Wirtschaft

"Erpressbarkeit Europas geringer": Hüther: Euro-Austritt Athens verkraftbar

Die gescheiterte Präsidentenwahl beschert Griechenland eine neue politische Krise. Ökonomen reagieren gelassen: IW-Chef Hüther erwartet keine Gefahr für die Eurozone. Ein möglicher Premier Tsipras wäre in einer schlechten Verhandlungsposition.

Michael Hüther
Michael Hüther(Foto: picture alliance / dpa)

Der Ökonom Michael Hüther hält einen geordneten Austritt Griechenlands aus der Eurozone für ungefährlich. "Ich glaube, die Währungsunion könnte heute einen Austritt Griechenlands verkraften. Die Ansteckungseffekte auf andere Länder wären gering", sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) der "Welt".

"Eine griechische Regierung unter Tsipras wäre gegenüber der EU in einer schlechten Verhandlungsposition", ergänzte Hüther. "Die Erpressbarkeit Europas ist deutlich geringer als vor drei Jahren. Andere Länder wie Irland und Portugal haben sich aus der Krise gearbeitet, und es gab institutionelle Fortschritte wie die Banken-Union." Die griechische Bevölkerung werde sich bei dem Wahlgang "dreimal überlegen, ob sie einen anderen Weg einschlagen will", so der Ökonom. "Bei einem Euro-Austritt droht dem ganzen Land eine gewaltige Verarmung und der Austritt aus der EU."

IWF stoppt Hilfszahlungen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat derweil seine Notkredite für Griechenland bis zur Bildung einer neuen Regierung ausgesetzt. Die nächste Kredittranche könne erst ausgezahlt wenn, wenn nach der für Januar geplanten Neuwahl eine neue Regierung gebildet worden sei, teilte der IWF in Washington mit. Der Fonds reagierte damit auf die endgültig gescheiterte Wahl eines Staatschefs im griechischen Parlament, was die Auflösung der Volksvertretung und eine vorgezogene Parlamentswahl nach sich zieht.

Die Verhandlungen über die nächste Tranche an Notkrediten führt der IWF gemeinsam mit Vertretern der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Gespräche der Troika mit Athen würden erst wieder aufgenommen, "wenn eine neue Regierung steht", sagte IWF-Sprecher Gerry Rice. Er fügte hinzu, Griechenland habe keinen "unmittelbaren" Finanzierungsbedarf.

Ende Februar läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus. Die Eurozone hatte es am 8. Dezember um zwei Monate verlängert, um mehr Zeit für die Überprüfung der griechischen Finanzen zu haben. Danach entscheidet sich, ob die noch ausstehenden sieben Milliarden Euro an Notkrediten ausgezahlt werden. Andernfalls droht Athen nach Einschätzung der amtierenden Regierung ab dem Frühjahr die Zahlungsunfähigkeit.

Bei der für den 25. Januar angesetzten vorgezogenen Wahl könnte das Linksbündnis Syriza von Alexis Tsipras die konservative Nea Dimokratia (ND) des amtierenden Regierungschefs Antonis Samaras überflügeln. Tsipras will die Sparpolitik beenden und einen Schuldenerlass erreichen.

Schäuble pocht auf Fortsetzung der Reformen

Deshalb warnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Griechenland angesichts der anstehenden Parlamentswahl vor einer Abkehr vom Sparkurs. "Wenn Griechenland einen anderen Weg einschlägt, wird es schwierig", hieß es in einer Mitteilung seines Ministeriums. Den Reformkurs in Griechenland bezeichnete der CDU-Politiker als alternativlos. Schäuble kündigte an, Griechenland solle "auf seinem Weg der Reformen mit Hilfe zur Selbsthilfe" weiter unterstützt werden.

Wie Hüther sieht auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, trotz der angespannten politischen Lage in Griechenland keine erheblichen Gefahren für Europa. "Ich erwarte keinen signifikanten Rückschlag für Europa durch die politische Krise in Griechenland", sagte er. "Viele andere Krisenländer in Europa sind auf einem guten Weg, haben wichtige Reformen umgesetzt und sehen erste wirtschaftliche Erfolge."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen