Wirtschaft

Höher als chinesische Rate: Indien rechnet sich sein Wachstum schön

Ein Wirtschaftsberater ist verwirrt, auch der Notenbankchef ist sehr zurückhaltend: Indiens Regierung wartet mit einer starken Wachstumsrate auf. Allerdings ändert man in Neu Delhi per Federstrich die Berechnungsgrundlage.

Premierminister Narendra Modi will bei den Indern mit gute Zahlen glänzen.
Premierminister Narendra Modi will bei den Indern mit gute Zahlen glänzen.(Foto: AP)

Indiens Wirtschaft wächst inzwischen schneller als das Wirtschaftswunderland China - jedenfalls auf Basis einer neuen Berechnungsmethode. Die bezogen auf die Gesamtleistung nach Japan und China drittgrößte Volkswirtschaft Asiens habe im abgelaufenen Quartal von Oktober bis Dezember 2014 um 7,5 Prozent zugelegt, teilte das Ministerium für Statistik in Neu Delhi mit. Im Quartal davor waren es nur 5,3 Prozent - aber da wurde auch noch anders gerechnet.

Chinas Wirtschaft erzielte im letzten Vierteljahr 2014 nach Angaben der eigenen Behörden ein Plus von 7,3 Prozent. Das oberste Statistikamt Indiens hatte jüngst angekündigt, die Berechnungsgrundlage zu ändern. Bislang galt das Haushaltsjahr 2004/2005 als Bezugsjahr, nun ist es 2011/2012. Zudem werden ab sofort die Marktpreise der Güter und Dienstleistungen anstatt der Produktionskosten der Firmen zur Ermittlung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) herangezogen.

In der Folge wurde Indiens Wachstumsrate für das Haushaltsjahr 2013/2014 von 4,7 auf 6,9 Prozent angehoben. Die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) von Premierminister Narendra Modi war im Frühjahr des vergangenen Jahres vor allem wegen ihres Versprechens gewählt worden, die indische Wirtschaft anzukurbeln und mehr Jobs zu schaffen.

Experten sind skeptisch

Die Statistiker gehen nun davon aus, dass sie im laufenden Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent verbuchen können. Sie vermeldeten aber noch nicht, wie diese Zahl auf Basis der alten Berechnungsgrundlage ausgesehen hätte.

Die Zahlen verwirrten ihn, sagte der oberste Wirtschaftsberater der indischen Regierung, Arvind Subramanian, einer indischen Zeitung. Auch Indiens Notenbankchef Raghuram Rajan glaubt nicht, dass der Subkontinent die Wachstumsflaute der vergangenen drei Jahre schon überwunden habe: "Wir sollten allen Daten, die suggerieren, wir seien aus dem Gröbsten heraus, jetzt nicht zu viel Gewicht verleihen", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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