Wirtschaft
Hat den Deal seines Lebens gemacht: Dr. Dre
Hat den Deal seines Lebens gemacht: Dr. Dre(Foto: REUTERS)

Milliarden für In-Ears: Hat Apple zu viel Geld?

Von Samira Lazarovic

Zahltag für Dr Dre: Der Rapper wird zum Milliardär. Und das mit einer Kopfhörerfirma. Was hat sich Apple nur beim "Beats-Deal" gedacht? Jede Menge. Hier die drei Gründe für den Milliardenkauf.

Apple sitzt auf jeder Menge Kohle. Auf 150 Milliarden Dollar, um genau zu sein. Doch beim Einkaufen war der Konzern aus Cupertino bislang äußerst sparsam. Der bisher größte Deal war die Übernahme von NeXT für gut 430 Millionen Dollar. Das war Ende 1996. Und jetzt rückt Apple gleich drei Milliarden für die Übernahme der kalifornischen Beats Electronics raus? Warum? Die bestimmt komplexe Kaufentscheidung lässt sich im Wesentlichen auf drei Punkte herunter brechen:

  1. iTunes kommt in die Jahre
  2. HP ärgert sich schwarz
  3. Die In-Ears von Apple sind lausig

Erstens: iTunes kommt in die Jahre

"Musik hat einen besonderen Platz in unseren Herzen hier bei Apple", betont Apple-Chef Tim Cook gerne. "Wir wissen, dass wir einen großen Beitrag zu etwas so Wichtigem für unsere Gesellschaft leisten können." Tatsächlich hat Apple mit iTunes und dem iPod die Musikindustrie revolutioniert. "Doch dieser Markt stirbt", meint Apple-Manager Eddy Cue. "Die Anzahl der Neuveröffentlichungen auf iTunes waren im vergangenen Jahr so niedrig wie noch nie. Gleichzeitig stagniert bei den iTunes-Verkäufen das Wachstum."

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Das Wachstum findet bereits woanders statt und zwar bei Abo-Diensten wie Spotify und Pandora. Kunden können dort für einen monatlichen Festbetrag Millionen Songs abrufen. Angesichts dieser Angebote erscheint die Idee, die eigene Festplatte mit Downloads vollzustopfen, so sinnvoll, wie die alten, verstaubten CD-Türme aus dem Keller zu holen. Deshalb startete Apple schon im vergangenen Jahr den werbebasierten Streaming-Dienst "iRadio", bisher jedoch mit überschaubaren Erfolg.

Die von Hip-Hop-Star Dr. Dre und dem Musik-Produzenten Jimmy Iovine gegründete Beats Electronics bringt nun einen eigenen Streamingdienst mit in die Ehe. Dieser reicht mit etwas über 110.000 Streaming-Kunden zwar noch lange nicht an Spotify mit seinen 10 Millionen zahlenden Kunden und 30 Millionen Gratis-Nutzern heran, aber macht seit seinem Start Anfang des Jahres auf die Branche und die Kunden einen vielbesprechenden Eindruck. Bei dem Deal gehe es nicht darum, was Apple und Beats heute machten, sondern darum, was sie in Zukunft zusammen erreichen könnten, betont Cook.

Zweitens: HP ärgert sich schwarz

Wenn man mit einer Übernahme nicht nur die eigene Produktpalette erweitern, sondern auch die Konkurrenz aus der Fassung bringen kann, ist das ein schönes Extra. Beim Beats-Deal trifft das nun auf einen der größten Konkurrenten Apples, Hewlett-Packard zu. Denn Beats Electronics gehört bislang zu den HP-Partnern. Ihre Musiktechnik ist aktuell in etwa 15 bis 20 Prozent der HP-Geräte eingebaut und der Vertrag zwischen den beiden Unternehmen läuft noch bis Ende 2015. Zudem plant HP derzeit eine Reihe neuer HP-PCs, die mit Beat-Audio- und Headsets ausgestattet werden sollen.

Der Apple-Deal bringt HP in die Zwickmühle: Bewirbt der Konzern nun die Beats-Elemente in den neuen Geräten, macht er damit auch ordentlich Werbung für Apples neuen Partner.

Drittens: Die In-Ears von Apple sind lausig

Apple könne froh sein, nun ordentliche Kopfhörer im Sortiment zu haben, tönte Musik-Produzent Iovine nach dem Deal. Die Ohrhörer von Apple sind seiner Meinung nach nichts wert: "Die produzieren sie nur, um zu sehen, ob die Geräte funktionieren." Auch Apple-Manager Cue gab an, sich auf die farbigen Kopfhörer mit dem auffälligen "b" zu freuen: "Das sind unglaubliche Premium-Kopfhörer."

Trotz des vergleichsweise hohen Preises von bis zu 300 Euro sind die Kopfhörer von Beats Electronics in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Doch aufgrund ihrer Basslastigkeit und ihres markanten Designs gelten sie eher als Mode-Erscheinung. Bei einem Kopfhörer-Test von "FindTheBest", einer Website, die Marken beurteilt, landeten kürzlich die Apple-InEars noch weit vor den Beats-Electronics-Produkten. "Der Test entlarvt die Aussagen der von Qualität besessenen Apple-Schmiede als pure Ironie", hieß es in einschlägigen Blogs.

Dennoch hat Tim Cook die Qualität gefunden, die er gesucht hat - und zwar in den Köpfen von Dr. Dre und Jimmy Iovine. "Diese Jungs sind wirklich einzigartig", sagte Cook der "New York Times". "Sie verstehen die Musik. Solche Menschen sind selten und nur schwer zu finden." Einen Hinweis, wo sie zu finden sind, erhielt Cook in einer der letzten Reden seines verstorbenen Vorgängers Steve Jobs: "Technologie ist nicht genug. Wir brauchen das Zusammenspiel mit Kreativität und Menschen wie meinem Freund Jimmy Iovine. Sie können den Technikern sagen, wie sie die Produkte so attraktiv für normale Menschen gestalten können, damit Apple fit für die nächsten 20 Jahre bleibt."

Quelle: n-tv.de

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