Wirtschaft
Die portugiesische BES soll mit Milliardenhilfen gerettet werden.
Die portugiesische BES soll mit Milliardenhilfen gerettet werden.(Foto: REUTERS)

Millionengewinne durch Wetten: Hedgefonds jubeln über BES-Kollaps

Für einige Hedgefonds ist die Insolvenz der portugiesischen Banco Espírito Santo ein Glücksfall. Ihre Wetten gehen auf, der Kollaps spült Millionen ins Depot. Das Interesse an Wetten war gewaltig. Nur eine Beschränkung bremste die Fonds aus.

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Der Kollaps der portugiesischen Banco Espírito Santo dürfte einer Handvoll Hedgefonds zig Millionen Dollar an Gewinnen beschert haben. Einer der größten Fonds, der auf fallende Aktienkurse gesetzt hatte, ist Marshall Wace LLP. Laut Pflichtmitteilungen an die portugiesische Finanzaufsicht war der Fonds seine Wette bereits am 15. Mai eingegangen. Damals kosteten die BES-Aktien noch rund 99 Cent.

Bis zum 1. August, als die Aktien der Bank vom Handel ausgesetzt wurden, stürzte der Kurs auf 12 Cent ab. Der Londoner Hedgefonds hätte bei diesem Kurs mit seiner Position rund 27 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Marshall Wace verwaltet 18 Milliarden Dollar an Einlagen und wird von den beiden Gründern Paul Marshall und Ian Wace geführt. Mitte Juni stockte der Fonds seine Short-Position auf Aktien der BES weiter auf - von 0,51 Prozent des Aktienkapitals der Bank auf 0,85 Prozent. Anschließend führte er seinen Anteil Schritt für Schritt wieder zurück bis auf 0,51 Prozent am 30. Juli.

Einen Tag später wurde der Handel bis auf weiteres eingestellt. Die kalkulierten Gewinne des Hedgefonds basieren auf den Eröffnungskursen der Aktie an den Tagen, an denen der Fonds diese handelte. Kosten für den Handel und die Leihe der Aktien wurden nicht berücksichtigt. Zu welchen Kursen Marshall Wace exakt eingestiegen ist, ließ sich ebenso wenig feststellen wie, ob sämtliche Anteile verkauft wurden. Mashall Wace wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Staat springt mit Milliarden in die Bresche

Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Anleger Aktien und verkauft diese anschließend in der Erwartung, dass der Kurs fallen wird. Geht die Wette auf, kann er die Aktien später zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen, den Kredit zurückbezahlen und die Differenz als Gewinn einstreichen.

Die portugiesische Zentralbank hatte am Sonntag einen Rettungsplan für die Banco Espírito Santo vorgestellt. Zentraler Bestandteil ist eine Aufspaltung des Instituts in eine Bad Bank, die abgewickelt werden soll, und einen gesunden Restteil. Außerdem soll der portugiesische Staat mit Milliardenhilfen einspringen, um die Bank mit genügend Kapital auszustatten.

Geringe Verfügbarkeit bremste Fonds

Ein weiterer Hedgefonds, der von dem Niedergang profitiert haben dürfte, ist TT International. Bereits im Juli 2013 hatte der Fonds eine Short-Position auf die Aktie eröffnet und diese im Juni ausgebaut, wie Mitteilungen an die Aufsicht zeigen. Daraus errechnet sich ein möglicher Gewinn von 15 Millionen Euro. TT wollte das nicht kommentieren.

In letzter Minute war dagegen Altai International Management, ein Fonds mit Sitz auf Bermuda, auf den Handel aufgesprungen. Einen Tag, nachdem der Regulierer in Portugal das Verbot für Leerverkäufe im vergangenen Monat aufgehoben hatte, ging Altai seine Wette gegen BES ein. Auf Basis des Kurses vom vergangenen Freitag hätte diese einen Ertrag von 11 Millionen Euro abgeworfen.

Das Interesse von Hedgefonds an Wetten auf fallende Espírito-Santo-Kurse war gewaltig, die Fonds dürften aber durch die geringe Zahl für Leerverkäufe verfügbarer Aktien gebremst worden sein. Laut Zahlen von Markit waren am vergangenen Montag 60,1 Prozent aller Aktien, die für eine Leihe zur Verfügung standen, tatsächlich verliehen. Drei Wochen zuvor hatte dieser Anteil lediglich bei 22,7 Prozent gelegen. Allerdings sind lediglich 7,3 Prozent aller Aktien der Bank überhaupt für eine Leihe erhältlich.

Wer hat verloren?

Unklar ist, welche Investoren auf der anderen Seite des Marktes standen und durch den Absturz von BES Verluste erlitten haben. Auf der Internetseite der Bank steht, dass Espírito Santo Financial Group, Crédit Agricole, Banco Bradesco und die Portugal Telecom Group gemeinsam etwa 41 Prozent der BES-Anteile halten.

Auf der Seite ist auch zu lesen, dass die Fondsfirma Silchester International Investors noch im Juli 4,7 Prozent der Aktien besaß, was sie zum drittgrößten Anteilseigner der Bank machte. Auf Platz vier folgte demnach Blackrock mit einem Aktienanteil von 4,65 Prozent am 8. Juli. Silchester und Blackrock wollten sich in der Angelegenheit nicht äußern.

Insgesamt halten Fondsgesellschaften wie Blackrock und Silchester 44,5 Prozent an der Bank, während Kleinanleger insgesamt auf einen Anteil von 9,8 Prozent kommen.

Quelle: n-tv.de

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