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Fed gegen EZB: IW warnt vor Währungskrieg

Seit Mai hat der Euro zum Dollar zehn Prozent abgewertet. Den Amerikanern reicht es. Sie stehen kurz davor, gegen den schwachen Euro in die Schlacht zu ziehen. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt: Ein Abwertungswettlauf hat noch nie geholfen.

Angesichts der anhaltenden Euro-Schwäche warnt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Europäische Zentralbank (EZB) ungewöhnlich scharf vor einem Abwertungswettlauf mit den USA. In einem Gastbeitrag für die "Bild-Zeitung" erklärte IW-Direktor Michael Hüther: "Wir sind einem Währungskrieg durch bewusst herbeigeführte Abwertungen sehr nahe. Was jetzt beim Euro passiert, haben wir zuvor beim japanischen Yen erlebt. Besser geht es der japanischen Volkswirtschaft deshalb aber nicht."

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Abwertungen lösten keine strukturellen Probleme, warnte Hüther: "Ein Abwertungswettlauf schädigt alle." Der IW-Chef nannte es "beachtlich", dass der Euro als Weltwährung seit Mai gegenüber dem US-Dollar zehn Prozent an Wert eingebüßt habe.

Hüther erwartet, dass die Abwertung anhält. Durch die Politik der EZB, künftig auch Banken hochriskante Papier abzukaufen, würden Investoren angeregt, "das billige Geld aus Europa abzuziehen und zu höheren Zinsen in den USA anzulegen. Diese Kapitalströme verstärken die Abwertung des Euro", erklärte der IW-Chef.

Nowotny: Chancen für Wachstum 2015

Nicht alle Experten teilen die Skepsis. Nach Einschätzung des EZB-Ratsmitglieds Ewald Nowotny lässt der schwächere Euro auf ein Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone im kommenden Jahr hoffen.

Außerdem trage er dazu bei, die Gefahr einer zu niedrigen Inflation zu dämmen, sagte er in Washington am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. "Die Gründe, warum wir für 2015 eine Verbesserung erwarten, sind vor allem, dass die Exportseite hier deutlich anzieht", sagte Nowotny vor Journalisten.

Die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar wirke sich nicht nur günstig auf die Exporte aus, sondern habe auch "einen positiven Effekt auf die Inflationsrate, die ja derzeit deutlich unter dem ist, was unsere Zielsetzung ist". Sie dürfte im September 0,3 Prozent betragen, die EZB peilt zwei Prozent an.

USA wollen keinen starken Dollar

So sichtbar wie in diesem Jahr war der Fußabdruck der Notenbanken in die Währungspolitik selten. Während die EZB versucht, die Inflation anzutreiben, hat die US-Notenbank Fed bereits den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes eingeläutet. Angesichts des zunehmend stärkeren Dollar könnte sie sich aber umzubesinnen.

Amerika lehnt - auch wenn es oft anders heißt - eine Politik des starken Dollar ab. Euro und Yen haben aus Sicht der Amerikaner inzwischen ausreichend abgewertet. Im jüngsten Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung äußerte die Währungshüter die Sorge, dass ein starker US-Dollar das US-Wirtschaftswachstum gefährden könnte. Auch wurden von Fed-Mitgliedern Bedenken bezüglich einer schwächelnden US-Inflationsrate vorgetragen.

Die Marktteilnehmer werteten dies als Hinweis auf eine Verschiebung einer ersten Zinserhöhung vom Frühjahr auf den Sommer aufgrund von Sorgen um die US-Wirtschaft.

Quelle: n-tv.de

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