(Foto: picture alliance / dpa)

Millionen auf Geheim-Konto : HSBC-Chef versteckte Geld in der Schweiz

Von Hannes Vogel

Fragwürdige Geschäfte mit Drogenschmugglern, Waffendealern und Diktatoren: HSBC-Chef Stuart Gulliver will seine Bank reformieren, ist selbst aber offenbar kein leuchtendes Vorbild: Er nutzt Steuertricks und bunkerte Millionen in der Schweiz.

"Wir haben absolut keinen Appetit auf Geschäfte mit Kunden, die Steuern hinterziehen oder unsere Regeln gegen Wirtschaftskriminalität verletzen. Deswegen möchten wir unsere ehrliche Entschuldigung anbieten." Vor kaum einer Woche entschuldigte sich HSBC-Chef Stuart Gulliver demütig in ganzseitigen Anzeigen in mehreren britischen Zeitungen für die krummen Geschäfte, die die größte britische Bank in der Schweiz gemacht hat. Gestohlene Daten eines Ex-HSBC-Mitarbeiters hatten gezeigt, wie die HSBC Superreichen aus aller Welt bei der Steuerhinterziehung half. Und keinerlei Skrupel hatte, für Diktatoren, Waffenschieber, Drogenschmuggler und allerlei andere Kriminelle die Konten zu führen.

Auch der britische "Guardian" hat diese "Swiss-Leaks"-Daten ausgewertet. Nun kommt heraus: Auch Gulliver selbst hat die fragwürdigen Dienste seiner Bank offenbar jahrelang genutzt. Er hat zwar öffentlich gelobt, die größte britische Bank zu reformieren, versteckte aber selbst Millionen auf einem Schweizer Geheimkonto. Und nutzt alle legalen Steuertricks aus.

Über eine Tarnfirma namens "Worcester Equities" in der Karibik-Steueroase Panama soll Gulliver bis 2007 laut "Guardian" 7,6 Millionen Dollar auf einem Konto bei der Schweizer HSBC-Tochter gebunkert haben. Ein anderes Konto bei der HSBC Schweiz für die Briefkastenfirma "Worcester Foundation" habe Gulliver vor 2007 geschlossen, berichtet die Zeitung.

Einwohner mit "Heim im Ausland"

Gulliver habe die Schweizer Konten bis 2003 für seine Bonuszahlungen genutzt, bevor er beruflich für HSBC von Hongkong nach London umgezogen sei, sagte ein HSBC-Sprecher dem "Guardian". Gullivers Anwälte erklärten der Zeitung, der HSBC-Chef habe die Zahlungen über die Schweiz laufen lassen, weil er seine Boni vor den Kollegen in Hongkong habe geheim halten wollen. Das Geld sei rechtmäßig in Hongkong versteuert worden. Warum Gulliver sein Geld zusätzlich noch in einer karibischen Briefkastenfirma bunkerte, wollten sie dagegen nicht beantworten.

Das Gesetz gebrochen hat Gulliver aber zu keiner Zeit. Der Bankchef nutzt einfach alle legalen Möglichkeiten aus, um sich gegenüber dem britischen Fiskus armzurechnen. Er schlüpfte durch eine umstrittene Hintertür, die für superreiche Ausländer und internationale Banker wie Gulliver ins britische Steuergesetz eingebaut wurde: der sogenannte "non-dom Status". Gulliver musste sein ausländisches Einkommen auf den Schweizer Konten nicht versteuern, weil er sich als "Nicht-Einwohner" (non-domicile) registrieren ließ – obwohl er in Großbritannien lebt. Zum Vergleich: In Deutschland ist jeder Einwohner, egal ob Deutscher oder Ausländer, mit seinem gesamten weltweiten Einkommen steuerpflichtig, sobald er seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Seit 2008 müssen non-doms in Großbritannien immerhin eine Pauschale von 30.000 Pfund jährlich zahlen, wenn sie länger als sieben Jahre dort leben.

Trotzdem zieht das Schlupfloch im britischen Steuerrecht weiterhin die Schickeria aus der ganzen Welt nach London: Russische Oligarchen wie Roman Abramowitsch oder der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal nutzen das Schlupfloch. Und eben auch Stuart Gulliver: Obwohl er Brite ist und seit 2003 in London für HSBC arbeitet, ist sein rechtlicher Wohnort Hongkong. Dort hat er seit den Achtziger Jahren gelebt und für HSBC gearbeitet.

Wie ein paar hundert andere Top-Banker bei HSBC profitiert Gulliver auch noch von einem weiteren Vorteil. Seit 2011 sitzt er auf dem Chefposten bei der HSBC in London. Angestellt ist er laut "Guardian" aber über die Asien-Tochter der Bank. Gulliver ließ sich formal von ihr nach London abordnen, statt einen Vertrag bei der britischen Muttergesellschaft zu unterschreiben. Warum er diese Konstruktion wählte, wollten Gullivers Anwälte der Zeitung nicht erklären. Die Asien-Tochter der HSBC hat ihren Sitz in Holland. Auf ausländische Einkünfte zahlen "Nicht-Einwohner" wie Gulliver wie gesagt keine Steuern.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen