Wirtschaft
Sicher ist sicher: Viele Griechen holen ihr Geld von der Bank.
Sicher ist sicher: Viele Griechen holen ihr Geld von der Bank.(Foto: AP)

EZB hält Banken am Leben: Hellas-Banken geht das Geld aus

Von Jan Gänger

Die Zeit wird knapp. Bis zum Freitag muss Griechenland der Eurozone konkrete Vorschläge liefern. Währenddessen räumen Griechen ihre Konten leer. Viel Zeit bleibt Athen nicht mehr, den Konfrontationskurs zu verlassen.

Während sich die griechische Regierung mit dem Rest der Eurozone streitet, wird die Luft für die Banken des Landes immer dünner. Die Finanzinstitute des Landes werden alleine durch Notfallkredite der Europäischen Zentralbank am Leben gehalten - dauerhaft gutgehen kann das nicht. Denn die EZB kann die ELA-Kredite - kurz für Emergency Liquidity Assistance - nur dann gewähren, wenn die Banken solvent sind. Ist das nicht mehr der Fall, muss die EZB die Hilfe stoppen.

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Dann wären die griechischen Banken schnell am Ende. Viele Griechen leeren ihre griechischen Konten, weil sie einen Euro-Austritt des Landes befürchten. Damit hätten sie nicht mehr die Gemeinschaftswährung, sondern Drachmen auf ihrem Konto liegen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge haben sich die Abflüsse der Kundengelder auf zuletzt zwischen 300 und 500 Millionen Euro täglich summiert. An einigen Tagen sollen es sogar mehr als eine Milliarde Euro gewesen sein.

Nach Einschätzung von JPMorgan geht Griechenlands Banken in rund drei Monaten das Geld aus. Sollte die Bevölkerung weiterhin Einlagen von rund zwei Milliarden Euro pro Woche abziehen, dürften die Finanzinstitute in 14 Wochen keine Sicherheiten mehr für neue Kredite haben, geht aus einer Kalkulation der Wall-Street-Banker hervor. Sie gingen davon aus, dass den griechischen Geldhäusern höchstens 108 Milliarden Euro von der EZB und der griechischen Notenbank zur Verfügung gestellt wurden. Darin sind nicht nur ELA-Hilfen, sondern auch Kredite für die Hinterlegung griechischer Anleihen als Pfand enthalten. Von dieser Summe hätten die griechischen Banken bereits 80 Milliarden Euro aufgebraucht, so JPMorgan. Damit bleibe nur noch eine Restsumme von 28 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund sind die ELA-Hilfen für Griechenlands Banken überlebenswichtig. Auf 65 Milliarden Euro hat die EZB den Hilfsrahmen aufgestockt, nachdem sie griechische Anleihen mit "Ramsch"-Bonität nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Zuvor hatte für Griechenland eine Sonderregel gegolten.

Spätestens im Sommer ist Schluss

Am Mittwoch überprüft der EZB-Rat, ob die ELA-Kredite weiter fließen dürfen. Sie können mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gestoppt werden. Einige Vertreter im Zentralbankrat scheinen die Geduld mit der neuen Regierung in Athen zu verlieren. EZB-Direktor Peter Praet hatte unlängst bereits deutlich gemacht, dass ELA-Nothilfen nur für einen "sehr kurzfristigen Bedarf" gedacht sind. Bundesbank-Chef Jens Weidmann forderte, bei ELA strenge Maßstäbe anzulegen.

Damit wächst der Druck auf Griechenlands Regierung, sich mit der Eurozone zu einigen. Sie lehnt die Fortsetzung des laufenden Rettungsprogramms ab und will im Gegenzug zu Milliardenkrediten Spar- und Reformzusagen nicht einhalten. Die Eurozone will neue Kredite an konkrete Zusagen koppeln, doch das lehnt Ministerpräsident Alexis Tsipras ab. Das aktuelle Hilfsprogramm läuft Ende Februar aus. Gibt es keine Verlängerung, stünde Athen ab 1. März ohne Rettungskredite von Eurozone und Internationalem Währungsfonds da, die das Land finanziell über Wasser halten.

Wann der griechischen Regierung dann das Geld ausgeht, weiß wohl niemand. Einige Ökonomen und Analysten gehen davon aus, dass das Land bereits im März bankrott wäre. Andere rechnen damit erst für den Sommer.

Möglicherweise wird die EZB dafür sorgen, dass Eurozone und Griechenland in letzter Minute einen Kompromiss finden. Droht sie mit einem Ende der ELA-Hilfen, wird das den Druck auf beide Seiten kräftig erhöhen. Denn an einem Zusammenbruch der griechischen Banken kann niemand interessiert sein.

Quelle: n-tv.de

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