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90-Milliarden-Strafe wirft Fragen auf: Ist die VW-Aktie nun "uninvestierbar"?

Wie teuer kommt Volkswagen "Diesel-Gate" zu stehen? Darüber diskutieren nicht nur Börsianer, nachdem die US-Regierung den Konzern hat mit einer Klage auflaufen lassen. Verschwörungstheorien machen die Runde, der Aktienkurs bricht ein.

Nachdem Volkswagen 2015 einer der schwächsten Werte im deutschen Börsenleitindex Dax gewesen ist, lässt sich auch das neue Jahr nicht gut an für das Indexschwergewicht. Nach Abgaben von mehr als 5 Prozent am ersten Handelstag verloren die Titel erneut deutlich: Sie stürzten zeitweise mehr als 6 Prozent ab, schlossen dann mit einem Abschlag von rund 4 Prozent. Sie waren damit aber weiter mit Abstand größter Verlierer im Dax. Der Grund lag erneut im Skandal um manipulierte Abgaswerte.

Das US-Justizministerium hatte eine Zivilklage gegen den Volkswagen-Konzern eingereicht. Das Ministerium wirft dem Konzern im Namen der Umweltschutzbehörde EPA vor, in knapp 580.000 Dieselfahrzeugen Software zur Manipulation von Abgaswerten verwendet zu haben. Der Autobauer habe damit US-Umweltgesetze verletzt. "Autohersteller, die ihre Autos nicht angemessen zertifizieren und die Systeme zur Abgaskontrolle manipulieren, missbrauchen das Vertrauen der Öffentlichkeit, gefährden die öffentliche Gesundheit und benachteiligen Konkurrenten", sagte John Cruden von der Umweltabteilung des Justizministeriums.

Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, mit Hilfe einer eingebauten Software bei weltweit elf Millionen Fahrzeugen falsche Abgaswerte erzeugt zu haben. Ein Volkswagen-Sprecher kündigte nun an, weiterhin mit der US-Umweltbehörde EPA an Abhilfemaßnahmen zu arbeiten, damit die Fahrzeuge so schnell wie möglich mit den Vorgaben der Regulierer übereinstimmen.

Spekulation über Höhe der Strafzahlungen

Am Markt sorgten vor allem Spekulationen über eine mögliche Strafe für Verunsicherung. Sie könnte sich laut Medienberichten bis auf 90 Milliarden Dollar belaufen. "Die Berechnung ist allerdings fragwürdig", sagte ein Händler. Klar sei, dass wegen rund 580.000 manipulierten Autos ein Betrag von 32.000 bis zu 37.500 Dollar je Fahrzeug fällig werden könnte. Damit liege man im Bereich der schon länger gespielten 18 Milliarden Dollar, die der Markt hinreichend eingepreist haben dürfte, erläuterte der Marktteilnehmer.

VW werde nun aber in den USA vom Justizministerium wegen des Verstoßes gegen vier unterschiedliche Paragrafen angeklagt, daher sei der Betrag vervierfacht worden, hieß es weiter dazu. "Ob das Sinn macht, müssen US-Rechtsexperten beurteilen", sagte der Händler. Den Markt verunsichere das Thema aber. Allerdings: Es sei auch eine Erleichterungsrally möglich, wenn sich herausstelle, dass diese Rechnung unzutreffend sei und weiter über "nur" 18 Milliarden Dollar geredet werde, ergänzte ein weiterer Marktteilnehmer.

VW "systematisch" schwächen?

Als kritischer sieht er an, dass die US-Umweltbehörde EPA, anders als das Kraftfahrtbundesamt, alle bisherigen Vorschläge von VW zurückgewiesen habe, die Manipulationen über Rückrufe zu technisch zu beseitigen: "Das wirkt so, als wolle man VW systematisch fertigmachen."

n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker wiegelte indes ab: "Das sehe ich nicht so. Volkswagen spielt auf dem amerikanischen Automobilmarkt keine wesentliche Rolle. Jedenfalls keine wettbewerbsrelevante, die den US-Herstellern irgendwie gefährlich werden könnte." Er sieht das Problem an anderer Stelle: " Vielleicht sind die technischen Lösungen von VW eben nicht ausreichend. Wenn eine Nachbesserung nämlich so einfach wäre, hätte VW sie sicherlich zuvor auch schon eingesetzt, dann wäre der ganze Schwindel nicht notwendig geworden!"

Parallelen zu BP?

Ein Analyst ergänzte in einer ersten Einschätzung, dass er ein weiteres Problem für VW im Zusammenhang mit dem Klageort sieht: "Die Klage soll nach San Francisco verlegt werden, um mit den privaten Klägern von Sammelklagen zusammenzuarbeiten." Das sei bereits im Fall BP so gemacht worden. Die Gefahr sehr hoher Strafzahlungen erhöhe sich damit.

Für einen Händler bleibt die VW-Aktie wegen alldem bis auf weiteres "uninvestierbar". Dafür seien die Risiken einfach zu groß und zu schwer einzuschätzen. "Die Unsicherheit bleibt", sagte n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggraf.

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Quelle: n-tv.de

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