Technik
Steve Jobs war und ist das Gesicht von Apple - hier bei alten Fernsehaufnahmen.
Steve Jobs war und ist das Gesicht von Apple - hier bei alten Fernsehaufnahmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Zum Todestag von Steve Jobs: Das Leuchtfeuer brennt

Von Roland Peters

Prägend, menschlich, voller Visionen - "niemals war Kommunikation so nah an Schönheit", schreibt ein Anhänger von Apple nach Steve Jobs' Tod. Vor einem Jahr war die Technikwelt geschockt, der Konzernchef hatte über Jahre entschieden, wie die digitale Zukunft der Menschen aussehen wird. Nur die Kühnsten können erträumen, was noch kommt.

Wir haben kein Weltklasseprodukt ausgeliefert. Dieses Eingeständnis von Tim Cook sagt vieles über einen Apple-Chef. Über den aktuellen, aber auch über den vergangenen. Ja, die Karten-App ist weniger als Weltklasse, und das sind die Kunden nicht gewöhnt. Sogar eingefleischte Fans mussten zugeben: Pixelfest und falsche Adressen passen nicht zum Saubermann-Image des Konzerns.

Steve Jobs ist der Erfinder, auch dieses Bildes. Er hatte Apple wieder auf Kurs gegen die wachsende Konkurrenz gebracht. Auch wenn inzwischen neun von zehn Desktop-Computern weltweit Windows verwenden. Obwohl die Marktanteile des iOS im Gegensatz zu Googles Android schwinden. Auch wenn die markterschütternden Präsentationen, denen Technikfans entgegenfiebern, weniger Tragweite besitzen. Seit einem Jahr ist Steve Jobs nun tot. Vielen fehlt er.

Westlicher Alltag

317 Patente von Steve Jobs zeigte die Weltorganisation für geistiges Eigentum Wipo bis Ende April 2012 auf einer Ausstellung.
317 Patente von Steve Jobs zeigte die Weltorganisation für geistiges Eigentum Wipo bis Ende April 2012 auf einer Ausstellung.(Foto: REUTERS)

Die Website "Remembering Steve" zeigt noch immer ausgewählte Nachrichten betroffener Menschen an. Die Welle der Anteilnahme überraschte die Welt. Warum eigentlich? Einen "Visionär" nannten ihn viele, anderen ging die Huldigung des US-Amerikaners auf den Geist. Jobs war Unternehmer. Ein Unternehmer, der wegweisende Entscheidungen traf. "Er verheiratete Design und Technik", schreibt ein Anhänger.

Jobs prägte den Alltag der westlichen Welt. Das iPhone, das iPad, der iPod, im Ganzen eine digitale Kulturrevolution, von der auch sämtliche Konkurrenten zehren. Erst war es die Maus. Dann die überlappenden Fenster auf dem Bildschirm. Dann der Touchscreen. Apps. Vernetzung der Geräte untereinander. Tragbare Musiksammlungen. Intuitive Bedienung. Für den Nutzer statt vom Programmierer. "Nie war Kommunikation so nah an Schönheit", stellt ein weiterer Kommentator fest.

Und nun? Kein Weltklasseprodukt. Ein iPhone 5, das Stiftung Warentest zwar als eines der besten Smartphones aller Zeiten bewertet, aber keinen Knalleffekt hat. Darüber zu spekulieren, ob Jobs an Cooks Stelle die gleiche Entscheidung getroffen hätte, also eine nicht zuverlässige Karten-App zu integrieren, ist zwar nicht zielführend, sogar unfair; aber nötig. Der Vergleich weckt die Erinnerung, facht das Leuchtfeuer an.

Auch der Ex-Apple-Chef musste sich entschuldigen, wie Cook. Das war beim iPhone 4, Stichwort Antenna-Gate. Der Nimbus der Unfehlbarkeit war vorbei, die Menschlichkeit damit aber noch spürbarer. Apple ist nicht abgestürzt, seit Steve Jobs tot ist. Nie ist ein Unternehmen an der US-Börse höher bewertet worden.

Auf der Zeitleiste

Zwölf Monate nach seiner Ära bleibt die Frage, ob Innovationen vom Grade eines iPod oder iPhone nicht einmalig sind. Einmalig, weil die nächste Datenform nur in den kühnsten Technikerträumen ersonnen werden kann. Realität ist, dass der Übergang vom mechanischen, vom analogen zum digitalen Zeitalter an den Hauptschnittstellen nahezu abgeschlossen ist; in Industrie, Verkehr, Musik, Foto und Film. Was ist noch übrig?

Bilderserie

In einer prägenden Zeit war Jobs in einer prägenden Position. Er nutzte sie, orientiert an den Bedürfnissen der Menschen. Johannes Gutenberg, Thomas Alva Edison, Karl Ferdinand Braun, Steve Jobs – sieht so die Zeitleiste aus? Die Konkurrenz mag es bisweilen besser machen, aber der Ausgangspunkt ist und bleibt Apple. Und die Entscheidungen seines verstorbenen Kopfes.

Quelle: n-tv.de

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