Wirtschaft
Video

Werden Investoren abgeschreckt?: Industrie sorgt sich nach AfD-Wahlerfolgen

24 Prozent in Sachsen-Anhalt, auch zweistellig in zwei anderen Ländern: Nach dem erfolgreichen Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen fürchtet BDI-Chef Grillo um Investoren. Ökonomen widersprechen - schließlich sei Deutschland nach wie vor stabil.

Video

Die Wirtschaft sorgt sich angesichts der Erfolge der rechtspopulistischen AfD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt um den Standort Deutschland. "Es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass der teilweise hohe Zuspruch für rückwärtsgewandte Parteien wie AfD oder Linke Investoren abschreckt", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Ulrich Grillo, in Berlin. "Da muss man sich in Sachsen-Anhalt schon Sorgen machen." Dort stieg die AfD aus dem Stand heraus zur zweitstärksten Partei hinter der CDU auf.

Grillo sieht in den Wahlergebnissen einen Weckruf. "Jetzt ist es wichtiger denn je, den Weg zu erklären, wie die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen gelingen kann." Es gebe Chancen und Möglichkeiten für Deutschland, sie seien das beste Rezept gegen rechtspopulistische Tendenzen.

Auch beim Technologiekonzern Bosch ist man beunruhigt über die AfD-Erfolge. "Als internationales und global agierendes Unternehmen setzen wir uns dafür ein, dass Baden-Württemberg ein weltoffenes Land bleibt", sagte ein Sprecher nach der Wahl. "Deswegen sehen wir das Ergebnis der AfD - auch über Baden-Württemberg hinaus - mit großer Sorge."

Deutschland ist immer noch stabil

Gelassener äußerten sich allerdings Ökonomen zu dem Thema. "Alles ist relativ, und im Vergleich zählt Deutschland immer noch zu den politisch stabilsten und berechenbarsten Ländern in Europa", sagte der Europa-Chevolkswirt der Nordea Bank, Holger Sandte. "Daher glaube ich nicht, dass das Vordringen der AfD ausländische Investoren abschreckt."

Lars Edler, der die Investmentstrategie bei Sal. Oppenheim leitet, sieht das ähnlich: "Die Unternehmen brauchen ein stabiles regulatorisches Umfeld", sagte Edler. "Ob nun mit oder ohne AfD im Bundestag und in Landtagen: Das wird zunächst nichts daran ändern, dass man sich in München recht wohlfühlt." Seinen Worten zufolge wählen Investoren ihre Standorte nicht aus dem Bauch heraus. "Das sind langfristige Entscheidungen, teils über Jahre oder Jahrzehnte" sagte der Fondsmanager. "Ich glaube nicht, dass ein Wahlerfolg der AfD ein Entscheidungsparamater ist."

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte voraus, die traditionellen Parteien in Deutschland dürften nun zusammenrücken, um stabile Regierungen im Bund und in den Ländern zu bilden. Die politische Stabilität in Deutschland sähen ausländische Investoren daher nicht gefährdet. "Allerdings fragen sie sich, wie die notwendige Weiterentwicklung der Währungsunion vorangetrieben werden kann, wenn in vielen Ländern anti-europäische Protestparteien auf dem Vormarsch sind", sagte Krämer. "Risiken sehen sie also vor allem für die weitere europäische Integration."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen